16. Juni 2016
Nachfolgeregelung: So früh wie möglich planen
Das Thema „Nachfolgeregelung“ ist immer relevant, muss sich doch jeder Betrieb einmal mit der Frage auseinandersetzen, wer das Lebenswerk weiterführen soll. Unabhängig von der Größe oder des Alters eines Unternehmens: Eine frühzeitige Regelung ist stets von Vorteil und im Interesse aller Beteiligten. Die Landesfachkommission „Familienunternehmen und Mittelstand“ des Wirtschaftsrat Hessen hatte zu einer Podiumsdiskussion zu eben diesem Thema bei der MAZARS GmbH geladen.
Rainer Miller, Otto Philipp Braun, Dr. Uwe Böning, Annette Klingelhöfer, Sven Buchschatz (Foto: Wirtschaftsrat)

Annette Klingelhöfer, 27 Jahre alt, ist frisch gebackene Nachfolgerin der Geschäftsführung der Konditorei Café Klingelhöfer GmbH in Marburg. Ihre Beteiligung an der Geschäftsführung liegt bei 25 Prozent. Der Übernahmeprozess gestaltete sich anstrengend: „Die Vorbereitung dauerte zwei Jahre und die eigentliche Übernahme dann auch.“ Dies kann der aus dem Gastgeberhaus stammende Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Sven Buchschatz ebenfalls bestätigen: die möglichst frühzeitige Beschäftigung sei heute die beste Strategie. Er warnt jedoch auch: „Steuergetriebene Übergaben sind keine gute Option.“ Auch Otto Philipp Braun von der B. Braun Melsungen AG kann aus Erfahrung berichten, dass es Mut, Stärke und Intelligenz braucht, um ein Unternehmen loslassen und weitergeben zu können.

 

Rainer Miller, Mitglied der Geschäftsleitung der BWK GmbH Unternehmensbeteiligungsgesellschaft, kennt das Problem der Patriarchen, die ihren Betrieb nicht loslassen können nur zu gut. Er gibt zu bedenken, dass sich „das Leben für die Pensionäre durch die frei verfügbare Zeit dann völlig neu gestaltet“. Dass das Verständnis der eigenen Identität eng mit der Arbeit, die man ausführt, verknüpft ist, weiß auch der Moderator der Runde, Dr. Uwe Böning, Diplom-Psychologe und Geschäftsführer der Böning Consult GmbH. Er berät seit Jahren Topmanager und begleitet auch Unternehmensübergaben. Er gibt zu bedenken: „Die alte Unternehmergeneration investiert zu wenig in die Persönlichkeitsentwicklung ihrer Kinder und schätzt sie falsch ein. So entstehen verschleppte Tragödien.“ Braun fügt hinzu: „Führungskräfte müssen in der Lage sein, ernsthaft Nachfolger zu benennen.“ Die Jungunternehmerin Klingelhöfer stimmt ihren Vorrednern zu und ist überzeugt, dass der Nachfolger in seine Aufgaben hineinwachsen muss: „Es ist eben dieser Prozess, der jemanden zu einem guten Nachfolger macht.“

 

Die Publikumsfrage nach einem Erfolgsrezept für die Nachfolge müssen die Experten unbeantwortet lassen. Sie sind sich einig darüber, dass es ein solches nicht geben kann, da die Unternehmen zu unterschiedlich sind. Allerdings mahnen sie einstimmig an, sich so früh wie möglich mit dem Thema auseinanderzusetzen und falls es im engeren (Familien)kreis keinen geeigneten Kandidaten gibt, ruhig auch externe Bewerber zu suchen. 

Foto: Wirtschaftsrat
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Michael Dillmann
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