08. November 2016
Sektion Bergstraße
Klug vererben - aber wie?
Die Sektion Bergstraße des Wirtschaftsrates Hessen auf der Suche nach Antworten
Wohl alle Hauptverantwortlichen eines Familienunternehmens müssen sich irgendwann die Frage stellen, wie das Vermögen und die Nachfolge zu verwalten und zu steuern ist. Nicht selten kann dies zu Unstimmigkeiten oder gar großen Konflikten führen. Ratsam ist es daher, unabhängige Experten in die Entscheidungsfindung miteinzubeziehen. Die Sektion Bergstraße lud ebensolche Experten nach Heppenheim zu einer Vortragsveranstaltung ein.
Dr. Werner H. Born präsentiert den Anwesenden die Bedürfnispyramide nach Maslow (Foto: Wirtschaftsrat)

„Veränderungen sind für uns alle wahnsinnig schwer.“ Dr. Werner H. Born, Rechtsanwalt, Mediator und Partner bei Rittershaus Rechtsanwälte, bringt es direkt auf den Punkt. Der zertifizierte Mediator hat schon einige Unternehmerfamilien beim Generationenwechsel begleitet und weiß: „ Wir diskutieren nie auf der Bedürfnis-, sondern immer auf der Positionsebene.“ Genau das führe aber nicht weiter. Stattdessen solle man sich klar machen, welche Bedürfnisse eigentlich hinter den Standpunkten der einzelnen Parteien liegen. Diese könnten beispielsweise das Verlangen nach Anerkennung und Respekt oder aber der Wunsch nach Sicherheit sein. Wichtig sei, dass die Beteiligten diese Bedürfnisse des Gegenübers verstehen, obgleich sie nicht mit dessen Positionen übereinstimmen müssen. „Von größter Bedeutung ist, dass sich die Beteiligten darüber klar werden, was sie wirklich wollen“, so Born. Erst dann könne eine entsprechende Strategie entwickelt werden. „Diese Strategie kann dann der Jurist ausarbeiten. Jura ist im Prinzip Technik – Anwälte sind Techniker.“

 

Ein weiteres Thema das viele Unternehmer beschäftigt und das bei der Nachfolgeregelung eine große Rolle spielt, ist die Erbschaftssteuerreform. Die wichtigsten Änderungen stellte daher der Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Dr. Alexander Wünsche, Partner bei FALK & Co dar. „Das Bundesverfassungsgericht hat sich hier bei einzelnen Punkten die Frage gestellt, ob die bisherige Regelung gerecht ist.“ Hierbei wurden beispielsweise zu große Vergünstigungen beim Verwaltungsvermögen festgestellt. Auch gäbe es bisher keine Prüfung, ob ein Erbe die geforderte Steuer überhaupt zahlen könne. Nun gilt: Nach einer entsprechenden Bedürfnisprüfung muss ein Erbe bis zu 50 % des eigenen Vermögens einsetzen, um die Erbschaftssteuer zu bezahlen. „Richtig spannend wird es ab einer Erbschaft von 26 Mio. Euro. Hier gibt es neue strenge Regeln“, weiß Wünsche.

 

„Wir als Banken versuchen für unsere Kunden die Komplexität aus dem Thema herauszunehmen und alles so zu strukturieren, dass es zum Vermögensziel passt“, erklärt Ralph Maurer, Senior Financial Planner bei der Bethmann Bank. Er komplettiert die Expertenrunde aus der finanziellen Seite. Der Experte empfiehlt die Strategie nicht zu oft zu wechseln, da man sonst nur hohe Kosten und wenig Rendite habe. Eine Großzahl an Faktoren sei bedeutsam, um ein Vermögen klug zu verwalten. „Hierbei gibt es keine richtige oder falsche Struktur, sondern nur eine passende.“

Ralph Maurer beleuchtet finanzielle Aspekte des Vererbens (Foto: Wirtschaftsrat)
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Landesgeschäftsführer
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