16. März 2015
"Industrie 4.0 - verpassen wir den Zug?"
Zu einem Vortrag mit dem Thema Industrie 4.0 hatte der Vorstand der Sektion Wetzlar des Wirtschaftsrats Hessen in die Räume der die.interaktiven GmbH & Co. KG geladen. Prof. Dr. Gerrit Sames von der Technischen Hochschule Mittelhessen referierte als ausgewiesener Experte vor den Mitgliedern und ausgewählten Gästen.
Foto: Wirtschaftsrat

Umfragen zeigen immer wieder, dass Unternehmer mit „Industrie 4.0“ relativ wenig anfangen können. Gerade in mittelständischen Unternehmen wird das Thema eher skeptisch und verhalten betrachtet. Eine Umfrage der „Welt“ in 2014 ergab, dass 64,3 Prozent der Unternehmer mit dem Begriff "Industrie 4.0" nichts anfangen können. Eine Umfrage in 2015 brachte das gleiche Ergebnis. Doch die Erläuterungen von Prof. Sames zeigen, dass viele Dinge bereits genutzt werden, ohne zu wissen, dass dies schon Industrie 4.0 ist. Viele mittelständische Unternehmen gehen davon aus, dass Industrie 4.0 nur etwas für die großen Unternehmen ist. Doch das ist eine verkürzte Sicht auf die Notwendigkeiten. Generell gehe es darum, ein Unternehmen produktiver, handlungsfähiger und rentabler werden zu lassen und dabei die schnell voran schreitende Technik zu nutzen. Technische Prozesse und Geschäftsprozesse sollen zusammenwachsen und damit immer effizienteres Arbeiten ermöglichen.

 

Verbesserte Effizienz  und höhere Rentabilität sei für jedes Unternehmen erstrebenswert, doch betrachtet man dies unter dem Aspekt der sich wandelnden Demographie und dem damit einhergehenden Fachkräftemangel, werde schnell klar, dass die Unternehmen unbedingt schnell handeln müssen, um mit den zukünftigen Herausforderungen umgehen zu können. Prof. Sames: „Besonders unsere mittelständischen Unternehmen werden in einigen Jahren nicht mehr die Anzahl an Mitarbeitern finden, um die Geschäftsprozesse noch so wie heute abzuwickeln!“

 

Das Internet biete mittlerweile viele Ansatzpunkte: Von Arbeitsanweisungen über das Tablet – auch in verschiedenen Sprachen, PC-gesteuerte individuelle Einstellungen des Arbeitsplatzes, E-Learning in Leerzeiten… Es gelte, Verbesserungspotential zu erkennen und die Möglichkeiten der Informations – und Kommunikationstechnologie weitestgehend sinnvoll auszuschöpfen. Ziel dabei sei, die Mitarbeiter zu unterstützen, bei aufwändigen Routinetätigkeiten zu entlasten und Prozesse zu vernetzen.

 

Im Anschluss an den Vortrag erfolgte eine rege Diskussion unter den teilnehmenden Unternehmern und dem Referenten, der viele Jahre selbst in produzierenden Betrieben als Geschäftsführer tätig war. Natürlich  müsse in jedem Betrieb individuell geschaut werden, wo was eingesetzt werden könne und keines Falls gehe alles auf einmal. Doch Hinsehen ist wichtig und auch kleine Schritte sind lohnenswert.

 

Wünschenswert wäre, wenn wir in dieser Richtung etwas weniger „Deutsch“ wären, also weniger Fachgremien bilden und erst mal alles kompliziert reden, sondern uns Handlungsweisen aus dem Ausland abschauen. In anderen Ländern, wie USA oder China, wird nicht lange darüber geredet sondern einfach gehandelt.

Kontakt
Michael Dillmann
Landesgeschäftsführer
Wirtschaftsrat der CDU e.V. - Landesverband Hessen
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