04. November 2015
Pflege - quo vadis?
Landesfachkommission Gesundheitswirtschaft diskutiert zum Thema „Pflegedokumentation und eHealth - eine Chance zur Verbesserung der Pflegesituation in Deutschland“
„Pfleger haben keine erotische Beziehung zu Akten!“, begrüßte Karl-Josef Laumann, Staatssekretär und Beauftragter der Bundesregierung für Patientenbelange, die Landesfachkommission Gesundheitswirtschaft. Auf der jüngsten Tagung im Innovationsforum der CompuGroup Medical AG machte er sich erneut für eine neue, einfachere Pflegedokumentation stark.

Im Juli 2014 wurde in Berlin ein neues Pflegesystem vorgestellt, welche Pfleger bei der Pflegedokumentation entlasten soll. Rund ein Drittel der Pflegeverbände sind bereits auf das neue System umgestiegen. Es ist effizienter und schafft Pflegern wieder mehr Zeit für die Patienten. „Eine gängige Pflegedokumentation beinhaltet häufig 22 Seiten und mehr – das ist nicht mehr zeitgemäß.“, bekräftigte Laumann und appellierte an alle Pflegeverbände den Wechsel auf das neue System zu vollziehen.


Daneben wurde der Mangel an Pflegekräften in Deutschland thematisiert: Allein in der Altenpflege kommen jährlich 20.000 Pflegebedürftige hinzu. Eine faire Bezahlung und die Einhaltung von Tarifverträgen sind daher unabdingbar. Ebenso wichtig ist eine generalistische Pflegeausbildung, die auf Aufgaben in Pflegeheimen und Krankenhäusern gleichermaßen vorbereitet. 


Begriff der Pflegebedürftigkeit neu überdenken
Strukturelle Veränderung verlangt, so Laumann,  auch die Einstufung der Pflegebedürftigkeit: Sie darf sich nicht mehr an Defiziten orientieren und sich aus der Minutenpflege errechnen. Vielmehr muss bei der Beurteilung berücksichtigt werden, was der Patient noch leisten kann. Entscheidend ist  die Eingruppierung der Pflegebedürftigen in Pflegestufen: Um Menschen der höheren Pflegestufen einen Platz in der Heimunterbringung zu ermöglichen, sollen Bedürftige der unteren Pflegestufen nach Möglichkeit zu Hause und in ihrer gewohnten Lebensumgebung betreut werden können. Dazu sieht Laumann Verbesserungsbedarf bei der Antragstellung auf medizinische Rehabilitation. Es ist eine grundsätzliche Aufgabe, durch verbesserte Reha-Maßnahmen Gebrechlichkeit hinauszuzögern. Dazu müssen Rehabilitationsorte möglichst lokal angesiedelt sein. So können Patienten bei der Bewältigung ihres Alltags zu Hause am besten unterstützt werden. 

 

Patienten digital in die Behandlung einbeziehen
Neben diesen Rahmenbedingungen wurden die Vorteile einer digitalisierten Pflegedokumentation erläutert: Vor allem im Medikationsmanagement sind noch große Potentiale durch Digitalisierung ungenutzt. Sie muss vor allem in der langzeitstationären Pflege stärker Einzug halten. Einheitliche und vollständige Patientendaten vereinfachen die Zusammenarbeit von Ärzten, Apotheken und Pflegepersonal. Die Therapie wird durch Vernetzung aller Beteiligten sicherer und Rückfragen per Fax und Telefon überflüssig, beweist z.B. das System „MediPlanOnline“ von CGM Systema. 

In diesem Zusammenhang plädierte Thomas Kirpal, Pflegewissenschaftler, Fachkrankenpfleger für Psychiatrie und Produktmanager bei CGM Systema für die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte im Zuge der Telematik-Infrastruktur: Patienten und deren Angehörige müssen aktiv in ihren Behandlungsprozess einbezogen werden. Über einen eigenen Online-Zugang zu ihren ganzheitlichen medizinischen Daten seien viele sinnvolle Funktionen denkbar. 

Kontakt
Joachim Prümm
Landesgeschäftsführer
Wirtschaftsrat der CDU e.V.
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