16. Juli 2012
Know-How ist der deutsche Wettbewerbsvorteil!
Sektion Reutlingen/Tübingen besichtigt die altek GmbH mit den Geschäftsführern Erhard Wissler und Thomas Schwert und hört einen Fachvortrag von Helmut Gottschalk, Sprecher des Vorstands der Volksbank Herrenberg/Rottenburg eG und Vorsitzender des Aufsichtsrates der DZ Bank AG
Helmut Gottschalk (Foto: Wirtschaftsrat)

Zu einer Kombination aus Real- und Finanzwirtschaft begrüßte Sektionssprecher Werner Theis die Mitglieder und Gäste des Wirtschafsrates der Sektion Reutlingen/Tübingen. Mit dem Mitgliedsunternehmen altek GmbH –als Teil der Wissler-Gruppe- stellte sich ein Hidden Champion der Region vor. Das Unternehmen entwickelt hochkomplexe Technologien für den Einsatz in der Agrarwirtschaft. Mit Ihren Produkten ist die altek GmbH Technologieführer am Markt und befindet sich damit in der Wissler-Gruppe in guter Gesellschaft. Als Projektpartner der ESA entwickelt und baut die CarboFibretec GmbH die Trägerstruktur für die Sentinel-3 Satelliten. Die Laufräder der Marke Lightweight sind Radsportbegeisterten bekannt und werden von der CarboFibretec stetig weiterentwickelt.

 

Bei so viel Know-How im Unternehmen haben die Geschäftsführer Thomas Schwert und Erhard Wissler ein großes Anliegen: Den Schutz dieses Wissens, insbesondere vor asiatischen Investoren. „Denn wenn es in Deutschland noch einen Wettbewerbsvorteil gibt, dann ist das unser Know-How.“, so Wissler.

(Foto: Wirtschaftsrat)

„Wir durften hier ein überzeugendes Beispiel der Realwirtschaft sehen. Ihr Unternehmen fasziniert und begeistert. Den Weg der starken Realwirtschaft sollten wir in Deutschland auch nicht verlassen. Die Finanzwirtschaft kann dabei unterstützen.“, leitete Michael J. Schulz, Mitglied im Vorstand der Sektion, zum Fachvortrag des Abends über. Als Primärbanker (Sprecher des Vorstands der Volksbank Herrenberg-Rottenburg) und Vorsitzender des Aufsichtsrates der DZ Bank AG, immerhin die drittgrößte Bank in Deutschland, habe man mit Helmut Gottschalk einen hervorragenden Gesprächspartner gewinnen können für das Thema Finanzkrise und daraus resultierende Veränderungen durch Basel III.

 

Gottschalk erläuterte die Ursache der Finanzkrise und dem daraus entstandenen Misstrauen der Banken untereinander, was letztlich dazu geführt habe, dass auch große deutsche Banken nur mit staatlicher Hilfe überleben konnten. Der genossenschaftliche Sektor habe jedoch seit seiner Gründung noch nie Hilfen in Anspruch nehmen müssen. Ein besonderer Schock für die Märkte sei der Schuldenschnitt für Griechenland: „Erstmals seit dem 2. Weltkrieg zahlt ein europäischer Staat seine Schulden nicht zurück.“ Dieser Vertrauensverlust wiegt schwer. Zu denken geben sollte, dass die meisten europäischen Länder über der Defizitsgrenze von 3% liegen: „Auch Deutschland macht regelmäßig neue Schulden, obwohl es uns seit Jahren gut geht.“

(Foto: Wirtschaftsrat)

Als Reaktion auf die Krise wurde und wird der Finanzsektor neuen Regelwerken unterworfen. Diese führen unter anderem dazu, dass die Banken mehr Eigenkapital vorhalten müssen. Von Basel II zu Basel III steige der Anteil von 8% weiter auf bis zu 10,5%. Bei der gleichen Menge Eigenkapital kann eine Bank unter Basel III also weniger Kredite vergeben. „Basel III bringt Verschärfungen für die Banken, es wird nicht den Untergang der Finanzierung bedeuten, aber Kredite werden etwas teurer.“, beruhigte Gottschalk die anwesenden Unternehmer und betonte: „Wir wollen nachhaltig gute Lösungen für unsere Kunden. Wenn wir diesen Weg gemeinsam gehen, ist die finanzielle Seite gesichert.“

 

Vor dem Hintergrund, dass diese Regelungen auf europäischer Ebene beraten werden, diskutierte das Plenum über die europäische Perspektive. Werner Theis führte an, dass die nordeuropäischen Vertreter in den Brüsseler Behörden unterrepräsentiert, diese daher stark romanisch etatistisch geprägt seien. Er riet den Unternehmern, den Dialog mit den europäischen Abgeordneten aus dem Südwesten zu suchen. Einig war sich das Plenum darüber, dass Eurobonds für die Nehmerländer falsche Anreize setzen. „Ohne Eigeninitiative und eigenes Mitwirken darf es keine Hilfe geben“, forderte Gottschalk. Bei intensiven Diskussionen ging eine Veranstaltung, die in der Realwirtschaft gestartet war und den Bogen über die Finanzwirtschaft zur Europapolitik gespannt hatte, zu Ende.