10. November 2015
Leistung fordern - ist unsere Schulpolitik noch zeitgemäß?
Fordern wir zu wenig von unserem Nachwuchs?
v.l. Prof. Dr. Franziska Scheffler, Prorektorin für Studium und Lehre, Otto-von-Guericke- Universität, Magdeburg; Jürgen Banse, Geschäftsführer, Verband deutscher Privatschulen, Sachsen-Anhalt; Dr. Siegrun Trognitz, Geschäftsführerin, Allgemeiner Arbeitgeberverband Wirtschaft, Sachsen-Anhalt; Edwina Koch-Kupfer, MdL, Sachsen-Anhalt und Mitglied des Ausschusses für Bildung und Kultur; Dietrich Lührs, Schulleiter, Ökumenisches Domgymnasium, Magdeburg Bild: Wirtschaftsrat

Die Hochschulen – nicht nur in Sachsen-Anhalt - bieten den Schulabgängern zunehmend Kurse vor Beginn des Studiums an. Sie wollen mit dem „Semester 0“ fachliche Defizite der künftigen Studierenden ausgleichen. Auch Betriebe, nicht nur in Sachsen-Anhalt, bieten den Schulabgängern zunehmend Seminare und Praktika an. Sie wollen mit dem „Lehrjahr 0“ fachliche Defizite der künftigen Auszubildenden ausgleichen und auch das Thema Verhalten und Einstellung zur Arbeit anpacken. Neben der Schule versuchen also eindeutig viele Akteure, fachliche und persönliche Defizite auszugleichen. Warum ist das notwendig?

Fordern wir zu wenig von unserem Nachwuchs?

Diese Frage stand am 11. November 2015 im Mittelpunkt einer spannenden Debatte zwischen Experten, die es beurteilen können:
Prof. Dr. Franziska Scheffler, Prorektorin für Studium und Lehre, Otto-von-Guericke- Universität, Magdeburg,
Dr. Siegrun Trognitz, Geschäftsführerin, Allgemeiner Arbeitgeberverband Wirtschaft, Sachsen-Anhalt,
Jürgen Banse, Geschäftsführer, Verband deutscher Privatschulen, Sachsen-Anhalt und
Dietrich Lührs, Schulleiter, Ökumenisches Domgymnasium, Magdeburg - gleichzeitig Gastgeber und Hausherr diskutierten diese Frage unter der fachlichen Leitung von
Edwina Koch-Kupfer, MdL, Sachsen-Anhalt und Mitglied des Ausschusses für Bildung und Kultur.

Die Moderatorin  hatte keine leichte Aufgabe: Die Themenstellung ist naturgemäß ungeheuer komplex und gelegentlich emotional aufgeladen. Sie ist geprägt von Grundsatzüberzeugungen über die Rolle von Schule und die Verantwortung von Eltern, Schule und Staat. Sie neigt oft dazu, Schuldige zu suchen oder Lösungen zu debattieren, die praktisch nicht umzusetzen sind.
Edwina Koch-Kupfer hatte die Sache gleichwohl im Griff und es gelang ihr auch, das überwiegend unternehmerische Auditorium in die Debatte mit einzubeziehen.

So konnte das Ziel der Veranstaltung gut erreicht werden. Matthias Freiling, formulierte es als Initiator der Veranstaltung und Vorsitzender der Landesfachkommission Bildung und Arbeitsmarkt, Wirtschaftsrat Sachsen-Anhalt: „Vor dem Hintergrund der anstehenden Landtagswahlen waren konkrete Empfehlungen an die politisch Verantwortlichen in Sachsen-Anhalt vorzubereiten, für eine Schul- und Bildungspolitik, die der Wirtschaft und den Familien des Landes zugutekommt“.

Dr. Michael Moeskes, Landesvorsitzender des Wirtschaftsrates Sachsen-Anhalt, stellte überdies in seinem Grußwort den Gesamtzusammenhang her und berichtete, dass es zum Frühjahr 2016 ein Zukunftsprogramm des Wirtschaftsrates geben wird, das die Meinungen und Diskussionsbeiträge dieser und zahlreicher anderer Veranstaltungen zusammenführt.

Für den Bereich Bildung und Arbeitsmarkt sind die Inhalte und Ergebnisse dieser und 5 weiterer Veranstaltungen 2015 der Landesfachkommission in acht Empfehlungen eingeflossen, die demnächst genauer nachzulesen sind:

  • Schulen müssen mehr entscheiden dürfen
  • Auch für Bildung ist Wettbewerb eine Chance
  • Nicht jede Begabung braucht ein Abitur
  • Mehr Hochschule für kleine und mittlere Unternehmen
  • Wirtschaft berät Schüler bei der Berufsfindung
  • Förderung der Leiharbeit und Versachlichung der Debatte
  • Entbürokratisierung von ESF&Co
  • Anerkannte Flüchtlinge pragmatisch integrieren und Arbeitsmarkt entlasten


Für die Gastfreundschaft und die spürbare Willkommensatmosphäre im Ökumenischen Domgymnasium sei an dieser Stelle Dr. Lührs und seinem Team ausdrücklicher Dank gesagt.