26. Januar 2017
Abendveranstaltung der Sektion Lübeck
Innovativer Währungswettbewerb
Mathias Roch ist von der Erfindung von Bitcoins begeistert. Dabei reizt ihn nicht die Spekulation, sondern die in der neuartigen Währung steckende Blockchain-Technologie, die zukünftig auch in anderen Bereichen zu bahnbrechenden Innovationen führen kann.
v.l. Mathias Roch im Gespräch mit Steuerberater Magnus von Buchwaldt (Foto: Wirtschaftsrat)

Am Anfang sei er selbst skeptisch gewesen, berichtet der Lübecker Unternehmer. Zunächst habe er sich einen „Miner“ für ca. 1.000 Euro gekauft. „Der hat mir Bitcoins produziert, die ich dann an einer Börse erfolgreich verkaufen konnte. Rechenleistung gegen Cash. Die fertigen Bitcoins werden zwischen elektronischen Brieftaschen getauscht.“ Die NSA könne die Geldflüsse sicherlich zuordnen, aber ansonsten seien Bitcoins ähnlich anonym wie Bargeld. Aber nicht nur das: „Internationale Transaktionen zwischen unterschiedlichen Währungen sind in Echtzeit und gebührenfrei möglich.“ Das sei ein interessanter Wettbewerbsvorteil, so Roch.

Roch ist kein klassischer Startup-Unternehmer, sondern ein Lübecker Kaufmann, der mit seinem Bruder und der Roch Services GmbH neue Prüfverfahren für die Standfestigkeit von Beleuchtungsanlagen entwickelt hat und inzwischen zum europäischen Marktführer herangewachsen ist. Dennoch hat er vor einiger Zeit eine Firma in Österreich übernommen, die neue Geschäftsmodelle mit Bitcoins testet. In Deutschland seien die Regulierungen derzeit noch zu hoch, aber auf mittlere Sicht brauche es eine einheitliche europäische Rahmensetzung. Sein „Miner“ sei inzwischen hoffnungslos veraltet und praktisch wertlos. Die Geldproduzenten würden ohnehin in Länder mit geringen Stromkosten ausweichen. Die maximale Bitcoin-Geldmenge sei im zugrundeliegenden Algorithmus, der für jeden offen lesbar und frei kopierbar sei, auf 21 Millionen Bitcoins beschränkt worden. Anschließend würden die Kosten der Aufrechterhaltung des Geldsystems über einen Gebührenmechanismus auf unbestimmte Zeit automatisiert geregelt.

Sektionssprecher Heinrich Beckmann zeigte sich fasziniert, aber auch ein wenig skeptisch. Eine Geldmenge, die sich losgelöst von der Wirtschaftskraft entwickelt, werfe Fragen auf. Und wenn jeder den Quellcode kopieren könne, würden bald neue Geldsysteme in direkte Konkurrenz zum Bitcoin-System treten. „Genau das geschieht weltweit täglich“, so Roch, allerdings habe sich das Bitcoin-System inzwischen bereits als weltweit relevantes Tauschmittel im Wettbewerb der Währungen etabliert. Und bei jeder Krise, vor allem aber jeder Vertrauenskrise der staatsbankregulierten Währungen, würden die Kurse für Bitcoins nach oben ausschlagen. Im Gegensatz zu den Ultraniedrigzinsen bieten Bitcoins durchaus weiteren Raum für Kursspekulationen, auch weil die Geldmenge am Ende begrenzt und das Geldsystem damit deflatorisch konzipiert sei. Aber jeder Bitcoin lasse sich in 100.000 Mikro-Bitcoins oder noch feiner in „Satoshi“ aufteilen. Währungsspekulation sei jedoch nicht sein Geschäft, sondern er möchte die neuartige Technologie für neue Anwendungsfelder entwickeln und plane dazu den Aufbau eines Kompentenzzentrums in Lübeck. / kp