08. Oktober 2020
Jagd ist systemrelevant - aber nicht immer unproblematisch
Herbstliche Revierbegehung und Vortrag mit Wolfgang Hauser, Vorstandsmitglied der Sektion Essligen/Göppingen, zu der Bedeutung und den Herausforderungen der Jagd
Natur- und Umweltschutz ist das gesellschaftliche und politische Thema der Zeit. Trotzdem erkennen nur wenige die Bedeutung der Jagd für die Pflege des Waldes, die Erhaltung des natürlichen Tier- und Pflanzenbestands und auch für den Schutz der Landwirtschaft in Deutschland. Die große Relevanz der Jagd erklärte Wolfgang Hauser, langjähriger Sektionssprecher der Sektion Esslingen/Göppingen, bei einem herbstlichen Rundgang durch sein Revier.
Wolfgang Hauser referiert über die Relevanz der Jagd in der heutigen Zeit (Quelle: Sabine Graser-Kühnle)

Obwohl die Jagd in Deutschland auf eine lange Tradition rückblickt, wurde sie in den letzten Jahren zu einem umstrittenen Thema. Während der Veranstaltung wird schnell klar: Die Jagd dient der Erhaltung des natürlichen Ökosystems Wald, ist immer auch die „Pflicht zur Hege und Pflege des Waldes und des heimischen Artenbestands“ und könne niemals als reine Belustigung des Menschen zu verstehen sein. Das Erlegen von Tieren findet bei der Jagd nur in einem umweltverträglichen Rahmen und zum Schutz anderer Waldbewohner statt, wie etwa jungen Hasen, Rehen oder Bodenbrütern, erläutert Herr Hauser beim Gang durch den Wald.  

Auch hat die Jagd, neben dem Naturschutz, noch eine weitere wichtige Komponente, führt Wolfgang Hauser weiter aus. Sie sei gerade für die Land- und Forstwirtschaft elementar, denn sie verhindere Schäden an der Natur. So sei es auch die Aufgabe des Jägers, das Wild, welches auf Futtersuche oder in der Paarungszeit Ackerpflanzen und Bäume beschädige, durch Bejagung oder ausreichende Fütterung von ebendiesen Beschädigung abzuhalten.

Beim Rundgang durch das Jagdrevier wurde die Bedeutung der Jagd für das Ökosystem Wald ersichtlich (Quelle: Sabine Graser-Kühnle)

Auch die Auswirkungen der Corona-Pandemie führen zu Spannungen im Wald. Der hohe Freizeitdruck, der im letzten halben Jahr entstand, irritierte das Wild und störte die Jagenden bei ihrer Tätigkeit. Viele Städter hätten das Verständnis für ihre Umgebung vermissen lassen, etwa wenn sie mit ihren Mountainbikes illegal durch den Wald fuhren, so Hauser. Gerade deshalb seien Veranstaltungen wichtig, die einen stärkeren Austausch zwischen Jägern und Freizeitsportlern aus der Stadt ermöglichen und zu einer ausgeglichenen Begegnung von Stadt und Land beitragen. 

Ebenjene Begegnung zwischen interessierten Nichtjägern und einem erfahrenen Waidexperten konnte beim anschließenden Abendessen, selbstverständlich mit Wild aus dem eigenen Revier, weitergeführt werden. Auch bei diesem Austausch wurde klar, was Herr Hauser schon zu Beginn des Rundgangs äußerte: Jagd sei für ihn zwar eine Freizeitbeschäftigung, aber vielmehr seien  die Jagd im Allgemeinen, die Beschäftigung mit der Natur und den land- und waldwirtschaftlichen Abläufen eine Berufung. Die Veranstaltung im Freien ermöglichte, auch unter den Bedingungen von Corona, einen interessanten persönlichen Austausch zwischen den Teilnehmern und gab eine neue Perspektive auf Jagd und Natur.