08. August 2017
Junger Wirtschaftsrat
Junge Unternehmer treffen Schaustellergewerbe
Ein Blick hinter die Kulissen des Hamburger DOMs
Dreimal im Jahr verwandelt sich eine der größten innerstädtischen Brachflächen Deutschlands zum größten Volksfest des Nordens. Mit ihren vielfältigen Fahrgeschäften und Imbissbuden locken die mehr als 250 Schausteller des Hamburger DOMs jährlich rund 10 Mio. Besucher auf das Heiligengeistfeld auf St. Pauli und bieten ihren Gästen von Nostalgie bis Nervenkitzel alles, was das Volksfestbesucherherz begehrt. Ohne Frage ist der DOM mit seiner Geschichte, die bis in 11. Jahrhundert zurückreicht, eine feste Institution in der Hansestadt.
Der Hamburger DOM ist legendär (Foto: Wirtschaftsrat)

Doch wie sieht es eigentlich hinter den Kulissen eines der ältesten und vielseitigsten Gewerbe aus? Davon konnten sich Mitglieder und Gäste des Jungen Wirtschaftsrates Hamburg auf dem diesjährigen Sommer-DOM einen exklusiven Eindruck verschaffen. Ein echtes Schausteller-Urgestein nahm dabei die Teilnehmer zunächst bei einem Begrüßungsgetränk in Empfang: Ernst Schau – Schausteller in fünfter Generation und u.a. Betreiber des Schießstandes ‚Safari‘ – ist seit über 50 Jahren im Geschäft und auf dem Rummel zu Hause. Gleich zu Beginn betonte er die Bedeutung des DOMs vor allem auch für das Stadtmarketing Hamburgs, denn „Werbung für den DOM ist auch Werbung für Hamburg“. So stehe für die Bewerbung des Volksfestes ein Etat von jährlich ca. einer Million Euro zur Verfügung, mit dem u.a. auch das wöchentlich stattfindende Feuerwerk realisiert werde.

 

Nach erster Einstimmung auf das Jahrmarkt-Geschehen ging es gemeinsam mit Schau zum ‚Wahrzeichen‘ des Hamburger DOMs: dem Steiger Riesenrad – mit einer Höhe von rund 60m bekannt als das größte mobile Riesenrad der Welt. Nach obligatorischer Runde in der Gondel mit tollem Weitblick über das Heiligengeistfeld und den Rest der Hansestadt erhielten die Teilnehmer Zutritt zu der wohl exklusivsten Lounge auf dem DOM. Auf Einladung des Ehepaars Rosenzweig tauschten sich die Jungunternehmer an der Bar des Gästebereichs des Riesenrads mit den Schaustellern aus. Das Schaustellergewerbe ist vor allem eine Branche der Familienunternehmer – und so ist auch der Riesenradbetrieb fest in Familienhand: Marlies und Theo Rosenzweig übernahmen das 1980 errichtete Riesenrad bereits von ihren Eltern und führen die Geschäfte mittlerweile mit ihrem Sohn.

v.l.: Carsten Ovens MdHB und Friederike Hagenbeck im Gespräch mit Ernst Schau, Hamburger Schausteller in der fünften Generation (Foto: Wirtschaftsrat)

Bei einem kühlen Bier blieb ausreichend Zeit für Fragen: „Wie oft ist man überhaupt zu Hause?“ oder „Wie sieht ein typischer Tag auf dem DOM aus?“ – Marlies Rosenzweig stand bereitwillig Rede und Antwort und berichtete aus dem Schaustelleralltag. Es ist kein leichtes Geschäft, das immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt wird. Aufgrund der immensen Logistikkosten beschränke man sich bspw. nur auf den norddeutschen Raum: Bremer Freimarkt, Oldenburger Kramermarkt, Hamburger DOM –  ein Abstecher in den Süden lohne sich da kaum. Außerdem zeichne sich ein klarer Trend zum Gastronomischen ab, so dass klassische Fahrgeschäfte zunehmend von Ausschankbetrieben abgelöst werden.

 

Unbeeindruckt vom typischen Hamburger Wetter machten sich die Teilnehmer weiter auf den Weg zur vorletzten Station des Abends – vorbei an den zahlreichen Wohnwagen, die viele Schausteller für den Großteil des Jahres ihr Zuhause nennen. Beim gemeinsamen Abendessen in der „Bauernkate“ auf Einladung von Inhaber Robert Kirchhecker gab es ausreichend Gelegenheit zum branchenübergreifenden Austausch zwischen den Jungunternehmern und den DOM-Schaustellern. Der Vizepräsident des Hamburger Schaustellerverbandes sorgte für das leibliche Wohl der Gäste und zwischen Currywurst und Poffertjes wurden vor allem die Probleme der Branche thematisiert: Hohe Transport- und Personalkosten, sinkende Gewinnmargen, immer mehr bürokratische Vorschriften. Hinzu komme das zunehmende „Volksfeststerben“, so dass immer mehr Volksfeste und Jahrmärkte von der Bildfläche verschwinden. Aber auch Umweltzonenregelungen, die die Zugfahrzeuge für den Aufbau großer Fahrgeschäfte betreffen, oder die alljährlich wieder aufkeimenden Proteste gegen das Ponyreiten seien konkrete Herausforderungen für die Schaustellerbetriebe.

Michael Semder versucht sich am Schießstand (Foto: Wirtschaftsrat)

Regelmäßig finden in Kirchheckers „Bauernkate“ überparteiliche Stammtische statt, um den Austausch mit der Politik zu fördern und den Schaustellern und ihren Interessen und Problemen Gehör zu verschaffen. Denn hinter dem bunten Jahrmarkttreiben steckt ein Wirtschaftszweig, der darum kämpft, zukunftsfähig zu bleiben.

 

Gut gestärkt hatten die Teilnehmer zum Abschluss des Abends noch Gelegenheit, am „Safari“-Schießgeschäft von Ernst Schau ihre Zielgenauigkeit unter Beweis zu stellen – (fast) jeder Schuss ein Treffer.

Kontakt
Christian Ströder
Referent für Wirtschaftspolitik
Wirtschaftsrat der CDU e.V. Landesverband Hamburg
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