13. April 2016
"Keine Angst vor einem großen Platz"
Sind das Designer Outlet Center und die 2015 neu errichtete Holsten-Galerie der ECE-Gruppe Umsatzkiller für die Geschäfte am Großflecken? Und wie könnte gegengesteuert werden? Auf Einladung des Wirtschaftsrates der CDU diskutierten am 13. April 2016 Politik und Wirtschaft über Chancen und Risiken einer Umgestaltung des Großfleckens.
v.l. Thomas Michaelis, Uwe Döring, Holger Bajorat, Matthias Neumann, Thomas Krampfer, Reinhard Ruge, Mark Hädicke und Bernd Heilmann / Foto: Wirtschaftsrat

Zunächst formulierte Mark Hädicke, Projektleiter der Gesellschaft CIMA Beratung und Management: Der Umsatz sei für den Bereich Großflecken/Innenstadt von 2006 bis 2015 fast gleichgeblieben (+ 6,3 Prozent), die Kaufkraft habe aber um 18 Prozent zugenommen. Der Bereich habe also an Bedeutung verloren. „Neumünster ist eben noch keine Marke als Shoppingstadt“, so Hädicke. Und das, obwohl es viele Vorzüge habe. So werde die Wasserlage nicht genutzt, der Wochenmarkt falsch bestellt (Billiganbieter). „Verleihen Sie der Innenstadt ein Gesicht“, forderte der Experte auf. Nicht förderlich seien da unzählige verschiedene Pflaster und allein sieben Pollerarten als Möblierung der Fläche. „Räumen Sie da erstmal ein wenig auf “, so sein Appell.

Bernd Heilmann, Abteilungsleiter Stadtplanung und -entwicklung der Stadt Neumünster, hielt dagegen. Von 1981 bis 2011 habe die Stadt viel Geld in die Innenstadtsanierung gesteckt, historische Gebäude restauriert und den Kleinflecken als gutes Beispiel entwickelt. Ein neues Innenstadtkonzept sei von der Ratsversammlung 2014 beschlossen worden. Drei Entwick-lungsbüros hätten Gestaltungsvorschläge für den Großflecken vorgelegt.

Apotheker Mattias Neumann, Sprecher des Stadtmarketings, hat große Bedenken, wenn durch jahrelange Baustellen die Wettbewerbsfähigkeit der Anlieger weiter eingeschränkt werden sollte. Zudem sei der Großflecken hoch frequentiert durch Veranstaltungen. „Die Flächen für Feste und Veranstaltungen müssen erhalten bleiben“, so Neumann, der jedoch mit einer besseren Pflasterung des Bereiches durchaus einverstanden ist.

Thomas Michaelis, CDU-Kreisvorstand Neumünster, erinnerte daran, daß der seit 1991 so gestaltete Großflecken schon damals viel Kritik hervorgerufen habe. Eine Renovierung sei unabdingbar. Sein Vorschlag: Platz attraktiver gestalten, bessere Übergänge schaffen, positive Effekte der Holsten-Galerie auch für den Großflecken nutzen.

Uwe Döring von der SPD-Stadtfraktion betonte, daß die Pflasterung schon seit Jahrzehnten ein Ärgernis sei. Aber: „Man muß die gesamte Innenstadt betrachten und gedanklich mit einbeziehen“, so der Politiker. Man solle auch nicht nur an den Einzelhandel denken, sondern auch das Wohnen mit einbeziehen. Und: „Wir dürfen keine Angst vor einem leeren Platz haben.“

Doch auch der Großflecken als solcher habe seine Tücken, so Reinhard Ruge, FDP-Fraktion Neumünster. So fehlten seiner Meinung nach attraktive Ziele am südlichen Ende. Und er richtete ein Appell an die Stadt: „Denkt an die Haushaltskonsolidierung!“

Sind das Designer Outlet Center und die 2015 neu errichtete Holsten-Galerie der ECE-Gruppe Umsatzkiller für die Geschäfte am Großflecken? Und wie könnte gegengesteuert werden? Auf Einladung des Wirtschaftsrates der CDU diskutierten am 13. April 2016 Politik und Wirtschaft über Chancen und Risiken einer Umgestaltung des Großfleckens.

Zunächst solle man den Platz sicherer für die Passanten machen. „Das ist die Pflicht. Die Kür der Verschönerung sollte man aus wirtschaftlichen Gründen zu den Akten legen.“ „Steine werden nichts verändern“, so Einzelhändler Gerd Grümmer aus dem Publikum. Wichtig sei vielmehr, die Aufenthaltsqualität zu verändern, Gastronomie und Sortimente aufzuwerten. Gutes Beispiel: die Holtenauer Straße in Kiel.

Uwe Döring zog Eckernförde als positives Beispiel heran. Man müsse über die Inhalte sprechen, Handel und Eigentümer an einen Tisch bringen. Thomas Michaelis: „Die Gastronomie spielt eine Schlüsselrolle.“ Herr Martin Lorenzen (Immobilien): Die Holsten-Galerien haben Standards gesetzt, daran müsse sich der Großflecken nun messen. Da seien aber auch die Eigentümer stark gefordert, unterstrich Bernd Heilmann von der Stadt Neumünster.

Am Ende relativierte sich der Kostenrahmen etwas. Die veranschlagten acht Millionen Euro für die Umgestaltung des Großfleckens seien eine Menge Geld, so waren sich die Parteien einig. Doch auf 40 Jahre Haltbarkeit verteilt seien es eben doch nur 200.000 Euro im Jahr. Und die seien dann doch ganz gut angelegt, um mehr Kaufkraft in die Stadt zu bekommen./kp

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Landesgeschäftsführer
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