16. Februar 2017
Mittagsveranstaltung im Hause der Beruflichen Schulen des Kreises Stormarn
Klares Bekenntnis zu den beruflichen Schulen
"Der Mensch fängt nicht erst mit dem Abitur an zu sein", so Daniel Günther, Landes- und Fraktionsvorsitzender der CDU Schleswig-Holstein und Spitzenkandidat für das Amt des Ministerpräsidenten.
v.l. Daniel Günther MdL und Sektionssprecher Uwe Möllnitz (Foto: Wirtschaftsrat)

Auf Einladung der Sektion Stormarn war er zu Gast in Bad Oldesloe bei den Beruflichen Schulen des Kreises Stormarn, um sich dort zu informieren und anschließend mit Gästen aus ganz Schleswig-Holstein zu diskutieren. Für Günther ist klar: Die Verzahnung von Theorie und Praxis an den beruflichen Schulen ist eine der besten Chancen, die aktuellen Probleme wie Nachwuchskräftemangel und mangelnde Ausbildungsreife zu überwinden. „Die Bedeutung der beruflichen Schulen wird weiter zunehmen“, ist sich Günther sicher. Sie würden unterschätzt, obwohl sie schon jetzt mehr Schüler zum Schulabschluß führten als die allgemeinbildenden Schulen. Trotzdem müsse man eine Bevorzugung der allgemeinbildenden Schulen durch die aktuelle Landesregierung registrieren.

„Ja, wir brauchen auch mehr Ingenieure in Schleswig-Holstein“, so der Eckernförder. Doch zwei Drittel der offenen Stellen seien in nicht akademischen Bereichen zu finden. Man müsse sich also die Frage stellen, welche Absolventen man im eigenen Land brauche. „In zehn Jahren fehlen uns 100.000 Menschen in nicht akademischen Berufen“, befürchtet Günther. Auch gebe es Diskussionsbedarf in Form einer Qualitätsdebatte. Ein Drittel aller Studenten würden ihr Studium letztlich abbrechen. „Das bedeutet für diese oft einen gefühlten sozialen Abstieg. Ich halte es für besser, den umgekehrten Weg zu gehen und beispielsweise eine duale Ausbildung zu absolvieren, um dann mit 22 oder 23 Jahren vielleicht doch noch eine ergänzende Ausbildung an der Uni anzugehen“, so die Vorstellung Günthers.


Auch sollte die Lehramtsausbildung für die unterschiedlichen Bildungswege optimiert werden. Unterrichtsausfall sei nicht nur mit neuen Planstellen zu begegnen. Es fehle aktuell an qualitativem Nachwuchs an der richtigen Stelle trotz 2.000 neu geschaffener Stellen. Und: Es habe auch mit Wertschätzung des Lehrerberufes zu tun, so Günther. Auch finanziell sehe er das Land in der Lage, mehr Geld in Bildung zu stecken.

Das hörte Rüdiger Hildebrandt, Leiter der Beruflichen Schulen in Bad Oldesloe, gern. 1.845 Schüler besuchen seine Einrichtung, davon fast ein Zehntel mit Migrationshintergrund. Als Leitbild habe sich die Schule zum Ziel gesetzt, die Zukunftsfähigkeit der Schüler durch qualifizierte Ausbildung sicherzustellen unter Berücksichtigung der sich verändernden Voraussetzungen in der Gesellschaft. Stolz ist Hildebrandt auch darauf, daß sein Haus als „Schule ohne Rassismus“ ausgezeichnet wurde und aus der eigenen Küche für die Gäste des Wirtschaftsrates verschiedene kulinarische Spezialitäten von Integrationsschülern vorbereiten lassen hat. Elf Millionen Euro würden gerade in die Schule investiert, die im Jahr 1977 vom Hamburger Büro Gerkan, Marg und Partner entworfen und in Betrieb genommen und aufgrund der zeittypischen Gestaltung bereits unter Denkmalschutz gestellt wurde. Einen hohen Stellenwert nehme das Berufliche Gymnasium ein. 50 Prozent der Schüler hätten sich für eine duale Ausbildung entschieden, von denen 90 Prozent bereits wüßten, wo sie später arbeiten könnten, so Hildebrandt. Es gebe allerdings ein großes Informationsdefizit in der Bevölkerung über die Möglichkeiten der Ausbildungen in den beruflichen Schulen. Mit Günther war man sich einig, daß beispielsweise Informationsveranstaltungen auch an allgemeinbildenden Schulen nötig seien, um Schüler und deren Eltern besser über die Möglichkeiten aufzuklären.

Auch sollte schon in der Grundschule ein größeres Interesse für Technik geweckt werden. Personalleiter Karsten Blank von Hass & Hatje, dazu: „Wir brauchen vor allem Auszubildende! Wir haben 900 Beschäftigte, davon drei Akademiker.“ Nicht nur Abiturienten also, und da könnten die beruflichen Schulen am besten helfen. / kp