21. Januar 2014
Luftfahrt unter Druck:
Bleibt der Flughafen Köln/Bonn Motor für die regionale Wirtschaft?
Eine leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur ist eine der zentralen Voraussetzungen, um im globalen Wettbewerb bestehen zu können. Für Nordrhein-Westfalen mit seinen zahlreichen Verkehrsachsen zu Wasser, zu Land und in der Luft gilt dies in besonderem Maße. Durch seine Scharnierfunktion zählt es im internationalen Güteraustausch zu einem der wichtigsten Transitländer und Logistikstandorte Europas.
v.l.n.r.: Eldach-Christian Herfeldt; Michael Garvens (Foto: Wirtschaftsrat)

Als bedeutendster Frachtflughafen in NRW ist der Konrad-Adenauer-Flughafen für diese Entwicklung unverzichtbar. Um über dessen Bedeutung, Schwierigkeiten und Aussichten mit Michael Garvens, Vorsitzender der Geschäftsführung der Flughafen Köln/Bonn GmbH, zu diskutieren, folgten weit über hundert Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung der Einladung des Kölner Wirtschaftsrates und dessen Fachkommission „Wirtschaft für Köln“.


„Der Konrad-Adenauer-Flughafen ist einer der großen Wirtschaftsakteure der Region“, erklärte Garvens. „Die Bruttowertschöpfung rund um den Flughafen beträgt 1,5 Milliarden Euro pro Jahr. Der Arbeitsplatzzuwachs ist in den letzten Jahren rund vier Mal so hoch gewesen wie der Landesdurchschnitt.“ Als sechstgrößte Arbeitsstätte zähle er derzeit mehr als 26.000 Arbeitsplätze, denen durch Unternehmensansiedlungen in der Nähe des Flughafens durchschnittlich weitere 900 neue Jobs pro Jahr folgten. Trotz dieser positiven Zahlen sieht Garvens dringenden Handlungsbedarf seitens der Politik. Deutschland müsse aufpassen, nicht von den internationalen Waren- und Verkehrsströmen abgehängt zu werden. Für eine bedarfsgerechte und wettbewerbsfähige Infrastruktur müsse der Bund eine stärkere Verantwortung übernehmen und ein nationales Luftfahrtkonzept entwickeln. „Schon jetzt hat sich der globale Umsteigeverkehr von Europa zu den Drehkreuzen am Golf verlagert, die in den letzten Jahren mit Milliardeninvestitionen und ohne Regulierung entstanden sind“, gab Garvens zu bedenken. Außerdem sei für den exportorientierten Wirtschaftsstandort Deutschland eine Mindestanzahl an Nachtflugstandorten unabdingbar. „Verlässliche und wettbewerbsfähige Betriebszeiten, die bei Politikwechseln nicht beliebig ausgehebelt werden dürfen, sind unerlässlich“, lautete sein Fazit.


Breite Unterstützung erhielt Garvens aus dem Publikum. „Die Luftverkehrsanbindung ist für viele Unternehmen ein entscheidender Standortfaktor. Ist diese unzureichend, wird eine Mehrheit über einen Wechsel nachdenken“, unterstrich Anné Schwarzkopf, Vorsitzende der Fachkommission, die Forderungen des Flughafen-Geschäftsführers. „Ein bedarfsgerechter Ausbau der Flughafeninfrastruktur ist eine wesentliche Voraussetzung für eine weitere positive Zukunft vieler Unternehmen in unserer Region“, pflichtete Eldach-Christian Herfeldt, Mitglied des Bundesvorstandes des Wirtschaftsrates und Sprecher der Sektion Köln, bei. Er plädierte für eine langfristige Planungs- und Rechtssicherheit aller bestehenden Verkehrsflughäfen und die Beschleunigung der Genehmigungsverfahren zur bedarfsgerechten Weiterentwicklung ihrer Kapazitäten. „Mobilität ist der Motor der Wirtschaft und schafft Wohlstand“, fasste er zusammen.


Flughäfen gewährleisten nicht nur die Mobilität von Gütern, sondern auch die von Personen. Dafür sorgte bei der Veranstaltung die Fluggesellschaft Turkish Airlines Inc. Spontan lobte Ygit Bilge Avci, General Manager, unter allen Teilnehmern zwei internationale Business-Class-Flüge aus. Die Gewinner freuten sich sehr über dieses verspätete Weihnachtsgeschenk. 

Anné Schwarzkopf (Foto: Wirtschaftsrat)