19. September 2017
Landesfachkommission Infrastruktur & Mobilität
Nachhaltige Mobilität: Eine Herausforderungen für Hamburg
Senatsdirektor Martin Huber erläutert das Verkehrskonzept der Hansestadt
In einer pulsierenden Großstadt wie Hamburg steht die Verkehrsplanung vor besonderen Aufgaben: Neben den unterschiedlichen Ansprüchen des öffentlichen, des Individual- und des Wirtschaftsverkehrs müssen auch strenge Anforderungen hinsichtlich Lärmminderung, Luftreinhaltung und Klimaschutz berücksichtigt werden.
Martin Huber, Leiter des Amtes für Verkehr und Straßenwesen (Foto: Wirtschaftsrat)

Hamburg wächst weiter 

Um sich aus erster Hand über das Verkehrskonzept Hamburgs zu informieren, hatte die Landesfachkommission Infrastruktur & Mobilität im September Martin Huber, Leiter des Amts für Verkehr und Straßenwesen, zu Gast. Große Herausforderungen sieht der Experte durch die demographische Entwicklung heraufziehen. Prognosen zufolge könne die Einwohnerzahl der Hansestadt bis 2030 auf rund 2 Millionen Menschen anwachsen. Die Folge: Insbesondere der Anteil der über 65-Jährigen und damit der Bedarf an barrierefreier Mobilität würden steigen. Auch die Zahl der Pendler werde weiter zunehmen. Zudem zeige die HVV-Nachfrageentwicklung seit Jahren kontinuierlich nach oben: 751 Millionen Fahrgäste seien es 2015 gewesen, 683 Millionen sieben Jahre zuvor.

 

Mit der Luftverschmutzung und der Lärmbelastung seien weitere Probleme zu lösen. Das wichtigste Mittel zur Überwindung der genannten Herausforderungen seien nachhaltige und vernetzte Mobilitätsdienste, um den privaten Pkw als hauptsächlich genutztes Verkehrsmittel abzulösen. Die Zukunft des Fahrens liege in einem multimodalen System, das Bus und Bahn genauso beinhalte wie Carsharing. Huber betonte aber auch mit Blick auf die Wettbewerbsfähigkeit des Hafens, dass die Hinterlandanbindung weiter gestärkt werden müsse und verwies z.B. auf die Schieneninfrastruktur.

Im Vordergrund: Der Kommissionsvorsitzende Prof. Dr. Peer Witten (Foto: Wirtschaftsrat)

 

Neubau, Ausbau, Digitalisierung

 

Um das Bevölkerungswachstum und die damit verbundenen Herausforderungen zu meistern, sind große Investitionen in Infrastruktur und Technik notwendig. Martin Huber skizzierte einige, teilweise schon fortgeschrittene Maßnahmen und Projekte:

  • Ausbau bzw. Neubau der Strecken U4, U5, S4 und S21 (Linie U5 mit fahrerlosen Zügen).
  • Umstieg auf E-Mobilität: Ab 2020 sollen nur noch emissionsfreie (Elektro-)Busse angeschafft werden. Diese sollen Dieselfahrzeugen in puncto Leistung, Flexibilität, Reichweite und Verlässlichkeit in nichts nachstehen.
  • Etablierung von „Switchh“ zur Vernetzung komplementärer Verkehrsmittel.
  • Einführung eines elektronischen Ticketsystems, das eine Fahrtstrecke vollautomatisch über das Smartphone abrechnet („Check-in/Be-out“).
  • Ausbau von Carsharing- und Ridesharing-Angeboten (z.B. CleverShuttle).
  • Kontinuierlicher Ausbau des StadtRAD-Angebots.

 

Über den verschiedenen Projekten stehe eine sogenannte Intelligent Transport System-Strategy (ITS)*, wie Senatsdirektor Huber weiter erläuterte. Diese Strategie verfolge wiederum mehrere Ziele:

  • Sicherheit beim Transport
  • Einen nachhaltigen und umweltfreundlichen Transport
  • Einen effizienten und verlässlichen Transport
  • Hohe Qualität beim Transport selbst und bei den Serviceinformationen
  • Förderung / Einsatz von Innovationen

 

Letzteres umfasse konkrete Handlungsfelder wie eine intelligente Verkehrssteuerung/-lenkung, eine intelligente Infrastruktur, intelligentes Parken und die Einbindung intelligenter Fahrzeuge. Als Beispiel nannte Huber die automatisierte Verkehrsmengenerfassung mittels Wärmebildkameras an Ampeln, um Echtzeitprognosen der Verkehrsbelastung und eine entsprechend vorausschauende Anpassung der Signalprogramme zu ermöglichen. Projekte wie „Parkraummanagement Stadt“ oder „Online-Parkstandbelegungsdetektion (oPD)“ sollen dazu beitragen, die Parkraumauslastung zu harmonisieren und Parksuchverkehr zu reduzieren.

Ina Luderer (Foto: Wirtschaftsrat)

*UPDATE: Anfang November fiel in Montreal die Entscheidung, dass Hamburg den Weltkongresses „Intelligent Transport Systems“ (ITS) 2021 ausrichten wird. Rund 10.000 Fachleute aus den Bereichen Verkehr, Telekommunikation, Informationstechnologie, Wissenschaft und Politik werden dafür in der Hansestadt zusammenkommen. Der Kongress soll vom 11. bis 15. Oktober 2021 im dann modernisierten CCH und in den Messehallen stattfinden.

Kontakt
Christian Ströder
Referent für Wirtschaftspolitik
Wirtschaftsrat der CDU e.V. Landesverband Hamburg
Telefon: 040/ 30381049
Telefax: 040/ 30381059