20. November 2017
NRW muss wieder Spitzenreiter werden!
Über 500 Unternehmer beim Wirtschaftstag Nordrhein-Westfalen
NRW-Finanzminister Lutz Lienenkämper MdL (Foto: Wirtschaftsrat)

Ganz im Zeichen des Aufbruchs in Nordrhein-Westfalen und der Chancen der Digitalisierung stand der Wirtschaftstag 2017 des Landesverbandes Nordrhein-Westfalen des Wirtschaftsrates der CDU e.V., der am 20. November 2017 bei der DZ-Bank in Düsseldorf stattfand. Mit Lutz Lienenkämper und Andreas Pinkwart umrissen gleich zwei Landesminister die Agenda der schwarz-gelben Regierung in NRW. Ebenso prominent und hochkarätig besetzt war die Expertendiskussion zum Thema Digitalisierung, etwa mit Arndt Kirchhoff, Präsident von Unternehmer nrw. Friedrich Merz, Vorsitzender der Atlantik-Brücke e.V., sprach zum Abschluss über das Thema USA und Europa. Paul Bauwens-Adenauer begrüßte als Landesvorsitzender des Wirtschaftsrates Nordrhein-Westfalen über 500 Gäste in den Räumen der DZ-Bank, und dankte Uwe Berghaus, Vorstandsmitglied der DZ Bank, für die erneute gute Gastfreundschaft.

 

Für aktuellen Gesprächsstoff sorgte natürlich das Scheitern der Jamaika-Sondierungen in Berlin.  NRW-Finanzminister Lutz Lienenkämper etwa bedauerte das Scheitern der Gespräche, lenkte den Fokus aber vor allem auf die Entwicklungen im eigenen Land nach der gewonnenen Landtagswahl.  Der Kurs der nächsten Jahre ist klar: „Wir wollen Aufbruch und nicht Stillstand“, so Lienenkämper, „es geht darum, für NRW den Aufstieg zu schaffen.“ Im Zentrum steht das Entfesselungsgesetz, das bürokratische Hemmschuhe beseitigen und für Dynamik sorgen soll. Diese soll sich auch in der Infrastruktur entfalten, etwa beim forcierten Ausbau des Breitbandnetzes. Den Auftakt für das „Gigabit-Land NRW“ (Lienenkämper) macht Ostwestfalen-Lippe als Modellregion. Den staugeplagten Nutzern des Straßennetzes in Nordrhein-Westfalen versprach Lienenkämper ein optimiertes Baustellenmanagement, eine zukunftsorientierte Planung von Projekten („damit wir bereit sind, wenn es Geld aus Berlin gibt“) und die Sanierung von Landesstraßen. Das alles im Übrigen ohne neue Schulden: Der aktuelle NRW-Haushalt ist der erste seit 1973, der ohne neue Kredite auskommt, wie der Finanzminister stolz vermerkte. Das soll so bleiben: „Sparsames Wirtschaften ist die DNA dieser Landesregierung.“

Impressionen vom Wirtschaftstag NRW
Karl-Erivan Haub, persönlich haftender Gesellschafter, Tengelmann-Gruppe, Dr. Martin Hölz, Group Processes & Information Technology (GPI) und Chief Information Officer (CIO), thyssenkrupp AG, Dr. iur. Severin Löffler, Mitglied der Geschäftsführung, Microsoft Europe, Dr. Martin Kessler, Leitender Redakteur "Politik", Rheinische Post, Prof. Dr. Andreas Pinkwart, Minister für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen, Arndt G. Kirchhoff, Präsident, Unternehmer nrw, Carl Martin Welcker, Präsident VDMA, Geschäftsführer, Alfred H. Schütte GmbH & Co. KG (Foto: Wirtschaftsrat)
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Landeswirtschaftsminister Andreas Pinkwart setzt ebenfalls auf die Digitalisierung als Dynamikfaktor. Besonders die Vernetzung von Hochschulen und Wirtschaft sowie das Stärken der Start-up-Szene sind Dinge, die dem Minister am Herzen liegen. „Wir haben einen Rückstand von mehreren Jahren, aber wir kommen jetzt wieder.“ Pinkwart berichtete von Start-ups, die dank guter Rahmenbedingungen von Berlin zurück nach Nordrhein-Westfalen gekommen sind.

 

Eine Entwicklung, die von Arndt Kirchhoff ausdrücklich begrüßt wurde. Der Präsident von Unternehmer nrw hielt, neben Minister Pinkwart, den zweiten Impulsvortrag als Einstieg in das  Thema „Nordrhein-Westfalens Wirtschaft wird digital“. Für Kirchhoff ist Nordrhein-Westfalen, wegen seines starken Mittelstandes, ideal für den raschen Ausbau der digitalen Infrastruktur. „Wenn wir die Ärmel aufkrempeln, dann schaffen wir das“, so Kirchhoff, „NRW hat riesige Potenziale.“

 

Diese Position vertrat Kirchhoff, geschäftsführender Gesellschafter der Kirchhoff Gruppe, auch bei der anschließenden Expertendiskussion, die von Dr. Martin Kessler, leitender Redakteur der Rheinischen Post, moderiert wurde.  Mit Entschiedenheit wies Kirchhoff die Meinung zurück, die deutsche Industrie habe die Entwicklung in der Mobilität verpasst. „Wir schlafen da überhaupt nicht, sondern wir sind in Vorlage gegangen. 50 Prozent der Patente im Bereich autonomes Fahren kommen aus Deutschland.“ Carl Martin Welcker, Präsident des VDMA, unterstützte Kirchhoff. Welcker: „Wir sind sehr weit vorne in der industriellen Digitalisierung.“ Allerdings sieht auch Welcker große Hindernisse für unternehmerisches Handeln durch eine überbordende Bürokratie, etwa im Bereich der Elektromobilität. „Wir verhaken uns schon wieder in tausend kleinen Vorschriften, anstatt vernünftige marktwirtschaftliche Rahmenbedingungen zu schaffen.“

 

Dr. Martin Hölz, Chief Information Officer der thyssenkrupp AG, bestätigte die Rolle der Digitalisierung: „Das ist eine Kernkompetenz im Anlagenbau, die immer wichtiger wird. Diese Kompetenz werden wir weiter ausbauen.“ Karl-Erivan W. Haub, geschäftsführender Gesellschafter der Unternehmensgruppe Tengelmann, und Dr. Severin Löffler, Mitglied der Geschäftsführung Microsoft Eastern Europe, berichteten über flexible Arbeitszeitmodelle und neue Organisationsformen der Arbeit in den Unternehmen im Zuge der Digitalisierung. 

 

Den Schlusspunkt setzte Friedrich Merz. Seine Ausführungen zum Thema „USA-Europa: Quo vadis?“ wurden immer wieder vom Applaus der über 500 Zuhörer begleitet. Merz spannte einen weiten Bogen von der aktuellen Außenpolitik der USA („eine historische Zäsur“) bis zur politischen Situation in Deutschland, die von der nachlassenden Bindungskraft der Volksparteien und dem Zustrom von Flüchtlingen im Jahr 2015 gekennzeichnet ist. „Wir müssen uns fragen: Wie gestalten wir Integration und Einwanderung? Was ist der innere Zusammenhalt der Gesellschaft?“ Merz forderte nachdrücklich ein Einwanderungsgesetz, um die Einwanderung zu steuern. Im Übrigen brauche das Land die Bereitschaft, mehr politischen Streit auszuhalten und eine breite gesellschaftspolitische Diskussion. Friedrich Merz forderte seine Zuhörer auf, ihre Stimme deutlich zu machen: „Nehmen sie aktiv daran teil.“