11. Mai 2016
Neue Gründerzeit einläuten
Gastkommentar von Prof. Dr. Kurt J. Lauk im Handelsblatt

Unternehmensgründungen zählen zu den Wachstumsmotoren einer Volkswirtschaft. Umso kritischer ist, dass Deutschland nach ersten Schätzungen auch 2015 - wie schon in den drei Jahren zuvor - einen negativen Gründungssaldo aufweist. Hierzulande stehen 300 000 Existenzgründungen rund 323 000 Insolvenzen gegenüber.

 

Dies ist eine fatale Entwicklung. Die Länder, die konsequent die Innovationskraft von Start-ups fördern, sichern auch für kommende Generationen Wertschöpfung und Arbeitsplätze. In Deutschland wird Berlin oft als Vorzeigebeispiel und Hotspot für die deutsche IT-Gründerkultur hervorgehoben. Leider legt ein Blick über Deutschlands Grenzen hinaus die Schwächen unseres Standorts für Gründungen schonungslos offen.

 

Die meisten Start-ups in Deutschland entstehen in der IT-Branche. Für diese digitalen Geschäftsmodelle, wie beispielsweise Softwareentwicklungen und - dienstleistungen bei externen Dienstleistern und E-Commerce, ist die Versorgung mit schnellem Internet existenziell. Nur so können Firmen ihre Services überhaupt anbieten. Zwar sind 70 Prozent der Haushalte und Unternehmen in Deutschland an eine Versorgung mit mehr als 50 Mbit sangeschlossen. Betrachtet man jedoch die tatsächlichen durchschnittlichen Internetgeschwindigkeiten weltweit, liegt Deutschland nur bei 11,5 Mbit s.

 

Damit hinkt man immer noch anderen Ländern Europas hinterher. So liegt etwa in Schweden die durchschnittliche Geschwindigkeit bei 17,4 Mbit sund in Norwegen bei 16,4 Mbit s. Auch die USA liegen mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 12,6 Mbit snoch vor uns. Dies zeigt, dass die Bundesregierung ihre Hausaufgaben nicht ordentlich macht. Sie legt jungen, innovativen Unternehmern unnötig Steine in den Weg. Nicht nur die Breitbandraten, auch der Umgang mit Venture Capital in Deutschland verdeutlicht diese nicht zufriedenstellende Lage. Hierzulande wird sehr viel weniger Risikokapital zur Finanzierung von Gründungen bereitgestellt als in den USA. Im Jahr 2015 lagen die Wagniskapital-Finanzierungen in Deutschland gerade einmal bei 3,1 Milliarden Euro, hingegen in den USA bei rund 53 Milliarden Euro.

 

Das BIP der USA ist 4,9-mal so groß wie das Deutschlands, während das Investitionsvolumen an Venture Capital in den USA 17-mal so hoch ist wie bei uns. Bei dieser offenkundigen Diskrepanz kann es kaum verwundern, dass die Start-up-Kultur in Deutschland nach wie vor ein stiefmütterliches Dasein fristet.

 

Start-ups profitieren von einer engen Verzahnung von Universitäten sowie Forschungseinrichtungen und Unternehmen. In diesem Umfeld - wie es das Silicon Valley in den USA mit der Stanford University vormacht - können gemeinsame unternehmerische Projekte nahezu spielerisch entstehen. Auf solch einem Humus gedeihen Start-ups fast wie von selbst.

 

Wenn die Bundesregierung eine neue Gründerzeit einläuten will, muss sie für international konkurrenzfähige Rahmenbedingungen sorgen. Die Lücke bei Wachstumsfinanzierungen gehört endlich geschlossen. Das Problem ist lange erkannt und sogar in den jüngsten Koalitionsvertrag eingeflossen: Das angekündigte Wagniskapitalgesetz muss unbedingt noch innerhalb dieser Legislaturperiode verabschiedet werden.

Die Regierung darf sich nicht allein auf die Errichtung und Erweiterung staatlich gelenkter Förderinstrumente wie dem High-Tech-Gründerfonds beschränken. Gleichzeitig sollte als weitere Finanzierungsmöglichkeit ein eigenes Technologiesegment an der Börse eingerichtet werden, damit Gründer auch attraktive Exit-Möglichkeiten haben.

 

Die flächendeckende Versorgung mit einer leistungsfähigen digitalen Infrastruktur mittelfristig auf 100 Mbit sund auf lange Sicht mit Gigabitanschlüssen ist ein absolutes Muss. Wenn wir diese elementare Grundlage nicht schaffen, werden die Datenmengen durch Anwendungen von Big Data, künstlicher Intelligenz und virtueller Realität nicht zu bewältigen sein.

 

Mit der Bündelung dieser Maßnahmen kann ein gut funktionierendes Ökosystem entstehen, in dem sich Start-ups entwickeln und groß werden können. Sie sind für unsere Volkswirtschaft die entscheidenden Treiber von Innovationen und Wachstum und sichern damit die Zukunft unseres wirtschaftlichen Wohlstands.

 

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