11. Juli 2016
Mittagsgespräch der Sektion Pinneberg im Hause der Strätker Sandstrahlarbeiten KG
Industrieflächen für die Region Pinnebrerg
Industrieflächen für „rauhes Gewerbe“ würde es im Hamburger Umland praktisch gar nicht mehr im Angebot geben, aber auch normale Gewerbeflächen seien im Kreis Pinneberg bereits knapp. Dr. Harald Schroers, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft des Kreises Pinneberg mbH, zeigte im Hause Strätker Sandstrahlarbeiten KG in Elmshorn Möglichkeiten auf, wie neue Flächen durch die Landesplanung bereitgestellt werden können.
Jan Heitmann (stehend), Gesellschafter der Jan Heitmann GmbH / Foto: Wirtschaftsrat

Einleitend stellte Dr. Schroers dar, daß das Gewerbeflächenangebot insgesamt schrumpfe. Neue Gewerbeflächen würden in den dichter besiedelten Regionen nahe Hamburg eher zögerlich entwickelt. Passende Flächenpotentiale würden wegen der höheren Flächen-produktivität bevorzugt für Wohnbau genutzt. Noch schwieriger sei es mit Industrieflächen. Ein größeres Industriegrundstück an der Westküste sei beispielsweise durch ein Solarkraftwerk für dreißig Jahre vom Markt verschwunden. Ausnahme: das Industriegebiet Brunsbüttel, die hier vorhandenen Flächenreserven kämen aber für viele regional ausgerichtete Unternehmen wegen ihrer Lage nicht in Frage.

Krach, Lärm und Gestank wolle keine Kommune gerne haben. Die Einrichtung eines BImSch-Betriebes setze daher umfang reiche Genehmigungsverfahren voraus. Als  Wirtschaftsförder-gesellschaft des Kreises könne man die Erschließung und Planung von Gebieten übernehmen, dennoch gäbe es im Kreis Pinneberg viele Kommunen, die ihr Gebiet selbst entwickelten. Eine Vermarktung aus einer Hand mit einem von vielen Unternehmern gewünschten einheitlichen Ansprechpartner, wie sie die Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft Stormarn anbieten könne, wo die Kommunen ihre Flächen zur Entwicklung an den Kreis übertragen hätten, sei deshalb nicht so einfach möglich. Die Preise für Gewerbegrundstücke variierten in der Region. So seien bis vor Kurzem in Horst noch 11.000 qm für 45 Euro pro qm zu erwerben gewesen, während man weiter Richtung Hamburg in Elmshorn und Tornesch beim Doppelten läge und in Wedel mit 150 Euro oder in Norderstedt mit bis zu 300 Euro pro qm rechnen müsse.

Der lokale Mittelstand könne bei solchen Preisen nicht mehr in der Region wachsen, Branchen mit einer geringen Flächenrendite müssten gen Norden abwandern. Um das Angebot für den Kreis weiterzuentwickeln, müßte der Regionalplan neu justiert werden. Seit den 1930er Jahren ziehe dieser beispielsweise die Entwicklungsräume entlang der Eisenbahntrassen, obgleich die Wertschöpfungsachsen längst entlang der Autobahnen logistisch bevorzugt werden würden. Nach jetzigem Stand sei erst 2019/20 mit einem überarbeiteten Regionalplan zu rechnen. Wenn man die interessanten Flächenreserven bis dahin nutzen wolle, müßte auch über eine engere Zusammenarbeit der Kommunen nachgedacht werden. Die mit Abstand höchste Flächenproduktivität biete derzeit übrigens die Windkraft.

In der anschließenden Diskussion lenkte Dr. Michael von Abercron den Blick auf die Industriebrachen, deren Nachnutzung aufgrund notwendiger Bodensanierungsmaßnahmen schwierig sei. Hier wäre es wichtig, durch eine Anerkennung von Ausgleichsmaßen für eine
Bodensanierung die Flächenrückgewinnung zu befördern. /BZ