15. Mai 2020
Mit logistischer Meisterleistung Hauptschlagader befahrbar halten
Ersatzbauwerk Rader Hochbrücke: DEGES sieht vier Bauabschnitte bis 2029 vor
Sie ist das eines der wichtigsten Bauwerke für den Verkehr und damit auch eine Hauptschlagader für große Teile der Wirtschaft im Land Schleswig: die Rader Hochbrücke. Mit Sanierungsmaßnahmen konnte lange Zeit die Befahrbarkeit gesichert werden. Jetzt steht fest: die Überquerung des Nord-Ostsee-Kanals wird bis 2029 erneuert. Wie bei laufendem Neubau ab 2023 der Verkehr fließen kann, war Mitte Mai eines der Themen einer Videokonferenz der Sektion Schleswig-Flensburg.

Als Gast per Zuschaltung aus Berlin konnte Sektionssprecher Hauke Präger Bernd Rothe, Bereichsleiter Projekte in Schleswig-Holstein-Hamburg-Bremen der Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH (DEGES), begrüßen. Bevor der Diplom-Ingenieur auf die Rader Hochbrücke und weitere große Maßnahmen einging, erntete er von Präger Lorbeeren. „Der Ausbau der A 7 war eine tolle Leistung der DEGES. Wir freuen uns, dass wir nun deutliche verbesserte Straße haben bis zum Ballungszentrum Hamburg. Wir hoffen, dass Sie Termintreue und Zuverlässigkeit bei den weiteren Projekten so fortsetzen,“

 

Konzipiert für große Verkehrsmengen

Rothe zeigte zu Beginn die Rahmenbedingungen für den Ersatzbau auf, der auf Gesamtkosten von 370 Millionen kalkuliert und damit eines der größten Projekte bundesweit ist. „Wir sind seit 2016 mit dem Thema beschäftigt und liegen derzeit m Zeitplan und im Kostenbudget. Erfreulich ist, dass es gelungen ist, die Planungen von zunächst vier Spuren auf sechs Spuren umzustellen. Damit wird das neue Bauwerk besonders nachhaltig hinsichtlich der erwartenden Verkehrsmengen.“

 

Eine logistische Herausforderung

Ziel ist es, 2023 mit dem Bau der ersten Brückenhälfte (Ostseite) zu beginnen. „Die Genehmigungsunterlagen lagen im Mai und Juni 2019 öffentlich aus. Die 225 Stellungnahmen werden aktuell abgearbeitet und die nächste Auslegung soll dann im Sommer erfolgen“, ist Rothe optimistisch. Dann könne der Planfeststellungsbeschluss im ersten Halbjahr 2021 vorliegen und die ersten Aufträge für die insgesamt vier großen Bauphasen beginnen. „Wir bauen die erste neue Brücke neben die bestehende Brücke. Ist diese dann fertig, wird der Verkehr ab 2026 insgesamt vierspurig möglich sein.“ Nach erfolgtem Abriss des Bauwerks aus dem Jahr 1972 könne die zweite Richtungsfahrbahn erstellt werden. „Damit wollen wir dann bis 2029 fertig sein“. Die neue Kanalüberquerung werde dann zwei voneinander unabhängige Bauwerke haben und etwa 16,50 Meter weiter östlich als die bisherige liegen. „Das wird eine logistische Herausforderung“, so Bothe, der die Darstellung des Ablaufs der Baumaßnahmen anhand einer Animation erläuterte.

 

Mehr Schutz gegen Lärm

Der Fachmann aus Berlin machte zudem deutlich, dass es darum gehe, die Belastungen für die Menschen in der Region so gering wie möglich zu halten. „Viele Bauteile werden über das Wasser angeliefert und alte Teile abtransportiert.“ Zudem berichtete er, dass die Lärmschutzmaßnahmen an der neuen Brücke im Vergleich zu heute deutlich umfangreicher sein werden.  „Vorgesehen sind etwa 26.000 Quadratmeter an Schutzwände mit einer Höhe von 3 bis 5,5 Meter. Das wird beim Lärmschutz zu großen Verbesserungen führen.“

 

Rader Bürgermeister fordert mehr Dialog

In der sich anschließenden Fragerunde war es vor allem der Bürgermeister der Gemeinde Rade, Hans-Stephan Lüthje, der Rothe auf den Zahn fühlte. Noch stärker als bisher sei es notwendig, den Dialog mit den Akteuren vor Ort zu suchen. „Wir haben einige Vorschläge gemacht, wie die Region beteiligt werden kann. Nehmen sie die Menschen mit und achten sie darauf, dass die Menschen auch von dem Neubau profitieren“, so sein Appell. Das könne drohenden Klagen gegen den Ersatzbau entgegenwirken. Rothe sicherte zu, für einen Austausch vor Ort bereit zu stehen. „Wir werden – wie auch beispielsweise bei unseren Großprojekten in Hamburg - den Dialog suchen und streben auch an, die regionale Wirtschaft so gut wie möglich Wirtschaft einzubinden.“

 

Infokasten:

 

Die DEGES und ihre Aufgaben in SH

Die Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH (DEGES) hat aktuell ein offenes Auftragsvolumen bundesweit von etwa 20 Milliarden Euro. Bis auf die Bundesländer Bayern, Saarland, Rheinland-Pfalz und Niedersachsen haben alle anderen Bundesländer ihre mittlere und große Infrastrukturkomplexen in die Zuständigkeit der DEGES, die noch in diesem Jahr mit der Autobahn GmbH verschmelzen wird, übergeben. In Schleswig-Holstein hat die DEGES folgende Projekte umgesetzt bzw. aktuell in Arbeit: Ausbau A7 von Hamburg bis zum Bordesholmer Dreieck, Ersatzbau der Rader Hochbrücke, Neubau der A 20 von Bad Segeberg bis an die Elbe, Ausbau der A 21 mit Südspange südlich Kiel, Betreuung des Fehmarnbelt-Tunnel (hoheitliche Funktionen) mit Hinterlandanbindung sowie der Ausbau der A 23 zwischen Tornesch und Hamburg auf sechs Fahrstreifen. Nach dem abgeschlossenen Ausbau der A 7 ist die A20 das nächstgrößere Projekt. Hier sind sechs Bauabschnitte bis nach Niedersachsen mit einer Gesamtlänge von 80 Kilometern und insgesamt 90 Brückenbauwerken vorgesehen. Vorgesehen ist, noch 2020 in drei Planstellungsverfahren einzusteigen. Ziel ist es, 2023 als erstes mit dem Bau des Abschnitts 7 von der A23 bis zur B 431 zu beginnen. In den nächsten zwei Jahren soll für die gesamte Strecke Baurecht erlangt werden. Mit dem Bau des Teilstücks zwischen der A 7 bis Bad Segeberg soll dann nach den aktuellen Planungen ab 2025 begonnen werden.

 

Bildunterzeile: (Portraitfoto)

Bernd Rothe, Bereichsleiter Projekte in Schleswig-Holstein-Hamburg-Bremen der Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH (DEGES).