16. November 2011
Dreieich
Innovationskraft Deutschland - Ist der Zenit überschritten?
„Wenn du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.“ Mit diesem Zitat von Antoine de Saint-Exupéry eröffnete Hans Strothoff, Gründer der Strothoff International School, die Veranstaltung "Innovationskraft Deutschland - Ist der Zenit überschritten?" in seiner Schule in Dreieich mit Prof. Dr. Heinz Riesenhuber MdB, Bundesminister für Forschung und Technologie a.D.
Prof. Dr. Riesenhuber Foto:Wirtschaftsrat

Ihm gehe es vor allem darum, in den jungen Menschen die Sehnsucht nach Wissen und Innovation zu wecken, sagte Strohoff. Erst wenn in den Augen ein Leuchten erscheine, das „Leuchten nach Neuem“, sei dieses Ziel erreicht. „Es ist ein großer Unterschied, ob man etwas will, oder ob man etwas wirklich will“, so Strothoff. Das beziehe sich auf die Innovation genauso wie auf die Kinder. Seiner Meinung nach können wir aber „in Deutschland mit Optimismus nach vorne blicken“.

 

Doch wie genau gestaltet sich Innovation in den hochkomplexen globalen Strukturen im 21. Jahrhundert? Seit Jahren stagniert die Zahl deutscher Patentanmeldungen – hier haben Amerikaner und Chinesen Deutschland längst den Rang abgelaufen. Die Begeisterungsfähigkeit der Nation für Innovation stagniert, sodass Wissenshunger und Engagement für wirklich Neues der Vergangenheit anzugehören scheinen.

 

Prof. Dr. Riesenhuber erläutert, dass die Arbeit schwieriger und komplexer, die Herausforderungen größer geworden seien. „Wir haben es geschafft, in einer offenen Welt zu leben, die wir immer haben wollten. Allerdings würde es nun auf zwei Dinge ganz genau ankommen“:  Erstens auf die Herausforderung, diese offene Welt zusammenzuführen - und zusammenzuhalten, und zweitens  Deutschland in dieser offenen Welt zu behaupten.

 

„Man kann Forschung nicht hoch und runter fahren, sie muss stetig bleiben“, so Prof. Dr. Riesenhuber. Ein Grund, warum sich dringend etwas ändern müsse, sei die Tatsache, dass bereits neun bis zehn Prozent eines Jahrgangs durch Schulabbrecher verloren gingen. Es stelle große Probleme dar, Lehrlinge für offene Stellen zu finden. „Es ist für Deutschland lebensgefährlich, wenn wir junge Leute verlieren. Wir haben hier noch nicht so eine Bildungskultur wie zum Beispiel in Amerika, die jeder dort als gut und vernünftig anerkenne.“

 

International gesehen seien unsere Bildungsausgaben nicht hoch, was auch an den Studiengebühren liegen würde. Der Bund habe allerdings schon Prioritäten gesetzt und festgelegt, sechs Milliarden Euro zusätzlich für Bildung auszugeben, so frühere Bundesminister. Das sind sieben Prozent des Bruttosozialproduktes. Außerdem sei ein sauberer Wettbewerb dringend nötig, den private und öffentliche Bildungseinrichtungen bereits begonnen haben. Der Wettbewerb regt Freude über den Umgang mit Herausforderungen an und motiviert die Leute, Innovationen selbst voranzubringen. Das würde auch durch Preisauszeichnungen von Stiftungen erreich werden.

 

Die Vielfalt offen zu lassen, jeden individuell zu fördern, das werde die größte Aufgabe der Bundesregierung sein, sagte Prof. Dr. Riesenhuber. Er betonte außerdem, dass die Faszination eines Berufsweges nicht von der Regierung vorgegeben wird, sondern dass es vor allem an den Unternehmen liege, mit Freude zu werben und so das Interesse für Naturwissenschaften zu wecken. Eine Initiative in den 80ern Jahren habe gezeigt, dass so etwas durchaus möglich sei.

 

Es würde zwar einiges gut laufen, allerdings habe er noch zwei besondere Wünsche an die Zukunft: erstens die steuerliche Forschungsförderung und zweitens bessere Rahmenbedinungen für Wagniskapital zu schaffen, sagte Prof. Dr. Riesenhuber. Priorität habe der Gedanke an die Wichtigkeit, und dass Forschung und Wissenschaft im Wachstum bleiben.  „Es wird nicht überall verstanden, dass es besser ist selbst zu innovieren, anstatt innoviert zu werden“. Die Frage, wie man Probleme in einer schwierigen Welt angehe sei nie ohne Risiko, das Risiko sei es, nichts zu tun.

 

Man müsse das Unternehmerwissen und den Drang in Gesellschaft und Politik verbreiten, die Leuchtkraft einer Idee mit viel Optimismus und Überzeugung anderen Menschen wie eine Selbstverständlichkeit nahe bringen, so Prof. Dr. Riesenhuber. Denn nur dann habe die Welt der Innovation eine realistische Chance, den globalen Wettbewerb zu überstehen.

Stefan Söhngen (Strothoff), Andreas Koini (Strotthoff), Prof. Dr. Heinz Riesenhuber MdB, Hans Strothoff, Jürgen E. Hagenlocher (Foto:Wirtschaftsrat)