15. November 2011
Frankfurt am Main
Juniorenkreis informiert sich über Energieversorgung von AllessaChemie
Zweiter Teil der Veranstaltungsreihe "Deutschlands Energiezukunft" beschäftigt sich mit Politikum
Unvoreingenommen folgten die Mitglieder des Juniorenkreises Hessen der Einladung der AllessaChemie zur Besichtigung ihres neuen Braunkohlestaubkraftwerkes am Standort Fechenheim. Wo alleine das Wort Braunkohle ein Großkraftwerk erwarten ließ, war die Überraschung groß, ein hochmodernes und kleines Kraftwerk vorzufinden. Modern, leistungsfähig, kompakt und günstig scheinen einige der Argumente für die gewählte Wärmetechnik zu sein, die am traditionsreichen Standort immerhin rund 800 Arbeitsplätze sichert.
Juniorenkreis bei AlessaChemie Foto:Wirtschaftsrat

Nachdem die Teilnehmer am Werkstor bereits durch Dirk Rühl von der Abteilung Unternehmenskommunikation empfangen wurden, hießen der Geschäftsführer Dr. Thomas W. Büttner sowie der Ressortleiter Dr. Joachim Kögler mit zwei Vertretern der Firma Getec AG, den Juniorenkreis Hessen auf dem Gelände der Firma AllessaChemie willkommen.

Bereits bei der Einführung durch Herrn Dr. Büttner wurde sehr deutlich, dass das Thema Energie in einem Chemieunternehmen eine sehr wichtige Rolle spielt, . Neben Strom und Heizung, für die normale Bürotätigkeit, sind es die Herstellungs- und Laborprozesse mit immerhin rund 800 Angestellten und Auszubildenden, welche einen hohen Energiebedarf erzeugen. Und da dieser Bedarf rund um die Uhr besteht, sind Ausfallrisiken zu minimieren, weshalb die Firma AllessaChemie seit jeher einen wesentlichen Teil ihrer Energie selbst erzeugt.

Als der Ressortleiter, Dr. Kögler, vor ca. zweieinhalb Jahren zum Unternehmen kam, war schon klar, dass die alten Gaskessel für die Standortsicherung durch ein modernes Kraftwerk ersetzt werden müssen. Dampf, also Wärme, ist es was AllessaChemie in großer Menge benötigt. Vor allem der Grundbedarf sollte durch ein neues Kraftwerk selbst gedeckt werden. Der zu Spitzenzeiten benötigte und über die Leistungsfähigkeit des eigenen Kraftwerkes hinaus gehende Bedarf, kann durch das 2005 in Betrieb genommene Biomassekraftwerk der Mainova, gedeckt werden. Dies sei eine wirtschaftliche Entscheidung gewesen, so Dr. Kögler weiter.

Ein Preisvorteil von 50% und eine auf zehn Jahre gesicherte Energiepreisbindung, sei gegenüber alternativen Brennstoffen wie Gas oder leichtem Heizöl, zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit des Standortes, von hoher Wichtigkeit. 

Ein etwas höherer CO2-Ausstoß im Vergleich zu einem Gaskraftwerk, sei bei der Entscheidung in Kauf genommen worden, zumal die CO2–Emissionen am Standort im Vergleich zu 2001 trotz des neuen Kraftwerks um 60% reduziert wurden. Positiv zu erwähnen ist außerdem der mit 92 % sehr hohe Wirkungsgrad des Kraftwerkes.

Unterschätzt habe man dagegen die Reaktion von Anwohnern und Politik, bei denen offensichtlich die Schlagworte Braunkohle und Staub alle Alarmglocken habe erklingen lassen. Dass es sich bei Braunkohlenstaub aber quasi um das "Filetstück" der Braunkohle handele, die nach Aussage von Pierre Hörler von der Getec AG eigentlich schon zur Abgrenzung von der Braunkohle einen anderen Namen verdient habe, sei wenig bekannt und würde zudem gerne übersehen. Hochwertige Roh-Braunkohle wird zu Staub zermahlen und dabei getrocknet, so dass eine sehr saubere und effiziente Verbrennung erfolgt. Bereits an den Grundstücksgrenzen des Firmenstandortes sind keinerlei Rückstände durch die Verbrennung des Kohlenstaubes mehr zu messen oder gar Gerüche wahrzunehmen, bestätigte Dr. Kögler.

Auch die Belastung durch zusätzlichen LKW-Verkehr für die Anlieferung des Braunkohlestaubs, ist deutlich geringer als zum Beispiel bei Biomassekraftwerken. Lediglich 3 Sattelzüge pro Tag versorgen das Kraftwerk und jeder 15. bis 20. Lastzug transportiert die Ascherückstände wieder ab. Der Kreislauf vom Entladen des Rohstoffs bis zum Einfüllen der Asche ist vollständig geschlossen, somit absolut staubfrei für Umwelt, Nachbarn und Mitarbeiter.

Bei der anschließenden Besichtigung der Anlage selbst, zeigten sich einige Mitglieder des Juniorenkreises überrascht. War die Anlage insgesamt doch deutlich kleiner und kompakter, als man es sich zunächst vorgestellt hatte. Neben zwei Rohstoffsilos, einem Abscheider inkl. Aschesilo und einem Schornstein, gab es lediglich eine Halle mit zwei 10m langen Kesseln zu besichtigen, deren Abmessungen deutlich kleiner als die Lagerfläche des benachbarten Biomassekraftwerkes sind.

Man habe auf sachlicher Ebene und aufgrund von Fakten eine Entscheidung getroffen, zu der man nach wie vor stehe. Fragen und Bedenken von Anwohnern und Politik nehme man sehr ernst, sei ihnen offen und ohne Vorbehalte begegnet und habe sich sehr große Mühe gegeben, im Dialog Aufklärung zu betreiben. Daher bedauere man die nicht immer sachlichen Reaktionen. "Mit den Ängsten der Menschen sollte man keine Politik machen", schloss Herr Dr. Kögler.

Der Juniorenkreis Hessen resümiert: Die Besichtigung zeigt deutlich, welchen Herausforderungen wir uns in Zeiten der Energiewende  stellen müssen. Die Interessen von Betroffenen, Unternehmern und nicht zuletzt auch Arbeitnehmern, sind bei der Frage der Energieerzeugung zu berücksichtigen. Nach Abwägung aller Faktoren bleibt am Ende eine Entscheidung zu treffen, deren breite Akzeptanz durch alle Betroffenen unerlässlich ist.