14. Mai 2019
"Man kann nur gewinnen, wenn man sich etwas traut"
Politischer Mittagstisch der Sektion Karlsruhe/Bruchsal mit Nicole Büttner-Thiel, Europakandidatin der FDP
Sektionssprecher Johannes-Georg Voll begrüßte zu Beginn die FDP-Kandidatin und die anwesenden Unternehmer, die der Einladung zum Austausch zwischen Politik und Wirtschaft gefolgt waren. Er machte deutlich, dass der intensive Dialog zwischen beiden Seiten bei dieser Art von Veranstaltung im Vordergrund stehe, um gemeinsam zu schauen, was man „mit- und füreinander tun kann“.
Nicole Büttner-Thiel (FDP) und Sektionssprecher Johannes-Georg Voll (Foto: WR)

Nicole Büttner-Thiel gehört seit 2017 dem Landesvorstand der FDP Baden-Württemberg an und ist Vorsitzende des Landesfachausschusses Wirtschaft. Sie ist stellvertretende Kreisvorsitzende der FDP Karlsruhe-Land und Spitzenkandidatin für die Europawahl 2019 im Bezirk Mittelbaden. Ursprünglich aus der Finanzwirtschaft kommend, hat sie sich als Unternehmerin im Bereich Datenanalysen und künstliche Intelligenz selbstständig gemacht. In ihrem täglichen Arbeitsbereich sieht sie, dass China deutlich weiterentwickelt sei als Europa. Durch im Ausland ausgebildete Fachkräfte  seien chinesische Unternehmen dynamischer, sogar im Vergleich zu Palo Alto. Dies gehe in China auf Kosten von sensiblen Bereichen, wie z.B. dem Datenschutz. Zwar seien chinesische Verhältnisse keinesfalls das Ziel, jedoch sieht Büttner-Thiel gerade beim Thema DSGVO Verbesserungspotenzial: „Verbraucherrechte, gerade das Recht auf Vergessenwerden, sind elementar, aber bei der DSGVO werden durch die bürokratischen Vorgaben hauptsächlich kleine und mittlere Unternehmen unverhältnismäßig belastet“. Johannes-Georg Voll unterstützte diese Sichtweise und ergänzte, dass Innovationen derzeit so gut wie ausschließlich aus China kämen. Deutschland, vor allem die Region Karlsruhe, könne sich nur noch im Bereich Cybersecurity positionieren, erläuterte der Sektionssprecher.

Auch über das Thema Datenschutz hinaus stellte Büttner-Thiel in Deutschland einen „Verordnungswahn“ fest: Die aktuelle Regierung habe ein fast misstrauisches Menschenbild, wodurch Dokumentation, Regulierung und Kontrolle in allen Bereichen zunehme. Sie habe das Gefühl, dass gerade Unternehmer und Unternehmen aus Skepsis heraus verstärkt kontrolliert würden, bis hin zu jüngsten Ideen von Verstaatlichungen. Eine „Fehlervermeidungskultur“ und ein „sich nicht trauen“ verhindere Innovationen, so Büttner-Thiel. Viel besser sei ihrer Meinung nach eine Mängeldokumentation, die den Blick für Verbesserungspotenziale öffne. Auch der Wirtschaftsrat setzt sich für einen Bürokratieabbau ein: Mitglieder werden aktiv aufgefordert, bürokratische Hemmnisse und „Innovationsbremsen“ zu melden, ergänzte Herr Voll. 

Der Brexit war im Rahmen der Veranstaltung ebenso Thema wie die „großen“ europäischen Herausforderungen: Zunehmender Nationalismus („gerade der globale Wettbewerbsdruck spricht für Europa!“), Solidargemeinschaft („Europa will den Sozialstaat, das ist der Unterschied zu bspw. China, wo das Individuum einen anderen Stellenwert hat“) oder auch europäische Bildungsreformen („durch die Einführung des Bachelor-Master-Systems ist nicht zwingend eine Angleichung erfolgt – während im angelsächsischen Raum ein früher Berufseinstieg mit dem Bachelor Standard ist, wird hierzulande fast immer ein Master erwartet“). Mit eine der größten Herausforderungen, so die Kandidatin für das EU-Parlament, sei jedoch die Frage, wie das Thema Europa bei den Menschen besser adressiert werden könne, um letztlich auch  wieder mehr Menschen mitzunehmen.