12. April 2021
Aus den Ländern (Baden-Württemberg) - Innovationstreiber Tesla: Verlieren wir den Anschluss?
In der Konferenz „Innovationstreiber Tesla: Verlieren wir den Anschluss?“ beurteilt Ex-Tesla-Manager und Unternehmer Philipp Schröder die Herausforderungen, denen sich Deutschland auf dem Energie- und Mobilitätsmarkt stellen muss.
Philipp Schröder, Unternehmer und ehemaliger Deutschland-Tesla Chef (Quelle: https://financefwd.com/de/capinside-sto/)

Im Austausch mit den Unternehmern im Wirtschaftsrat definierte der ehemalige Tesla-Deutschland-Manager und Gründer der Klimaunion, Philipp Schröder, drei Bereiche, deren Anforderungen ein internationaler Marktführer erfüllen sollte und griff dabei auf die Strategien Teslas und Elon Musks zurück. Er beurteilte die Kapazitäten und Chancen der deutschen Energie- und Mobilitätsbranche, eine führende Marktposition zu erlangen.

 

Der erste Bereich, die „Kapitalmarktfähigkeit“, erfordere große Investitionen in Kapitalmärkte, die noch nicht „wirtschaftlich attraktiv“ seien. Durch „Wetten auf die Zukunft" und eine hohe Summe an bereits vorhandenem Kapital könnten neue und von „heutigen betriebswirtschaftlichen Ergebnissen entkoppelte Wertschöpfungsketten“ kreiert werden. Charakteristisch für diese „befreiende“ Herangehensweise sind nach Philipp Schröder der chinesische und der amerikanische Markt. Deutschlands aktuelle Chancen betrachtet der ehemalige Vertraute Elon Musks als gering, da Mut zu innovativen Investitionen fehle und die gewünschte Rentabilität ein großes Entscheidungskriterium für Investitionen sei. Er blickt jedoch mit Hoffnung auf die jüngsten Entwicklungen bei Volkswagen unter dem Vorstandsvorsitzenden Dieter Diess.  

Philipp Schröder, zu Gast beim Wirtschaftsrat (Quelle: WR)

 

Hingegen sieht Schröder ein hohes Potential Deutschlands im Bereich „Innovation und Technologie“. In diesem Zusammenhang verwies er auf zahlreiche deutsche Technologien, wie das Prinzip des „bidirektionalen Ladens“ (Ein- und Entladen von Strom, eine Initiative von Volkswagen). Durch das „Laden in zwei Richtungen“ kann der Strom aus dem Netz entnommen werden und zugleich zurückgespeist werden. Jedoch sieht er Nachbesserungsbedarf in Bezug auf die Wertschöpfungsketten. So werden Produkte in Deutschland entwickelt und hergestellt, die Wertschöpfung findet jedoch im Ausland statt. Nochmals weist Philipp Schröder auf das Problem des begrenzten Kapitals und der Marktzugangsschwierigkeiten hin. Als dritten Punkt sprach Schröder die „Dekarbonisierung der Welt“ an, in welcher die Mobilitätswende nur als ein Teil der Energiewende betrachtet wird. Schröder erläuterte Deutschlands gut geeignete Ausgangsposition. Durch die höchsten Investitionen pro Kopf in erneuerbare Energien und eine moderne Standardausrüstung in deutschen Häusern, kann es Deutschland gelingen eine prädestinierte Rolle für das Führen bestimmter Geschäftsmodelle einzunehmen. Mit dem Blick durch die „Makro-Energie Mobilitätsbrille“ sieht er in Deutschlands Volkswirtschaft eine realistische Chance eine bedeutende Position auf dem anbrechenden Energie- und Mobilitätsmarkt zu erzielen. 

In der anschließenden Diskussionsrunde kam von Christoph Werner, DM- Geschäftsführer die Frage nach einer vereinheitlichten Verwendung von Akku- Packs auf, welche eine effektivere Nutzung der Ladeinfrastrukturen, besonders in deutschen Großstädten, ermöglichen würde.  Philipp Schröder wies auf Umsetzungsprobleme, wie eine fehlende europäische Standardisierung, ein zu hoher potentieller Kostenanstieg sowie auf fehlendes Interesse an der Umsetzung in anderen Staaten hin.