03. Juli 2018
Podium I: Sicherheit als Wirtschaftsfaktor
Die Moderatorin Petra Justenhoven, Mitglied der Geschäftsführung, PwC GmbH WPG, skizzierte zu Beginn die veränderte Sicherheitslage und die modernen Herausforderungen, die durch die Globalisierung entstehen: „Heute im Rückblick scheint die Finanz- und Bankenkrise wie ein Vorbote gewirkt zu haben, auf eine neue, weltumfassend veränderte unsichere Lage, zu der die Digitalisierung auch einen Beitrag zu leisten scheint. Wir lernen Begriffe kennen wie „Fake News“, „Cyber Attacke“, „Cyber War“. Der allein in Deutschland verursachte Schaden der Cyber-Angriffe wird auf über fünfzig Milliarden Euro jährlich beziffert. Unsere Sicherheitspolitik wird digitaler. Kriege werden längst digital geführt. Wirtschaftskrisen, Bürgerkriege und Handelskriege finden nicht mehr in fernen Ländern statt. Ihre Auswirkungen spüren wir hier bei uns direkt vor unseren Haustüren.“

Freihandel und Demokratie als entscheidende Regelsysteme in einer unsicheren Weltlage


Michael Theurer MdB, stellvertretender Vorsitzender FDP-Bundestagsfraktion, erinnerte daran, dass nicht allein die USA skeptisch gegenüber dem Freihandel eingestellt seien. Gerade in Deutschland habe die Debatte um TTIP und CETA gezeigt, dass auch diesseits des Atlantiks Vorbehalte herrschen. „Jetzt ist deshalb mehr denn je ein klares Bekenntnis zum Freihandel erforderlich.“

 

Ein Faktor, der dieses Bekenntnis aktuell und vehement in Frage stellt, ist der US-amerikanische Präsident Donald Trump. Friedrich Merz, Vorsitzender der Atlantik-Brücke e.V., resümierte, dass er die Kritik an US-Präsident Donald Trump überwiegend teile. „Aber: Amerika ist immer noch ein Rechtsstaat und eine Demokratie“, so Merz. „Das heißt: Wir Europäer sind – im Gegensatz zu immer mehr anderen Regionen in der Welt – zusammen mit Amerika der Überzeugung, dass politische Macht Begrenzung durch Institutionen braucht. Und das gelingt am besten dann, wenn Regierung, Parlament, Gerichte und Medien bereit sind, sich an Regeln der gegenseitigen Machtbegrenzung zu halten.“



Nachhaltige Verbesserung der Cybersicherheit dringend notwendig


Im Rahmen der Diskussion wurden insbesondere die neuen Herausforderungen der digitalen Welt sowie deren rasante Entwicklung beleuchtet. Esti Peshin, General Manager Cyber Programs bei Israel Aerospace Industries, unterstrich, dass Sicherheitslösungen für den Cyberspace, die heute angemessen erschienen, dies morgen schon oft nicht mehr seien. „Die Bedrohungen verändern sich. Deshalb brauchen wir lernende Systeme, die sich entwickeln.“ Sie empfahl zudem die Entwicklung von ganzheitlichen Ökosystemen zur Verbesserung der Cybersicherheit – beispielsweise wie in Israel – um nachhaltige Lösungen zu gewährleisten.

 

Martin Ruubel, President von Guardtime, bemerkte, dass die größte sicherheitspolitische Herausforderung darin bestehe, die traditionelle Sicherheit mit der Cybersicherheit zu verbinden. „Es ist sehr schwierig, die Paradigmen der traditionellen Sicherheit auf die digitale Welt zu übertragen.“

 

Holger Friedrich, Managing Director bei CORE SE, zeigte sich überzeugt, dass der Wettbewerb der Systeme immer über Effizienz ausgefochten wird. „Aus deutscher und europäischer Perspektive gehen wir jedoch fahrlässig mit unserem Knowhow um. Wir haben alles, was wir brauchen, um erfolgreich zu sein, vor Ort.“ 

 

Dr. Michael Mertin, Vizepräsident des Wirtschaftsrates der CDU e.V., forderte, dass geistige Eigentumsrechte stärker geschützt werden sollten. „Wir müssen begreifen, dass wir heute eine technische Infrastruktur haben, die wir nicht mehr unter unserer eigenen territorialen Hoheit haben. Wir haben weder ein Konzept noch ein Bewusstsein dafür, dass es sich hierbei um existenziell wichtige Güter für unsere Volkswirtschaft handelt.“