15. April 2020
Offener Brief an von Bischof Bedford-Strohm
von Präsidentin Astrid Hamker

Sehr geehrter Herr Bischof Bedford-Strohm,


offensichtlich verstehe ich die österliche Botschaft anders als Sie. Da wird von Ihnen in schwerster Zeit - wieder einmal - Ihr wichtiges Amt statt zur Ermutigung für politische Botschaften missbraucht. Ermutigt werden müssen jetzt auch Unternehmer, die für ihre Betriebe und Arbeitsplätze kämpfen, indem sie Eigenkapital einsetzen und vielfach aus privaten Rücklagen zuschießen müssen. 


Sie propagieren eine höhere Besteuerung. In der Einkommensteuer tragen die höheren Einkommen plus Solidaritätszuschlag, der für sie bekanntlich als neue "Mittelstandsteuer" fortgeführt werden soll, ohnehin eine im internationalen Vergleich hohe Last. Nachdem Sie die Vermögensbesteuerung nicht ausschließen wollen, nur das dazu: Mit einer solchen Steuer würde der Staat Unternehmen ihre Substanz entziehen, die sie gerade für Krisensituationen brauchen. Schon aus der Finanzkrise sind wir Deutschen wegen unserer gesunden Substanz in Familienunternehmen so gut herausgekommen. Dies würde nachhaltig gefährdet. 
Sozial ist, was Arbeit schafft - oder gerade erhält! Das müsste doch das Gebot der Stunde sein.

 

Ein Großteil der Arbeitsplätze in unserem Land werden von den vielen kleinen und mittelständischen Familienunternehmen geschaffen und erhalten. Familienunternehmen, bei denen die Unternehmer ihre eigenen Interessen vielfach hinten anstellen und sich stattdessen um das Wohl ihrer Mitarbeiter, die erfolgreiche Zukunft des Unternehmens (über Generationen) und auch um das Gemeinwohl (Mäzenatentum) unseres Landes kümmern, für das sie sich verpflichtet fühlen.


Warum steht denn unser schönes Land gerade besser da als viele unserer europäischen Nachbarn? Wegen unseres Mittelstandes und der Sozialen Marktwirtschaft. Die vielen KMU sind ebenso unverschuldet in diese Krise gekommen wie unsere Mitarbeiter, welche um ihre Arbeitsplätze fürchten müssen. Wie kann man jetzt auf die Idee kommen, die einen nun „zu bestrafen“, die doch eh schon mit den hohem Steuern einen überproportionalen Beitrag leisten?
Ein bisschen mehr wirtschaftliches Wissen über unser Land erwarte ich auch von führenden Kirchenvertretern. Zudem dürften Sie medienerfahren genug sein, um zu wissen, dass Ihre politischen Einlassungen die christliche Osterbotschaft aus Ihrem Interview überlagern würde. Ein Armutszeugnis, Herr Bischof!

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