07. Dezember 2011
"Luftfahrt mindestens genauso wichtig wie der Hafen"
Landesfachkommission Luft- und Raumfahrt stellt Bericht zu Innovation und Forschung & Entwicklung der Metropolregion Hamburg im internationalem Vergleich vor
Unter den fünf führenden Luftfahrtstandorten in der Welt - Hamburg, Toulouse, Seattle, Montreal, Sao José dos Campos - findet sich Hamburg gemeinsam mit dem brasilianischen Sao José dos Campos hinsichtlich Forschung und Entwicklung auf dem letzten Platz.

Zu diesem Ergebnis kommt eine von der Landesfachkommission Luft- und Raumfahrt des Wirtschaftsrates in Auftrag gegebene Studie der Fachhochschule Wedel. Anhand von Patentanmeldungen bei der Weltorganisation für geistiges Eigentum WIPO hatte diese Quantität und Qualität von Forschung und Entwicklung an den fünf Luftfahrtstandorten untersucht.

 

Defizite gebe es in Hamburg vor allem im Wissenstransfer. In anderen Bereichen, wie etwa der betrieblichen Forschungsleistung, bewegten sich Hamburger Unternehmen quantitativ im Mittelfeld. Der Luftfahrtstandort Toulouse – Headquarter und Entscheidungszentrum von Airbus – spiele dagegen eine erkennbar bedeutendere Rolle - Platz 2 hinter Seattle.

 

Die beeindruckenden Verkaufsergebnisse von Airbus in den vergangenen Monaten dürften nicht über die weitreichenden Veränderungen auf dem internationalen Luftfahrtmarkt hinwegtäuschen, so der Vorsitzende der Landesfachkommission Luft- und Raumfahrt, Markus A. Meyer-Chory: „Mit dem zunehmenden Wettbewerb können sich langfristig nur die Flugzeugbauer behaupten, die sich frühzeitig mit Neuerungen am Markt präsentieren. Forschung und Entwicklung sind daher der Schlüssel für ein dauerhaftes Auskommen und Überleben am Markt.“

 

Meyer-Chory verwies auf die Luftfahrtmesse in Le Bourget.China und Russland hatten dort erstmals eigene Mittelstreckenflugzeuge vorgestellt und sich damit in die Gruppe der Flugzeugbauer von internationalem Gewicht eingereiht.

 

Mit der Gründung des Zentrums für Angewandte Luftfahrtforschung ZAL, dem TestCenter Fuhlsbüttel, dem TechCenter Finkenwerder und dem Hamburg Centre of Aviation Training HCAT habe Hamburg erste wichtige Schritte getan. Das ZAL habe seine Arbeit jedoch gerade erst aufgenommen, und die beiden anderen Center befänden sich noch in Planung bzw. im Aufbau. Voraussetzung für den Erfolg sei ein enges Zusammenwirken der Akteure. Hochschulen, kleinere und mittlere Unternehmen müssten in gemeinsame Forschungsvorhaben eingebunden, namhafte First-Tier-Supplier als Co-User der neuen Forschungscenter oder Gesellschafter gewonnen werden. Allein bis diese Voraussetzungen geschaffen seien, könnten Monate – wenn nicht Jahre – vergehen.

 

Die Landesfachkommission Luft- und Raumfahrt des Wirtschaftsrates in Hamburg fordert daher eine gemeinsame Länderinitiative zur Einführung einer steuerlichen Forschungsförderung. Nur so könnten die Forschungsaktivitäten in der Luftfahrt substanziell gesteigert werden und der Standort Hamburg damit international konkurrenzfähig bleiben.

 

„Politik und Wirtschaft dürfen sich nicht auf den aktuellen Erfolgen ausruhen, sondern müssen ihre Aufmerksamkeit verstärkt dem Luftfahrtcluster zuwenden. Die Luftfahrtindustrie ist für die Metropolregion mindestens genauso wichtig wie der Hamburger Hafen,“ so Meyer-Chory.

 

Kontakt
Dr. Christina M. Arndt
Referentin für Wirtschaftspolitik und Organisation

Wirtschaftsrat der CDU e.V.
Landesverband Hamburg

Telefon: 040 / 30 38 10 49
Telefax: 040 / 30 38 10 59

LV-HH@wirtschaftsrat.de