Nationalismus auf dem Vormarsch

Der ökonomische Nationalismus prägt bislang kaum die öffentliche Debatte – dabei könnte er der große Welttrend werden. Von Roland Koch, Vorsitzender des Aufsichtsrates UBS Europe SE.

Auch wenn Donald Trump nicht ewig US-Präsident bleiben wird, wird er nicht nur die die Entwicklungen in den USA, sondern weltweit prägen. Er hat zwei Vorteile auf Seiten seiner egoistischen Argumentation. Er genießt die Sympathie aller nicht demokratisch geführten Länder. Die Gestaltungsfähigkeit ihrer Einflusssphäre wird größer, weil auch Demokratien protektionistische Diskussionen zu Lasten des Wettbewerbs führen. Das ist neu und das exakte Gegenteil der letzten 50 Jahre.

 

Und Trump ist nicht trotz, sondern wegen seiner Thesen gewählt worden. Deutschland kann froh sein, dass mit Emmanuel Macron in Frankreich jemand eine Mehrheit gewonnen hat, der einen multinationalen Ansatz verteidigt. In einer Welt des wirtschaftlichen Nationalismus ist die Begründungshürde, mit einem anderen Wirtschaftsraum Beziehungen zu pflegen, höher. Hinzu kommt: Eine Folge der Globalisierung ist, dass die meisten Wirtschaftsräume, die sich beginnen abzuschotten, groß genug sind, um intrinsisch wachsen zu können. Kollegen in den USA, die Trump näher stehen, sagen klar: Natürlich wird der Welthandel transnational sehr viel langsamer wachsen. Und das wollen wir auch. Aber wir sind überzeugt, dass das weltweite Sozialprodukt mindestens genauso schnell, wenn nicht schneller wachsen wird.

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