26. April 2012
Integration von erneuerbaren Energien: Wo bleibt der Markt?
Dr. Dr. Tobias Paulun zu Gast beim POLITISCHEN FRÜHSTÜCK
Wie entstehen die Preise an der führenden Energiebörse in Europa? Wie kann sich die Energy Exchange (EEX) zu einer transparenten Handelsplattform für die Energiemärkte weiterentwickeln? Vor welchen Herausforderungen sieht sich die EEX durch die Energiewende gestellt?
Matthias Leutke begrüßt Dr. Dr. Tobias Paulun (Foto: Jürgen Joost)

Dr. Dr. Tobias Paulun, Director Strategy and Market Development, erläuterte die Arbeit der Leipziger Strombörse. Im Jahr 2000 als Energy Exchange (EEX) in Frankfurt am Main entstanden, fusionierte diese 2002 mit der Leipzig Power Exchange (LPFX). 2007 gründete die EEX zusammen mit der französischen Powernext SA die EPEX SPOT SE mit Sitz in Paris, die Märkte für den kurzfristigen Stromhandel in Deutschland, Frankreich, Österreich und der Schweiz betreibt. Dort wird täglich um 12 Uhr der „Physical Electricity Index“ (Phelix) berechnet, der europaweit Maßstab und Referenzpreis für Stromlieferungen am Folgetag ist.

 

Deutschland verbraucht jährlich knapp ein Fünftel des gesamteuropäischen Strombedarfs, regenerativ wird derzeit ein Anteil von 20 Prozent erzeugt. Die Förderung geschieht marktfern,

beispielsweise durch festgelegte Einspeisetarife und eine garantierte Vergütung des erzeugten Stroms, das heißt unabhängig von den zum jeweiligen Zeitpunkt benötigten Mengen. Die Einspeisung des Stroms erfolgt für den Erzeuger risikolos zu jedem Zeitpunkt und zu festgelegten Preisen. Diese werden durch eine Umlage, die das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festschreibt, vom Verbraucher subventioniert. Da zu erwarten ist, dass die EEG-Umlage mit weiter zunehmender Steigerung des Anteils erneuerbarer Energien ebenfalls weiter steigen wird, würden Marktmodelle, die zu einer Senkung der EEG-Umlage beitragen, die Akzeptanz des Fördersystems langfristig erhöhen. Andererseits könnten auch Speicher einen entscheidenden Fortschritt für die Marktnähe der erneuerbaren Energien bedeuten. Derartige Technologien sind derzeit allerdings noch nicht im großtechnischen Maßstab verfügbar und erfordern hohe Investitionsbereitschaft. Hierfür sind stabile Rahmenbedingungen und ein langfristig tragfähiges, verlässliches Marktdesign eine entscheidende Voraussetzung.