28. Februar 2014
"Kein Anlass zur Selbstzufriedenheit"
EIB-Präsident Dr. Werner Hoyer vor Wirtschaftsrat in Düsseldorf
„Die Wirtschafts- und Finanzkrise in Europa ist noch nicht vorbei, auch wenn wir in Deutschland deren Existenz eher verdrängen“, leitete der Sprecher der Sektion Düsseldorf, Dr. Rainhardt von Leoprechting, zu dem Gedankenaustausch mit dem Präsidenten der Europäischen Investitionsbank (EIB), Dr. Werner Hoyer, ein. Rund 150 Unternehmer waren der Einladung gefolgt, um mit dem ehemaligen Staatsminister zu diskutieren.
v.l.n.r.: Dr. Guido Krüger; Uwe Rittmann; Dr. Rainhardt Freiherr von Leoprechting; Dr. Werner Hoyer; Dr. Otto-Heinrich Blank; Uwe Baust; Dr. Helmut Miernik (Foto: Wirtschaftsrat)

Die Große Koalition und die von ihr getragene neue Bundesregierung vermittelten mit der Einführung der sogenannten Mütterrente und der abschlagsfreien Rente mit 63 sogar den Eindruck, es sei alles wieder im Lot und die Politik könne „wieder Wohltaten verteilen“, kritisierte von Leoprechting die geplanten Gesetzgebungsvorhaben. Ein Blick über den deutschen Tellerrand hinaus auf die anderen Mitgliedstaaten der EU biete nach wie vor Anlass zur Sorge.

 

Europa habe auf die Krise mit einer kohärenten und konsistenten Strategie reagiert, betonte Dr. Hoyer. Die EU habe die richtigen Antworten auf die Krise formuliert. Die getroffenen Entscheidungen müssten nun weiter konsequent in den Mitgliedstaaten umgesetzt werden. Dies sei eine große Herausforderung für einzelne Staaten, die ihren Bürgern tiefgreifende Belastungen zumuten müssten. 

 

Erste Erfolge seien erkennbar. Die Wirtschaft erhole sich allmählich und der Konjunkturzug nehme Fahrt auf. „Wir sehen Licht am Ende des Tunnels, aber für Selbstzufriedenheit gibt es natürlich noch keinen Anlass“, warnte der Präsident der Europäischen Investitionsbank. Für viele Menschen sei eine Verbesserung noch nicht zu spüren. Nur wenn sich die Situation auch in der Realwirtschaft verbessere, vor allem auf dem Arbeitsmarkt, könne man davon sprechen, dass die Krise vorbei sei. Die Europäische Investitionsbank spiele eine Schlüsselrolle bei der Förderung vom Wachstum und Beschäftigung in der EU. In  Reaktion auf die Eurokrise habe die Europäische Investitionsbank eine bewusste Kehrtwende von einem prozyklischen zu einem antizyklischen Kurs gemacht. „Wir werden jetzt mehr Kredite vergeben, in den nächsten zwei Jahren fast siebzig Milliarden, das sind rund 40 Prozent mehr. Damit sollen in Europa Wachstum und Arbeitsplätze geschaffen werden.“