22. August 2012
"Jeder Input wird später einmal Output!"
Prof. Dr. Stefan Bringezu, Experte für Nachhaltiges Ressourcenmanagement, motiviert die Immobilienbranche beim Mittagstisch der Sektion Köln des Wirtschaftsrates und der NRW-Landesfachkommission „Immobilienwirtschaft und Stadtentwicklung“.
v.l.n.r: Prof. Dr. Stefan Bringezu, Professor für Nachhaltiges Ressourcenmanagement beim Center for Environmental Systems Research (CESR) an der Universität Kassel, Leiter der Forschungsgruppe „Stoffströme und Ressourcenmanagement“ Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie GmbH; Anné Schwarzkopf, Vorsitzende der Landesfachkommission und Geschäftsführerin ANNÉ SCHWARZKOPF COMMUNICATIONS GMBH & CO. KG; Dr. Bernhard Hauke, Mitglied der Landesfachkommission und Geschäftsführer bauforumstahl e.V. (Foto: ANNÉ SCHWARZKOPF COMMUNICATIONS GmbH & CO. KG)

Rund 70 Fachleute aus Wirtschaft, Immobilienbranche und öffentlichen Einrichtungen wurden sehr neugierig, als Professor Bringezu, Experte für Nachhaltiges Ressourcenmanagement, beim Mittagstisch des Wirtschaftsrates Lösungen zum Zukunftsthema „Ressourceneffizienz in der Immobilien- und Bauwirtschaft“ vorstellte.

 

Professor Bringezu betonte, dass „deutsche Gebäude ca. 40 Prozent des Energieverbrauchs und 20 Prozent der CO2-Emissionen verursachen“ - ein erheblicher Anteil im Hinblick auf die Klimaziele der Bundesregierung, die eine Klimaneutralität des Gebäudebestandes bis 2050 vorsehen. Bringezu sieht eine von vielen Lösungen in Plus-Energiehäusern, die mehr Energie erzeugen als sie verbrauchen. Besondere Aufmerksamkeit müsse man dem „ökologischen Rucksack“ widmen. Dieser umfasst die Menge an Primärmaterialien, die eingesetzt wird, um ein Produkt herzustellen, die aber nicht direkt in dieses einfließt. Die Tragweite sei enorm: So enthielten zum Beispiel in Duisburg gefertigte Stahlbleche Eisenerz aus Brasilien. Bei der Planung von Bauwerken geht es verstärkt darum, den lebenszyklusweiten Ressourcenaufwand für die Errichtung und die Nutzung zu minimieren. „Das simple Konzept heißt: Jeder Input wird später einmal zum Output“, so Bringezu. Im „Urban Mining“ liege ein wichtiger Ansatz für eine ressourceneffiziente Immobilien- und Bauwirtschaft, die auch wirtschaftlich profitabel sei. „Die Städte sind ein riesiges Rohstofflager“ betonte Bringezu und bezog sich dabei auf das Beispiel Zürich. 100 Millionen Tonnen Rohstoffe seien hier verbaut. Beim Rückbau von Gebäuden ließen sich diese Rohstoffe wiederverwerten. „Das schont nicht nur unsere Umwelt, sondern spart auch jede Menge Geld“, so der Nachhaltigkeitsexperte. Dieser Trend ließe sich auch andernorts beobachten. „Das physische Wachstum des Bestandes geht zurück und die Themen Sanierung und Revitalisierung gewinnen gegenüber dem Neubau immer mehr an Bedeutung.“ Natürlich müsse stets die Frage der Bezahlbarkeit berücksichtigt werden. Aber hier lägen die wirtschaftlichen Vorteile der Ressourceneffizienz. Dies signalisierten allein schon die Rohstoffpreise an der Börse, verdeutlichte Bringezu. Bei allen Wirtschaftlichkeitserfordernissen sei bei der Ressourceneffizienz in der Immobilien- und Bauwirtschaft eine langfristige Betrachtung notwendig. „Der Baubestand der Zukunft muss mehrfach ²umnutzbar² sein“, erklärte der Wissenschaftler. Dies gelte es, bereits bei der Planung zu berücksichtigen. Nur so könne die Energie- und Materialeffizienz des Immobilienbestandes nachhaltig verbessert werden.

 

Die Mitglieder des Wirtschaftsrats interessieren sich immer stärker für Themen rund um die Immobilienwirtschaft. Deshalb ist dieses Fach seit mehreren Jahren ein eigenständiges Ressort der Unternehmerorganisation. Anné Schwarzkopf, Vorsitzende der NRW-Landesfachkommission „Immobilienwirtschaft und Stadtentwicklung“ fördert den Dialog zwischen Experten, Politik und Unternehmen besonders zu den Fragen „Ressourceneffizienz und Nachhaltigkeit in der Immobilienwirtschaft“ und der „Finanzierbarkeit von zukünftiger Stadtentwicklung“.  Der gemeinsame Mittagstisch mit der Sektion Köln ist Teil der NRW-weiten Aktivitäten. In der NRW-Landesfachkommission „Immobilienwirtschaft und Stadtentwicklung“ setzen sich führende Persönlichkeiten der deutschen Immobilien- und Finanzbranche ehrenamtlich dafür ein,  dass die Bedeutung von Ressourceneffizienz in der Immobilienwirtschaft in der breiten Öffentlichkeit bewusster gesehen und bewertet wird.