14. Februar 2013
Erfahrungen mit der Nordwestlandebahn am Frankfurter Flughafen
Meinungsaustausch mit Volker Zintel
Zum Wirtschaftsrats-Lunch in Mainz begrüßte Dr. Stephan Kern, Sprecher der Sektion Mainz/Rheinhessen, den früheren Generalbevollmächtigten der Fraport AG, Volker Zintel, zu einem Erfahrungsaustausch über die Inbetriebnahme der neuen Nordwestlandebahn am Frankfurter Flughafen.
Volker Zintel beim Wirtschaftsrat in Mainz (Foto: Wirtschaftsrat)

Zintel machte in seiner Präsentation deutlich, dass die Rhein-Main-Region, zu der auch Mainz und Rheinhessen gehöre, Vor- und Nachteile in Bezug auf den Flughafen in Kauf zu nehmen habe. Meistens sei es die persönliche Betroffenheit, die Fluglärmgegner oder Befürworter der Nordwestlandebahn mobilisiere.


Nach der Inbetriebnahme der Startbahn West 1984, so Zintel, habe die Fraport sich eine Denk- und Planungspause auferlegt und auch unter der Regierung Eichel jegliche weiteren Pläne zur Erweiterung des Flughafens ad acta gelegt.

 

1997 habe Jürgen Weber, damaliger Chef der Lufthansa, eine Flughafenerweiterung gefordert. Ministerpräsident Eichel habe ein Meditationsverfahren initiiert, in dem der Versuch einer objektiven Meinungsfindung verfahrensmäßig geregelt worden sei. Nach dem Regierungswechsel hielt Roland Koch an diesem Vorgehen fest. Dabei wurde die Entscheidung für die Nordwestlandebahn getroffen, weil hier die Höchstlärmbelastung nicht so viele Menschen betreffe, wie bei den anderen Ausbau-Alternativen.

 

Auch auf Druck der Regierung Koch habe die Fraport zugestimmt, keine Flüge zwischen 23.00 Uhr und 05.00 Uhr durchzuführen. Erst durch den Planfeststellungsbeschluss vom 18.12.2007 seien 17 Flüge in der Nacht erlaubt worden. Grundlage für den Ausbau sei letztlich die seit 2005 zu verzeichnenden Kapazitätsengpässe am Frankfurter Flughafen gewesen. Daran habe sich, so Zintel, bis zum heutigen Tage nichts geändert. 


Mittlerweile sei es in Deutschland nahezu unmöglich, Großprojekte dieser Art zu verwirklichen. Zintel und Anwesende im Auditorium übten dabei massive Kritik an der Wohlfühlgesellschaft in Deutschland, in der es nicht mehr möglich sei, Änderungen des Status quo vorzunehmen.


Abschließend stellte Zintel fest, dass die Anzahl der Flugbewegungen von 2011 zu 2012 abgenommen habe, die Gesamtlärmbelastung durch die Erweiterung des Flughafens somit nicht gesteigert worden ist und durch die Nordwestlandebahn lediglich eine Verlagerung des Lärms um 1,3 Kilometer nach Norden erfolgt sei. Dabei müsse man beachten, dass Regionen und Stadtteile, die seither stark belastet waren, eins zu eins entlastet wurden, während andere Bereiche, die bisher nicht durch Fluglärm in Mitleidenschaft gezogen worden seien, nunmehr teils stark belastet würden. Zintel betonte ausdrücklich, dass man für diese neu belasteten Bürger unmittelbar unter der Anfluggrundlinie durchaus Verständnis aufbringen müsse. Dies gelte nicht für die weiter entfernt liegenden Bereiche, so dass der Mobilisierungsgrad insgesamt schon überrasche und durch objektive Bewertung in weiten Teilen nicht nachvollziehbar sei.