14. April 2015
Made in Germany: Mammutprojekt Energiewende
Uwe Beckmeyer MdB spricht beim Wirtschaftsrat über Fortschritt der Energiewende
Mit der Energiewende steckt Deutschland mitten in einem Jahrhundertprojekt, für das es bewundert, aber auch skeptisch belächelt wird. Der Start war mehr als holprig und nach wie vor gibt es große Baustellen, z.B. in Sachen Netzausbau, bei der Marktintegration erneuerbarer Energien und bei der Entwicklung von Speichern. Welche Fortschritte es bisher zu verzeichnen gibt und welche Chancen die Energiewende speziell für Norddeutschland bietet, darüber sprach Uwe Beckmeyer MdB, Parlamentarischer Staatssektretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie, vor Mitgliedern und Gästen des Wirtschaftsrates Hamburg.
Uwe Beckmeyer MdB, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie (Foto: Wirtschaftsrat)

Deutschland hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt. Bis zum Jahre 2050 sollen mindestens 80 Prozent der Stromversorgung durch erneuerbare Energien abgedeckt werden. Gelingen kann dies nur, wenn Planungs- und Investitionssicherheit gegeben sind, die Akzeptanz der Bürgerinnen und Bürger vorhanden ist und die Energiewende auch auf europäischer Ebene eingebettet wird.

 

Die große Herausforderung dabei ist, den Umbau der Energieversorgung so zu strukturieren, dass der Wirtschafts- und Industriestandort Deutschland nicht gefährdet wird. Hier ist die Entwicklung des Energiepreises von zentraler Bedeutung: „Er muss bezahlbar bleiben, weil er natürlich auch über die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft letztendlich entscheidet. Energieintensive Industrien müssen in Deutschland eine Zukunft haben. Wir brauchen diese Industrien“, sagte Beckmeyer.


In puncto Preisentwicklung gilt es vor allem, sich auf Dauer von der staatlichen Subvention erneuerbarer Energien zu lösen. Man könne nicht akzeptieren, dass derzeit 28 Prozent der Energie- bzw. Stromerzeugung in Deuschland staatlich fixiert seien. Man müsse für die Zukunft einen Weg finden, wie man auch im Bereich der erneuerbaren Energien zu Marktpreisen komme, so Beckmeyer. Wettbewerbliche Ausschreibungen sollen vorangetrieben werden. 

 

Neben der Bezahlbarkeit spielt die Versorgungssicherheit respektive das Strommarktdesign eine elementare Rolle beim Projekt Energiewende. Auf dem Weg zur grünen Energieversorgung müssen die konventionellen Erzeuger ins Boot geholt werden. Denn ohne sie lässt sich die Versorgungsicherheit, die neben der Wirtschaftlichkeit und der Umweltverträglichkeit ein Kernelement der Energiewende ist, nicht sicherstellen. Mittel- und langfristig müsse alles getan werden, „dass wir flexible, fossile Kraftwerke auch in Deutschland erhalten“, sagte der SPD-Politiker.

Intensive Gespräche beim Buffet (Foto: Wirtschaftsrat)

Gleichzeitig warnte der Referent vor Sonderwegen einzelner Länder. Mit Blick auf die Ambitionen des bayrischen Ministerpräsidenten sagte er: „Energie ist ein europäisches Thema und wer vom Heimatstrom träumt, muss irgendwann aufwachen, wenn er feststellt, dass er in einer anderen zweiten Strompreiskategorie gelandet ist.“ Um das nationale Großprojekt erfolgreich zu gestalten, müssen alle an einem Strang ziehen. Gerade in Sachen Netzausbau ist der Nachholbedarf enorm. Zur Zeit seien 30 Prozent der Trassen gebaut, die nötig seien. Die von Bürgerinitativen geforderten Erdverkabelungen seien nicht der Königsweg. Diese seien teuer, brächten technische Probleme mit sich und könnten sich durch Wärmeabgabe auf die Bodenstruktur auswirken, erläuterte der Energieexperte.


Die Energiewende stützt sich aber nicht nur auf den Ausbau erneuerbarer Energieträger, sondern hat eine zweite wichtige Säule: die Energieeffizienz. „Sie ist im Grunde die umweltfreundlichste und günstigste Stromerzeugungsvariante, weil jede Kilowattstunde, die nicht erzeugt wird, die vermieden wird, ist die günstigste“, sagte Beckmeyer. Man habe in den letzten Jahren im Bereich der Energieeffizienz schon viel in Deutschland erreicht. Als Beispiel nannte er das CO2-Gebäudesanierungsprogramm. Und dennoch gibt es laut dem Experten „eine unglaubliche Verschwendung von Energie“ und ein riesiges „Potenzial an Energieeinsparmöglichkeiten im Bereich der Produktion, im Bereich des Nicht-Wohngebäude-Sektors.“ Hier gilt es, die Unternehmen zu beraten und anzuhalten, die eigenen Produktionsprozesse auf Energieeinsparung zu überprüfen. Jede Energiesenkung und Verbrauchsminderung sei für das Unternehmen zurzeit renditemäßig günstiger als Gewinne zu machen und darauf faktisch null Zinsen zu bekommen, empfahl Uwe Beckmeyer.

 

Die Chancen, die sich für Deutschland aus der Energiewende ergeben, sind trotz aller Hürden enorm. Die Bundesrepublik kann zum führenden Exporteur von Modernisierungsinstrumenten im Energieversorgungssektor werden und sich von Öl- und Gasimporten unabhängiger machen. Norddeutschland hat sich als einer der wichtigsten Standorte zur Windkraftnutzung zu einem Zentrum der erneuerbaren Energien entwickelt. „Der Aufbau von Windparks in Nord- und Ostsee und die Ansiedlung von Projektentwicklern und Produzenten von Windenergieanlagen beflügeln die Wirtschaft“, so die Einschätzung Beckmeyers.

v.l.n.r.: Uwe Beckmeyer MdB und Ulf Gehrckens, Mitglied des Landesvorstandes (Foto: Wirtschaftsrat)
Kontakt
Christian Ströder
Referent für Wirtschaftspolitik
Wirtschaftsrat der CDU e.V. Landesverband Hamburg
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