10. Februar 2017
Abendveranstaltung des Jungen Wirtschaftsrates mit Frank Pörschmann
Politik 4.0 - Parteien im Technologiewettbewerb
Wie sich der Wahlkampf verändert hat - und verändern könnte - zeitgt ein Blick in die USA. In Sachen Wahlkampf ist nichts mehr so, wie es einmal war.
Frank Pörschmann (5.v.r.) zu Gast beim Jungen Wirtschaftsrat (Foto: Wirtschaftsrat)

Nicht alle Entwicklungen könne man direkt auf Europa übertragen, dennoch erscheine es sinnvoll, sich über die Entwicklungen intelligenter Datenanalysen Gedanken zu machen. Frank Pörschmann, Geschäftsführer der Firma Idigma und Vorstandsmitglied im Verein Digital Analaytics Association in Hamburg, machte das und referierte auf Einladung des Jungen Wirtschaftsrates in der „Villa“ in Kiel im Hause „shisha brand“. „Inwieweit kann man mit Datenanalysen den Wahlkampf unterstützen?“, fragte Pörschmann. Um das feststellen zu können, müßten zunächst und rechtzeitig Datenbanken aufgebaut werden – für den aktuellen Wahlkampf schon zu spät. Gleichwohl scheine es sinnvoll, sofort damit zu beginnen. Warum? „Um bessere Entscheidungen treffen zu können“, so der Fachmann. Denn der Erfolg eines guten Wahlkampfes sei nicht das Ergebnis eines einzelnen Genies, sondern vieler einzelner Fakten, auf denen Entscheidungen getroffen werden könnten. Zwei Bereiche sollten unterschieden werden: Wo bekomme ich die Daten her? (IT, Big Data) Und was sind meine Entscheidungsfaktoren? (Smart Data, Datenwissenschaftler). Obama habe sich in den USA als „Tech-Präsident“ gezeigt: „Er hat die Datenwelt gleichberechtigt als Entscheidungskriterium gelten lassen“, so Pörschmann, und habe bei einem „Unentschieden“ zwischen Datenanalyse und Erfahrungen den Daten den Vorrang eingeräumt. In den Wahlvorhersagen habe sich das bewährt, die Abweichungen hätten gerade einmal 0,5 Prozent betragen. Das Ergebnis: Bauchgefühle erfahrener Wahlkampfmanager seien den neuen Methoden unterlegen.

Nicht vergleichbar sei allerdings die finanzielle Ausstattung der USA-Wahlkämpfer mit denen in Deutschland: Clinton habe eine Milliarde Dollar für ihren Wahlkampf zur Verfügung, für Trump gebe es keine belastbaren Zahlen. Ein Problem der Vorhersage sei allerdings die Verwendung sogenannter schmutziger Social-Media-Instrumente gewesen, deren sich Clinton immerhin zu 40 Prozent, Trump zu 60 Prozent bedient habe. Das habe die Vorhersagen wieder zunichte gemacht.

Was tun also? Pörschmann hat dafür einige Tipps im Gepäck: Die Effizienz optimieren. Wechselwillige Wähler finden. Nichtwähler mobilisieren. Meinungsbildungs- und Kommunikationsstrukturen aufdecken und nutzen. Feststellen, wer Meinungsführer ist. Erhöhung der Echtzeit-Präsenz, taktische Vorteile nutzen. Facebook zielgruppenorientiert nutzen. Dabei nicht auf das verzichten, was immer Erfolg hatte: Von Tür zu Tür gehen und mit den Menschen reden, aber dabei vielleicht wissen, wen welches Thema bewegen könnte. / kp