05. März 2013
"2014 - 2020 Neue Förderperiode der EU - Was kommt auf die Landwirtschaft und den ländlichen Raum zu?!"
„Lebensmittel- und Futtermittelskandale sind nicht alles in der Landwirtschaft!“
Bei der Produktion von Lebensmitteln sind die Landwirte nicht nur der Anfang einer langen Wertschöpfungskette. Auch sie sind mittlerweile von Zulieferanten, wie Futtermittelherstellern abhängig. Dennoch verlangt der Verbraucher eine einwandfrei Lebensmittelqualität, die durch die Kontrolleure der Veterinärämter abgesichert wird.
v.l.n.r.: Landrat Jörg Hellmuth, Landkreis Stendal, Dr. Christoph v. Katte, Sprecher der Sektion Altmark (Foto: Wirtschaftsrat)

Der Sektionssprecher der Sektion Altmark begrüßte die rund 30 Mitglieder und Gäste der Veranstaltung: „Lebensmittelproduktion ist eines der sensibelsten Themen in der Landwirtschaft und zählt zu recht zu den Primärbranchen in Deutschland. Lebensmittel sollen nicht nur gut aussehen und gut schmecken, sie sollen auch qualitativ einwandfrei sein. Dazu bedarf es einer intensiven Kontrolle, die hier im Kreis durch das Veterinäramt sichergestellt wird.“


Die Sektion hatte an diesem Abend die Gelegenheit, sich von dem scheidenden Landrat des Landkreises Stendal zu verabschieden. In seinem Resümee der 14-jährigen Amtszeit war das Thema Landwirtschaft für ihn als ehemaliger Landwirt und die Struktur der Region ein großes Anliegen. „Insbesondere alle landwirtschaftlichen Förderungen, von den EU-Beihilfen, bis zu den kreiseigenen Unterstützungen, wie dem Aufbau einer flächendeckenden Kontrolle der landwirtschaftlichen Erzeugung von Lebensmitteln, sind ein prägendes Aufgabenfeld meiner Tätigkeit als Landrat gewesen“, so Jörg Hellmuth. „Es freut mich, dass die Sektion Altmark des Wirtschaftrates in seinen Veranstaltungen so eng mit der Kreisverwaltung und den Kommunen zusammengearbeitet hat. Ich selbst werde jetzt sicher mehr Zeit haben, mich noch intensiver in die Diskussionen mit einzubringen“, freute sich Jörg Hellmuth auf seine Zeit nach der Amtsübergabe.

stehend: Amtstierarzt Dr. Thoralf Schaffer, Landkreis Stendal (Foto: Wirtschaftsrat)

„Lebensmittelkontrolle ist ein aufwendiges Geschäft mit vielen interessanten Aspekten, die einen jeden Tag auf das neue herausfordern und uns als Veterinäre auch an Grenzen führen. Einerseits erzeugen wir in der Region noch nicht die Produkte, die für die Bewohner der Region notwendig wären. Andererseits wenden wir bei den Kontrollen statistische Methoden an, die so durchdacht sein müssen, dass wir jegliche Verunreinigungen ausschließen müssen. Normalerweise sind für Futtermittel laut Verordnung nur 20 Proben notwendig. Bei den gelieferten Mengen sind jedoch durchaus das 10-fache erforderlich, um beispielsweise Nester von Verunreinigungen ausfindig zu machen. Dazu haben wir in unserem Amt aber nicht immer die ausreichende Anzahl von Kontrolleuren im Einsatz. Hier muss ich als Amtsleiter ebenfalls mit in die Betriebe oder wir müssen über Amtshilfe auf Kontrolleure anderer Landkreise zurückgreifen“, so Dr. Thoralf Schaffer in seinem Vortrag. Dabei sind auch Herausforderungen, wie die des Milzbrandfalles in der Elbmarsch mit dabei, ein Problem, mit dem man im Lebensmittelbereich eigentlich nicht rechnet, denn die Erreger kennt man nur als Kampfstoff. Ebenso reicht der Bereich der Lebensmittelkontrolleure bis zu der Überwachung der gesamten Viehbestände im Kreis und dem Katastrophenschutz. „Ein vielfältiges und spannendes Aufgabengebiet mit immer neuen Herausforderungen“, so das Fazit von Dr. Schaffer.

Dr. Hermann Onko Aeikens, Minister für Landwirtschaft und Umwelt, ging auf die Debatte ein: „Die Verbraucher haben die Qualität von Lebensmitteln in der Hand. Für etwas mehr Geld bekommt man noch bessere Lebensmittelqualität. Diese guten Vorsätze hören jedoch vor dem Supermarktregal häufig auf.
Mittlerweile leben mehr als sieben Milliarden Menschen auf der Erde - 2050 werden es voraussichtlich mehr als neun Milliarden sein. Angesichts einer rapide wachsenden Weltbevölkerung ist die Sicherung der weltweiten Ernährung eine der größten Herausforderungen, der wir uns gemeinsam zu stellen haben.
Im großen Stil Lebensmittel für Energiepflanzen anzubauen, trägt nicht  zur Bekämpfung von Hunger in der Welt bei.
Einer Studie des von-Thünen-Instituts, Braunschweig, zufolge befinden sich auf etwa 18 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen in Deutschland Energiepflanzen. Dies entspricht gerade einmal einer Deckung von zwei bis drei Prozent des Eigenbedarfs. Im Umkehrschluss heißt das: Bei Anbau von 100 Prozent Energiepflanzen in Deutschland würden nur maximal 15 Prozent des Eigenbedarfs gedeckt!
Deshalb brauchen wir eine ehrliche Diskussion um Chancen und Problemlagen. Sinnvoller erscheint es, aus  Reststoffen Energie zu produzieren. Ein weiteres Problem sind  Bodenverkäufe an externe Investoren. Auch starke Förderung von Bioenergie hat gerade in den Zeiten der Finanz- und Wirtschaftskrise außerlandwirtschaftliche Investoren angelockt. Daraus resultierten - wenn auch regional differenziert - Auswirkungen auf Bodenpreise.
Sachsen-Anhalt hat zur Bodenpreisentwicklung eine Arbeitsgruppe eingesetzt - u. a. mit der Aufgabe, die rechtlichen Rahmenbedingungen zu überprüfen.“