04. Mai 2015
Mindestlohn: Bürokratiemonster für die Zeitungsbranche
Bremer Wirtschaftsrat zu Gast bei der Bremer Tageszeitungen AG
Zu ihrer diesjährigen Auftaktveranstaltung hatte die Landesfachkommission Familienunternehmen und Mittelstand unter Leitung von Dr. Thomas Ull zu dem Thema „Mindestlohn – Auswirkungen auf den Mittelstand“ geladen.
Foto: Wirtschaftsrat

Jan Leßmann, CFO der Bremer Tageszeitungen AG (BTAG), berichtete aus Sicht eines Zeitungsverlages von den Erfahrungen seit Einführung des Mindestlohns und den neuen Herausforderungen für die Branche. Die BTAG beschäftigt derzeit über 1.600 Zusteller, die primär von der Einführung des Mindestlohns betroffen sind, und sah sich zunächst mit einigen grundlegenden Fragestellungen konfrontiert. „Wie wird die Arbeitszeit des Zustellers kontrolliert?“ – Für die Zeitungsbranche bedeutet die Einführung des Mindestlohns vor allem einen Paradigmenwechsel: Vom Stücklohn zum Zeitlohn. Wurden Zusteller zuvor per zugestellten Exemplaren entlohnt, tritt durch den Mindestlohn die Arbeitszeit in den Fokus, die sehr arbeitsintensiv erfasst werden muss.

Auch die Ergebnisse einer Erhebung des Bundesverbands deutscher Zeitungsverleger e.V., in der ca. 100 deutsche Verlage befragt wurden, geben Aufschluss über die Folgen des Mindestlohns: Trotz geltender Übergangsregelungen liegen die Mehrkosten im Vergleich 2014/2015 bereits bei rund 205 Millionen Euro. Weiterhin können eine halbe Mio. Haushalte nicht mehr betriebswirtschaftlich sinnvoll beliefert werden. Auch die Auswirkungen auf Arbeitsplätze sind erheblich: Durch notwendige Neuorganisationen ist es bisher zu rund 2.000 Entlassungen beim Zustellpersonal gekommen.

Letztlich stelle nicht die Höhe des Mindestlohns den eigentlichen Problembereich dar, sondern die Dokumentationspflichten, die einen erhöhten Arbeitsaufwand für die Unternehmen bedeuten, so Leßmann.