10. April 2014
Nach der Krise - vor dem Aufschwung
Wohin geht die Reise in der Weltwirtschaft und bei den Zinsen?
Weltweit sind die Aktienmärkte wieder im Aufwärtstrend. „Wir sind in einer Phase nach der Krise und vor dem Aufschwung“, sagte Finanzexperte Alan Zlatar beim Arbeitskreis Banken und Börsen in der Landesfachkommission „Finanzen“ des Wirtschaftsrates Hessen. Der Arbeitskreis war im Porschezentrum Hofheim zu Gast. Dort stellte Senior Strategist VT Asset Management Zlatar von der Vontobel Bank aus Zürich Szenarien für die Weltwirtschaft, Zinswende und Finanzmärkte dar.
v.l.n.r.: Florian Brechtel; Dr. Werner Templin; Kathrin Booch-Arkossy; Alan Zlatar (Foto: Wirtschaftsrat)

Er versuchte anhand unzähliger Daten zu deuten, wie sich die Finanzmärkte entwickeln und was das für die Anleger bedeutet. 

 

Zlatar geht von einem synchronen Wirtschaftsaufschwung aus. Er ist sicher: „Ein Szenario, an das wir mit 80-prozentiger Wahrscheinlichkeit glauben.“ Im Mittelpunkt seines Szenarios stehe der Aufschwung in den USA mit einem Wirtschaftswachstum von drei Prozent. „Amerika is back“, sagte Zlatar. Der Aufschwung Amerikas sei getrieben durch reduzierte Sparmaßnahmen des Staates, den Wohnungsbau, die Autoindustrie. 

 

Vor allem sei aber die Energiegewinnung durch Fracking ein zentrales Thema. „In zehn bis zwölf Jahren ist Amerika in der Energiegewinnung unabhängig.“ Das bringe die Wirtschaft des Landes weit voran, mache Amerika attraktiv.

 

In Finanzkreisen wird die Energiegewinnung durch Fracking und die dadurch vermutete Autonomie Amerikas gerade heiß diskutiert. Deshalb kam in der Diskussion des Abends die Frage nach der Fracking-Blase. „Da kann niemand eine sichere Antwort geben,“ gab Senior Strategist Zlatar zu.

 

In der Euro-Zone sieht Zlatar ebenfalls eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit für einen Aufschwung. Reduzierte Konsolidierung, tiefere Zinsen in der Peripherie, Schritte zur Bankenunion und einen schwächeren Euro nennt er als Gründe. 

 

An das Schreckgespenst einer Inflation glaubt er nicht. „Inflation ist im Moment nicht problematisch, und die Lage ist nicht mit dem Krisenjahr 1994 zu vergleichen“, so der Finanzexperte.

 

Zlatars Prognose: Es gebe eine konjunkturelle Erholung in den Industrieländern, leicht steigende Zinsen und eine tief bleibende Inflation. Für Anleihen gebe es größtenteils unattraktive Bewertungen und die Bewertung für Aktien sei neutral, aber mit wahrscheinlich weiterem Anstieg.

 

Sein Tipp: „Steigende Zinsen, insbesondere Realzinsen sprechen gegen Gold, aber für den US-Dollar.“

v.l.n.r.: Kathrin Booch-Arkossy; Dr. Werner Templin (Foto: Wirtschaftsrat)
v.l.n.r.: Alan Zlatar; Dr. Werner Templin (Foto: Wirtschaftsrat)