11. Mai 2017
6. Norddeutscher Wirtschaftstag
Luftfahrtstandort Deutschland
Welche Rahmenbedingungen benötigt die deutsche Luftfahrtindustrie?
Der weltweite Flugverkehr steigt stetig an und anlässlich des Luftfahrtkongresses, der Ende März in Berlin stattfand, forderten die Luftfahrtverbände mehr Unterstützung seitens der Politik.
Ebenfalls hochkarätig besetzt: Das Podium II zum Luftfahrtstandort Deutschland (Foto: Wirtschaftsrat)

Eine nachhaltige Stärkung des Luftfahrtstandortes Deutschland durch den Zusammenschluss von Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften wurde gefordert. Derzeit spielt Deutschland, aufgrund von Technologievorsprung und den höchsten Qualitätsstandards, noch ganz vorne im internationalen Wettbewerb mit. Jedoch stellt sich die Frage, wie lange dies noch so sein wird.

 

Vor diesem Hintergrund diskutierten auf dem zweiten Podium des Tages Dr. Johannes Bußmann, Vorstandsvorsitzender der Lufthansa Technik AG, Roland Gerhards, Geschäftsführer des Zentrums für Angewandte Luftfahrtforschung GmbH(ZAL), Prof. Rolf Henke, Vorstandsmitglieddes Deutschen Zentrums für Luft und Raumfahrt e.V. (DLR), Dr. Achim Leder, Gründer von jetlite, und Marco Wagner, Geschäftsführer Personal beider Airbus Operations GmbH. Michael Schmidt, Chefredakteur von Hamburg 1,führte durch die Gesprächsrunde.

 

Hamburg ist laut Johannes Bußmann der drittgrößte Luftfahrtechnikstandort weltweit. Er betonte ebenfalls, dass Deutschland sich in einer guten Ausgangsposition befinde, um weiter im internationalen Wettbewerb voranzuschreiten. Kritik wurde jedoch an der Politik geäußert, denn durch nationale Steuern und Gebühren würden die Luftverkehrsunternehmen im internationalen Wettbewerb geschwächt. Daher war das Luftverkehrskonzept ein wichtiges Thema, welches Anfang des Monats durch Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt vorgestellt wurde. Ziel dieses Konzeptes ist es, die negativen Rahmenbedingungen für den Luftfahrtstandort Deutschland zu beseitigen.

 

Marco Wagner von Airbus erklärte jedoch, dass dieses vorgelegte Konzept keine Strategie sei, sondern eher die Grundlage für die neue Bundesregierung darstelle, um sich damit dann weiter auseinanderzusetzen. Roland Gerhards befand, dass dieses Konzept besonders wichtig für die Forschung sei. Des Weiteren forderte er konkrete Ansätze, insbesondere, inwieweit die Forschung weitere Förderung erfahren solle.

 

Luftfahrtindustrie profitiert von Start-ups

Start-ups sind im Bereich Luftfahrttechnik ebenfalls ein wichtiges Thema. Insbesondere, wie diese gefördert werden können und welche Rahmenbedingungen es geben könnte, um die Gründung zu erleichtern, wobei gleichzeitig die großen Unternehmen profitieren sollen. Ein Beispiel dafür ist das von Achim Leder gegründete Start-up jetlite, welches es sich zur Aufgabe gemacht hat, Jetlags durch einen Algorithmus, der das Licht in den Flugkabinen steuert, zu reduzieren. Jetlite nimmt am Förderungsprogramm BizLab von Airbus teil, dadurch konnten wichtiges Know-how und Kontakte erfolgreich weitervermittelt werden. Bei diesem Förderungsprogramm haben Teams die Möglichkeit, sich dafür zu bewerben und werden innerhalb des Bewerbungsprozesses zu Seasons eingeladen, wo sie im Rahmen von Workshops die Möglichkeiten haben, ihre Idee zu reflektieren und mit neuen innovativen Ideen anzureichern.

 

Hierzu äußerte sich ebenfalls Marco Wagner. Kleinere Unternehmen hätten eine höhere Agilität, die wiederum hilfreich für Großunternehmen wie Airbus sein könnten. Daher sei eine Förderung solcher neuen Ideen wichtig und es entstehe eine Win-Win-Situation. In Bezug auf Start-ups wurde auch über die politische Unterstützung geredet. Dazu erklärte Achim Leder, dass sie Unterstützung vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie sowie dem ZAL bekämen, welche sehr hilfreich sei, da jetlite dadurch die Möglichkeit habe, weiter seine Ideen zu optimieren. Dennoch bestehe die Problematik, dass jetlite keine Mitarbeiter finde. Denn Unternehmen, wie beispielsweise Airbus, würden als sichere Arbeitgeber gelten. Dagegen stellten Start-ups ein höheres Risiko für Arbeitnehmer dar. Aufgrunddessen sprach sich Leder für eine bessere finanzielle Absicherung der Start-ups aus.

Impressionen
Prof. Rolf Henke, Vorstandsmitglied des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR)
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Digitalisierung bietet große Chancen

Weitere wichtige Themen waren Digitalisierung und Innovationen. In dem Zusammenhang erklärte Rolf Henke vom DLR, Deutschland stehe als weltweit führende Exportnation unter einem enormen Innovationsdruck. Als Folge dessen baut das DLR seinen Standort in Hamburg weiter aus, um die Industrie bei dieser Herausforderung zu unterstützen. Hierzu erklärte Johannes Bußmann, wo sich beispielsweise die Lufthansa Technik AG verändern bzw. weiterentwickeln müsse. Zwei Bereiche gehörten dazu, zum einen ganz klassisch, dass moderne Technologien immer mehr in den Herstellungsprozess mit eingebunden werden müssten. Zum anderen, dass die Luftfahrtindustrie eine der papierbelastetsten Industrien weltweit sei und der Verbrauch in Zukunft verringert werden müsse, in dem verschiedene Systeme vereinheitlicht und weiter untereinander vernetzt würden. Des Weiteren stellte Bußmann ein Tool vor, welches externen Entwicklern ermöglicht, an interne Informationen zu gelangen und daraufhin zugeschnittene Apps oder Dienstleistungen anzubieten.

 

Beim Thema Innovationen waren sich die Diskutanten darüber einig, dass der 3D-Druck einen enormen Fortschritt im Bereich der Fertigung und Wartung darstelle. 

 

Auch über die Unternehmenskultur wurde diskutiert und wie sich diese verändern müsse, um auf die steigende Nachfrage nach Fachkräften zu reagieren. Marco Wagner erläuterte, dass auch Airbus sich sehr kritisch mit seiner Unternehmenskulturauseinandersetze und wies aufdie Wichtigkeit offener Lernprozesse hin. Man müsse den Wandel hin zur Digitalisierung als Chance begreifen. Auch dies sei ein Grund, warum Airbus Gründer mit dem Projekt BizLab unterstütze, denn durch diese Unterstützung entstünden auch Flexibilität und Know-how. Airbus wolle aber nicht nur die Neuen unterstützen, sondern lege auch großen Wert auf seine bestehende Belegschaft. Denn diese müsse stetig weitergebildet werden, da eine höhere Qualifizierung immer notwendiger werde. Weiterhin erklärte Wagner, dass ein gesunder demografischer Mix innerhalb der Belegschaft wichtig sei und man somit nachhaltig an den Strukturen arbeite. Dennoch wurde auch bemängelt, dass die Qualität der Bewerber immer schlechter werde, was vor allem auffallend in den Bundesländern sei, wo das Schulsystem stetig mit der Zusammensetzung der Landesregierung wechsle.

 

Daraus resultierten eine Verschlechterung in der schulischen Bildung und die Bitte an die Politik, die eingeschlagene Richtung zu überdenken. Denn die Luftfahrtindustrie biete durch ihre ausgezeichnete Auftragslage sehr große Chancen. Diese müssten durch die enge Koordination zwischen Politik und Industrie richtig genutzt werden, um weiterhin den Luftfahrtstandort Deutschland zu sichern und auszubauen.

 

Text: Jennifer Hake

Fotos: Frank Soens

Kontakt
Christian Ströder
Referent für Wirtschaftspolitik
Wirtschaftsrat der CDU e.V. Landesverband Hamburg
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