12. Juli 2012
„Die Energieversorgung ist derzeit auf Kante genäht“
Rudolf Kastner, Vorstandsvorsitzender der EGT AG, und Helmfried Meinel, Ministerialdirektor im Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft, stimmten hier mit Blick auf den nächsten Winter überein
„Die Energiewende - kaum eine Frage bestimmt die politische Diskussion unserer Gesellschaft derzeit mehr als diese. Wir wollen daher die Politik erreichen, um Sensibilität für die Risiken der derzeitigen Volatilität in der Stromversorgung zu wecken“, leitete Prof. Dr. Frank O. Bayer. Sprecher der Sektion Freiburg-Emmendingen, den Abend "Die Energiewende – Wie bewertet die Industrie Netz-, Versorgungs- und Preissicherheit? im Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE ein.
(Foto: Wirtschaftsrat)

Dr. Andreas Bett, Stellvertretender Institutsleiter, Bereichsleiter Materialien-Solarzellen und Technologie, stellte den Unternehmern und Führungskräften der Region das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE vor. Dr. Christopher Hebling erläuterte die aktuellen technischen Entwicklungen im Bereich der Elektromobilität und präsentierte die solare Wasserstofftankstelle des ISE, um die Führung durch das Haus mit einer exklusiven Probefahrt in einer Mercedes-Benz B-Klasse F-Cell mit Wasserstoffantrieb abzurunden.

 

In der anschließenden Podiumsdiskussion diskutierten das Thema Helmfried Meinel, Ministerialdirektor im Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg; Rudolf Kastner, Vorstandsvorsitzender der EGT AG und Vorstandsmitglied des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft sowie Präsident des Verbandes der Energie- und Wasserwirtschaft Baden-Württemberg e.V. (VfEW) als Vertreter der Energiewirtschaft; Peter Räcker, Geschäftsführer der Bilcare Research GmbH als Vertreter der energieintensiven Industrie sowie Dr. Andreas Bett, Stellvertretender Institutsleiter, Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE unter Moderation von Dr. Eckart Wetzel, Office Managing Partner, Ernst & Young Wirtschaftsprüfungsgesellschaft.

v.l.n.r. Prof. Dr. Frank O. Bayer im Gespräch mit Dr. Eckart Wetzel, Dr. Andreas Bett und Ministerialdirektor Helmfried Meinel (Foto: Wirtschaftsrat)

„Revolutionen sind nicht planbar“ leitete Moderator Dr. Eckart Wetzel die Diskussion ein:

 

Rudolf Kastner erläuterte, dass nach Abschaltung von acht Atomkraftwerken in Süddeutschland rund 5.000 Megawatt an Stomleistung fehlten. Aufgrund dieses Engpasses in der Kraftwerksleistung „ist die Energieversorgung derzeit auf Kante genäht, insbesondere im Blick auf den nächsten Winter“. Er mahnte den umgehenden Ausbau der Netze, insbesondere der Nord-Süd-Verbindungen an und zeigte auf, dass Deutschland zur Zeit vom europäischen Netz lebe. „Die nächsten zwei Jahre bringen die größten Herausforderungen für die Bundesregierung mit sich. Sie sind entscheidend für das Gelingen der Energiewende. Wir müssen jetzt die richtigen Weichenstellungen vornehmen.“

 

Ministerialdirektor Helmfried Meinel stimmte Kastner voll zu, was die derzeitige Versorgungssicherheit angeht. Er forderte zu einem neuen Marktdesign im europäischen Verbund auf, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten und mahnte auch mehr Investitionen an: „Wir müssen uns trauen“. Ebenso  stellte er die Verteilung der Kosten der Energiewende zwischen Industrie und Endverbraucher in Frage. Die derzeitige Asymmetrie mache ein neues Marktdesign erforderlich, das auch neue Investitionsentscheidungen und –anreize fördert.

Podiumsdiskussion zum Thema Energiewende (Foto: Wirtschaftsrat)

Peter Räcker machte dazu sehr deutlich, wie sehr der Standort Deutschland von einer gesicherten und vor allem bezahlbaren Energieversorgung lebe. Es drohe sonst die Gefahr, dass Kapazitäten dorthin gelenkt würden, wo ein sicherer Strombezug gewährleistet sei also Produktionen ins Ausland verlagert würden. „Wir müssen die Rahmenbedingungen schaffen, wie etwa Verfahren beschleunigen, damit nicht neue Techniken erst in drei Jahren realisierbar sind, und erst in fünfzehn Jahren genehmigt werden. Dazu müssen wir die Bürger mitnehmen.“

 

Dr. Andreas Bett zeigte die Möglichkeiten der neuen Techniken auf und appellierte an die Runde, auch die Differenzkosten im Vergleich der bisherigen Techniken mit den erneuerbaren Technologien im Blick zu behalten.

 

Prof. Bayer fasste zusammen: „Wir haben viel gelernt über technische Möglichkeiten, über Chancen und Risiken, über Kosten, über ein mögliches neues Marktdesign, über den europäischen Verbund. Eine Lösung der Energiewende und ein gesamtheitliches Energiekonzept steht indes derzeit noch aus. Wir müssen uns jetzt entscheiden, damit die Energiewende gelingen kann."