08. Januar 2014
Traditioneller Neujahrsempfang im Swissôtel
Rainer Wieland, Vizepräsident des EU-Parlaments, spricht sich in Bremen für ein gelebtes Europa aus
Rainer Wieland begeisterte zahlreiche Mitglieder und Freunde des Wirtschaftsrates mit seinen Ausführungen über die Stärken und Entwicklungsperspektiven der Europäischen Union. Insbesondere der Deutsche Mittelsand im Fokus der Veranstaltung.

Über 180 Mitglieder und Gäste trafen sich zum traditionellen Neujahrsempfang des Wirtschaftsrates Bremen im Swissôtel. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand der Europaabgeordnete und Vizepräsident des Europäischen Parlaments, Rainer Wieland. Zum Auftakt beschrieb Wieland eindrücklich die Neugier vieler europäischer Länder auf Deutschlands Erfolgsfaktoren, die ausschlaggebend dafür sind, dass Deutschland gestärkt aus der Krise hervorging. Als „Exportschlager“ insbesondere in südeuropäische Mitgliedsstaaten gelten das duale Ausbildungssystem und die kommunale Selbstverwaltung. Weitgehend unbekannt sei aus seiner Sicht die Natur des deutschen Mittelstands: „Die horizontale und vertikale Vernetzung deutscher Unternehmen untereinander ist ein eigener Wert, den es in Europa zu vermitteln gilt.“ Wieland wandte sich mit der Bitte an die Unternehmer im Saal, junge Abgeordnete in ihre Betriebe einzuladen und ihnen zu zeigen, was der Mittelstand für die deutsche Wirtschaft bedeutet.

Wieland begrüßte, dass der Wirtschaftsrat das Jahr 2014 mit dem Thema Europa beginnt. In der Haltung zu Europa hätten die Deutschen zwar das Vorkrisenniveau erreicht, verharrten jedoch immer noch in der leicht wiederlegbaren Grundhaltung eines Helmut Schmidt, der einst sagte, Deutschland sei der „Zahlmeister Europas“. Wieland wies zurecht darauf hin, dass Deutschland in politischer, ökonomischer, gesellschaftlicher und historischer Sicht der Hauptgewinner der europäischen Einheit sei. Daher sei es unsere Hauptaufgabe, ein europäisches Bewusstsein zu schaffen und uns für Europa auszusprechen.

Als Gründe für die negative Haltung der Deutschen führt Wieland vor allem Vorurteile und Unkenntnis über rechtliche und politische Rahmenbedingungen an. Anzuführen sei beispielsweise der angebliche Bürokratismus aus Brüssel, der eher im deutschen Rechtssystem und in der deutschen Verwaltung zu finden sei. Auch sei es eine Mär, dass Deutschland der Hauptbeitragszahler sei. Tatsache sei, dass Deutschland nicht zu den Pro-Kopf Spitzeneinzahlern zähle. Diese Positionen nehmen Schweden und Luxemburg ein. Schließlich sei es ein Irrglaube anzunehmen, dass der Konsolidierungskurs in den südeuropäischen Mitgliedsstaaten innerhalb eines Jahres zu großen Erfolgen führen müsste. Das Motto „Solidarität gegen Solidität“, habe zu Reformanstrengungen und zu neuen Impulsen in den Defizitländern geführt, die die Bedingungen stetig verbesserten, so Wieland.

Wieland appellierte, dass wir Europäer an uns selbst glauben müssen, um uns gegen globale Widerstände durchsetzen zu können. Nur wenn es gelinge, weltweit europäische Standards zu etablieren, sei es möglich, auch international mitzugestalten. Andernfalls werde Europa, werde Deutschland zum Spielball der neuen wirtschaftlichen Großmächte.

Abschließend fand Wieland deutliche Worte zum Jahr 2014, in dem sich der Erste Weltkrieg zum 100. Mal jährt. „Am 08.01.1914 waren es weniger als 300 Tage zum Krieg“. Vor diesem Hintergrund befinde sich das moderne Europa mit seiner fast 70-jährigen Friedensphase in einer absoluten Ausnahmesituation, die keine Selbstverständlichkeit sei. Die deutsch-französische Versöhnung zeige aber auch, dass historische Schrecken überwunden und aus Gegnern Partner werden können. Mit diesem Bild vor Augen, sollte jeder europäische Bürger an seinem Platz und mit seinen Möglichkeiten für die Union werben und die Gemeinschaft weiterentwickeln.

 

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