12. Juli 2016
Die Zukunft von LNG - Potenziale und Hemmnisse
Dr. Heiko Fischer, Vorstandsvorsitzender der VTG Aktiengesellschaft, zu Gast beim Wirtschaftsrat
Mit Pilotprojekten wie der weltweit ersten schwimmenden LNG Hybrid Barge „Hummel“ startet Hamburg erste Versuche in der Nutzung des „Liquefied Natural Gas“, das die Umweltbelastung des Hafens durch externe Stromversorgung von Schiffen reduzieren soll. Allerdings sind die Konkurrenzhäfen bereits deutlich weiter: Sie sind zu Umschlagplätzen für die LNG-Nutzung in ganz Europa geworden. So verfügt Rotterdam über ein 12 Milliarden Kubikmeter fassendes LNG-Terminal und auch in Antwerpen ist der Terminalbau weit fortgeschritten, um mit dem Ausbau der Flotte von LNG-Tankern mitzuhalten. In Hamburg wurden entsprechende Planungen vorerst auf Eis gelegt.
Dr. Heiko Fischer, Vorstandsvorsitzender der VTG Aktiengesellschaft, sprach über das Potenzial von LNG (Foto: Wirtschaftsrat)

Eines ist sicher: LNG ist „in“. Die VTG AG ist im wahrsten Sinne des Wortes auf den Zug aufgesprungen und hat sich als einer der Vorreiter im Transport von LNG etabliert. Im Rahmen einer Mittagveranstaltung im Grand Elysée Hamburg erläuterte Dr. Heiko Fischer als Vorstandsvorsitzender der VTG AG die zukünftigen Potenziale des Energieträgers und ging auf aktuelle Hemmnisse beim Ausbau ein.

 

Als Kopf eines „typisch hamburgischen Unternehmens, verbunden mit Logistik, Transporten und Schiene“ führte der Landesvorsitzende Gunnar Uldall den Referenten ein. Mit 80.000 Waggons sei die VTG AG das größte nicht staatliche Eisenbahnunternehmen Europas. Von der „Anwenderseite“ hieß zudem Ulf Gehrckens, ebenfalls Vorstandsmitglied des Wirtschaftsrates, den Gast willkommen. Sein Unternehmen, die Aurubis AG, ist das Unternehmen mit dem größten Verbrauch von LNG in Hamburg. 

 

Mit den ersten Flüssiggaslieferungen aus den USA sei das „Gas-Zeitalter“ offiziell eingeläutet worden. Der weltweite Energiemarkt unterliege einem grundlegenden Umschwung, prophezeite Fischer. Als zentrale Technologie ermögliche Fracking den Zugang zu zusätzlichen Gasfeldern, zudem steige der Gasgewinn aus Schieferöl. Mit dem Wegfall des Exportbans rentiere sich der relativ kurze Transport zwischen den USA und Europa zunehmend, was sich bereits in weltweiten Gaspreissenkungen niederschlage.

 

Wo liegen also die Vorteile von LNG? Kurz gefasst beschreibe LNG „das einfachste Kohlenwasserstoffmolekül: ein Kohlenstoffatom, vier Wasserstoffatome“. Das Verhältnis von Wasser zu Kohlenstoff liege somit bei 4:1. Genau dieses Verhältnis mache den Unterschied zu alternativen Wasserstoffen aus. LNG beinhalte weniger Kohlenstoff als alternative Wasserstoffe und sei somit am CO2-ärmsten und umweltfreundlichsten. Im Vergleich zu Öl produziere LNG zudem 90 Prozent weniger Stickoxid und 100 Prozent weniger Schwefeldioxid. Durch Kälteeinfluss werde das Erdgas verflüssigt und bei -162 Grad auf ein 1/600 seines Volumens komprimiert und gespeichert. Das Gefahrenpotenzial bleibe trotzdem verhältnismäßig gering. Der Großteil des Gases stamme aus der Erdgas- und Erdölförderung in den USA, Australien, Russland, Kanada, Iran, Katar, China, Norwegen, Saudi-Arabien, Algerien und Indonesien.

 

LNG erlebe derzeit ein Hoch: „In den nächsten 10 Jahren wird sich die Förderung und der Verbrauch von LNG verdoppeln“ prognostizierte Fischer. Exportkapazitäten von bis zu 580 Milliarden Kubikmeter pro Jahr aus den USA und Kanada und jährliche Importkapazitäten von bis zu 400 Milliarden Kubikmeter in Europa wären denkbar. Mit seiner starken Zurückhaltung in Bezug auf LNG nehme Deutschland eine Außenseiterstellung ein. Dabei liege der US-Gaspreis derzeit nicht nur bei einem Drittel des europäischen Gaspreises, sondern LNG ermögliche auch eine Minderung der nach wie vor starken deutschen Abhängigkeit von sibirischem Erdgas.

 

Das größte Hemmnis im Ausbau von LNG stelle derzeit die mangelnde Infrastruktur dar. Ein typisches „Henne-Ei-Problem“: Bedingt es der Infrastruktur zur Generierung von Nachfrage oder schafft erst die Nachfrage die entsprechende Infrastruktur? Aufgrund des fehlenden politischen Willens und Bewusstseins in der Bevölkerung liege Deutschland im Infrastrukturausbau derzeit weit zurück. Auch im Hamburger Hafen sei dies zu beobachten. Weder sei in Deutschland derzeit ein Large-Scale-LNG-Terminal in Planung, noch würden das Tankstellennetz, Lager- und Bunkeranlagen oder Be- und Entladestationen ausgebaut. 2018 laufe zudem die Energiesteuerermäßigung für Gas aus. Aktuell sei noch keine Verlängerung der Förderung geplant.

 

Mit dem europaweit ersten Kesselwagen für den Transport von LNG auf der Schiene habe sich VTG an ein Pilotprojekt herangewagt, um seinen Beitrag zur Auflösung des „Investitionsstaus“ zu leisten. Die Konstruktion funktioniere nach dem „Prinzip Thermoskanne, nur viel größer“, also durch den Einsatz eines Vakuums. Über bis zu sechs Wochen könne der Inhalt des Kesselwagens somit auf niedrigster Temperatur gehalten werden. Ein Beispielprojekt laufe in Frankreich an, wo eine „rollende Pipeline“ ein Seehafenterminal mit dem Binnenland verbinden soll. Ein weiteres Projekt gebe es in Polen, wo über ein Hub-and-Spoke-System die Verteilung im Innenland realisiert wird. Der Kesselwagen könne somit ein „wesentliches fehlendes Bindeglied für den Landtransport darstellen“. Nicht nur könnten große Mengen zu geringen Kosten transportiert werden, ohne dass Straßennetz weiter zu belasten, sondern der Transport sei mit einem Drittel CO2-Einsparung auch deutlich nachhaltiger und gleichzeitig 40 Mal sicherer als alternative LKW-Lösungen.

 

Letztlich forderte Heiko Fischer die Politik zum Handeln auf: eine klares Bekenntnis zu LNG, verlässliche Förderung, ein internationales oder EU-weites Regelwerk und einheitliche Umweltrichtlinien müssten die nächsten Schritte auf dem Weg in eine LNG-freundlichere Umgebung darstellen.

 

In der anschließenden Diskussionsrunde wurde neben der Vielfalt der Nutzungsmöglichkeiten von LNG auch auf seine Bedeutung für die Zukunft der maritimen Wirtschaft eingegangen.

Kontakt
Christian Ströder
Referent für Wirtschaftspolitik
Wirtschaftsrat der CDU e.V. Landesverband Hamburg
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