25. November 2014
Podiumsdiskussion zum Breitbandausbau im Hause FTCap GmbH in Husum
Offensive Glasfaserausbau - Spitzenposition ausbauen!
Das Land Schleswig-Holstein setzt auf Glasfaser und hat mit einer Anschlußquote von 26 Prozent bundesweit eine Spitzenposition übernommen. Der Werteverfall für touristische und gewerbliche Immobilien ohne Breibandversorgung ist allerdings schon in vollem Gange. Die Sektion Nordfriesland hat daher zu einer Podiumsdiskussion in die Räume des Kondensatorenherstellers FTCap in Husum geladen, um die Möglichkeiten eines beschleunigten Ausbaus zu prüfen.
v.l. Thomas Heinrich, Dr. Thomas Ebel, Moderator Dr. Martin Grundmann, Rainer Helle, Stefan Brumm und Herbert Lorenzen / Foto: Wirtschaftsrat

Rainer Helle, Referatsleiter Telekommunikation im Ministerium für Wirtschaft und Technologie des Landes, kündigte verstärkte Anstrengungen der Landesregierung an. Man habe das Breitbandkompetenzzentrum von 3 auf 6 Personen aufgestockt und auch das Engagement der Investitionsbank Schleswig-Holstein weiter gestärkt. Für die Jahre 2014-2020 stünden insgesamt 50 Millionen Euro zur Verfügung, die im Laufe des Jahres durch Programmhilfen für Gewerbegebiete und ein „Lückenschlußkonzept“ für fortgesetzten Anschub sorgen sollen. Die insgesamt noch notwendigen Ausbauinvestitionen zur Verwirklichung der ausgerufenen Strategie 2030 schätzt man im Ministerium allerdings auf 2 bis 3 Milliarden Euro.

 

Da heißt es, die Wirtschaft und die Bürger mit ins Boot zu holen. Nordfriesland ist dabei Vorreiter mit zwei  privaten Breitbandnetzgesellschaften, die mit Unterstützung der Windmüller für den Glasfaserausbau werben. Allerdings gelte es, hohe Investitionen mit langen Amortisationszeiten zu finanzieren. „Die Banken stehen nicht Schlange, um den Ausbau zu finanzieren“, erklärte Stefan Brumm als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Breitbandbetz GmbH & Co. KG, die 60.000 Bürger in 20.000 Haushalten im Norden von Nordfriesland anschließen möchte, wovon 3.500 bereits angeschlossen und 4.000 technisch vorbereitet seien.

 

Die hochengagierte VR-Bank Niebüll habe zwar die erste Tranche begleitet, stößt aber bei der zweiten jetzt an ihre Grenzen. Olaf Tölke und Maik Tschirner von der Investitionsbank berichten, daß man als Förderinstitut maximal 50 Prozent der Finanzierung übernehmen dürfe. Für eine Beteiligung privater Fonds fehle bei den Versicherungsunternehmen die Risikolosigkeit, während Risikogeldgeber Renditen im zweistelligen Bereich erwarten würden, was an den langen Amortisationszeiten scheitere. Bürgschaften verteuerten das Finanzierungsprodukt, ohne dabei das eigentliche Problem zu lösen. Die Bürger-Breitbandnetz Gesellschaft, so der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Herbert Lorenzen, verfüge bereits über 1.000 Gesellschafter, die Kommanditanteile ab 100 Euro gezeichnet hätten. Gekoppelt seien die Anteile mit einem Darlehensbetrag. Wenn die Finanzierung stimme, laufe es gut: Beide Gesellschaften hätten für ihre Zielregionen bisher erst Anschlußquoten von etwa 20 Prozent verwirklicht.

Thomas Heinrich, Projektmanager Deutschland der Ferienhausvermietungsfirma Novasol, machte deutlich: „Ohne Breitbandversorgung werden wir in Zukunft nichts mehr vermieten können.“ Schon heute würde die Frage nach guter Vernetzung an vorderer Stelle der Anforderungen an eine Ferienunterkunft stehen. Die Mieter seien anspruchsvoll. Wenn die Häuser nicht ihren Ansprüchen genügten, würden sie sich andere Ziele suchen. 5.000 Euro wären Investoren in Ferienhausdörfer pro Haus bereit zu investieren. Brumm schätzt die Anschlußkosten an eine Glasfasernetz auf 3.200 bis 3.300 Euro, wofür aber das Solidaritätsprinzip in einer Gemeinde gelten müsse.

 

Das Pilotprojekt Löwenstedt sei inzwischen zu 94 Prozent, die Gemeinde Sollwitt sogar zu 100 Prozent angeschlossen. 68 Prozent Anschlußquote seien notwendig für einen Baubeginn. Dr. Thomas Ebel machte für das gastgebende Industrieunternehmen FTCap GmbH deutlich, daß man schon jetzt an Wettbewerbsfähigkeit verliere, weil Home-Jobs, Videokonferenzen, 3 D Skizzen und die Außendienststeuerung nur noch unter Einschränkungen übertragbar seien. Warum aber hat sich FTCap noch nicht angeschlossen? Dafür bräuchte man einen Konsens im Industriegebiet Husum, wo Filial- und Handwerksbetriebe aber keine Investitionsbereit-schaft zeigten.

 

Noch stehe die Null, stellt Lorenzen bedauernd zum Industriegebiet Husum fest. Insgesamt plant seine Gesellschaft, 26.000 Haushalte und 2.800 Gewerbebetriebe an das Glasfasernetz anzuschließen, wofür Mittel in einer Höhe von 70 Millionen Euro finanziert werden müßten. Peter Jochimsen, Betreiber einer Reha-Klinik in St. Peter-Ording, merkt dazu an: „Glasfaser gehört doch schon jetzt zur Daseinsvorsorge. Ohne entsprechende Datenversorgung werde ich mich für meine Erweiterungs- und Neuplanungen woanders umschauen.“

Eines ist am Ende klar: Ohne zusätzliche Investitionen von Bürgern und Wirtschaft wird es nicht ausreichend schnell vorangehen. Die Strategie des Landes sollte nicht auf das Jahr 2030, sondern darauf zielen, den Vorsprung bei der Glasfaser im Wettbewerb der Bundesländer an der Spitze weiter auszubauen. Industriegebiete und touristische Regionen, die im Jahr 2020 keine ausreichende Breitbandversorgung vorweisen können, werden massiv entwertet sein. Das sei auch eine Frage der Aufklärung, so Brumm. Das Ministerium, so Helle, arbeite deshalb zurzeit an einer Aufklärungsstrategie. / kp und bz