19. Januar 2017
Kapitalmarkt: Am Anfang einer Gezeitenwende?
Seit 2014 beschäftigen Niedrigzinsen die gesamte Kapitalmarktbranche. Nachdem die Flutung der Banken mit Reserven selbst zu geringsten Kosten nicht zu der erhofften Erhöhung des Investitionsvolumens geführt hat, erhebt die Europäische Zentralbank nun Negativzinsen auf Einlagen, die Banken bei der Zentralbank halten. Doch was bedeutet das für den allgemeinen Sparer? Muss dieser nun wieder den Sparstrumpf hervorholen und fällt man zurück in eine schwerfällige Bargeldwirtschaft? Felix Herrmann, CFA / Investment Strategist bei BlackRock Investment Management (UK) Limited, und Riwan Khan, Associate bei BlackRock Investment Management (UK) Limited, gaben Antworten.
Felix Herrmann gab Antworten auf die Frage nach den Entwicklungen des Finanzmarktes in 2017 (Foto: Wirtschaftsrat)

„Die pessimistische Grundhaltung des Vorjahres überträgt sich nicht in 2017“, erläuterte Felix Herrmann, CFA / Investment Strategist bei BlackRock. „Die Skepsis der Wertentwicklung europäischer Aktien hat sich mittlerweile neutralisiert, Tendenz positiv.“ Dies liege an drei Faktoren: Wachstum, Reflation, Politik. Diese drei Faktoren nehmen maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung am Kapitalmarkt. Besonders die derzeitigen politischen Prozesse in Europa, das Erstarken der Euro- und Globalisierungsgegner, bergen Risiken – auch für den Finanzmarkt. Der Kapitalmarktstratege eine umfassend positive Prognose für den europäischen Anlagemarkt: Die Beschleunigung des Weltwirtschaftswachstums wirken sich positiv auf den europäischen Kapitalmarkt aus. Ebenso verhalte es sich mit der Rückkehr der Inflation – die sogenannte Reflation. Auch das Ansteigen der Unternehmensgewinne lasse Bewertungen der europäischen Aktien steigen.

 

„Wir stehen weltweit vor einer Gezeitenwende! Anders als 2013 gehen Experten davon aus, dass sich die derzeit schon sichtbare Rotation fortsetzen werde“, so Herrmann weiter. Seit der Wahl Trumps in den USA sei dies deutlicher denn je zu erkennen: Investoren legen ihr Geld in Aktien an, in Anleihen werde nicht mehr investiert. Der Stratege warnt aber auch vor Euphorie. Der Renditeabstand zwischen USA und Deutschland werde immer größer. „Sie machen viel gut, wenn Sie am Ende eine schwarze Null stehen haben.“ Kursgewinne seien nicht zu erwarten. Auch biete die USA größere Anreize. So werden Investoren eher in eine festzinsliche Anlage in den USA investieren. Eine Rückkehr zu den alten Zeiten sei auch bei der guten Prognose für 2017 nicht zu erwarten.

 

Superwahljahr 2017: Die Politik als entscheidender Einfluss auf den europäischen Finanzmarkt (Foto: Wirtschaftsrat)

Riwan Khan, Associate bei iShares Institutional Sales Deutschland, BlackRock, zeigte den Veranstaltungsteilnehmern Anlagestrategien auf. Sein Fokus lag dabei auf den Exchange Traded Funds. „ETFs oder börsengehandelte Indexfonds sind effiziente Instrumente, um Anlageveränderungen im Rahmen der Richtlinie umzusetzen. Ich nenne sie Einfach, Transparent, Flexibel“, erklärte Khan. Gründe für den Einsatz der Fonds seien eindeutig: einfache Handhabung und schnelle Handelbarkeit, plus die Möglichkeit der breiten Risikostreuung über ein einziges Instrument. 

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Michael Dillmann
Landesgeschäftsführer
Wirtschaftsrat der CDU e.V. - Landesverband Hessen
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