17. November 2015
Die Welt im Fokus
Volkswirtschaftlicher Ausblick 2016
Politik im Krisenmodus, Griechenland, „Völkerwanderung“ in die EU und speziell nach Deutschland, Terror. Die geopolitischen Unsicherheiten haben zugenommen. Wie wirkt sich diese Instabilität auf die Volkswirtschaft aus und welche Konsequenzen sind im Bereich Finanzen und Anlagen zu erwarten?
von links: Prof. Dr. Axel Kind, Thomas Ziegler, Hans J. Friedrichkeit, Dr. Ivan Adamovich (Foto:WR)

Bei ihrer Jahresabschlussveranstaltung diskutierten die Unternehmerinnen und Unternehmer des Wirtschaftsrats, Sektion Lörrach/Müllheim, mit Dr. Ivan Adamovich, Stv. CEO der Notenstein La Roche Privatbank AG und Prof. Dr. Axel Kind, Inhaber des Lehrstuhls für Corporate Finance an der Universität Konstanz zum Thema „Anlegen in bewegten Zeiten“. Ivan Adamovich dazu: „Die Weltpolitik und zukünftige Ereignisse kann keiner voraussagen. Um jedoch gewappnet zu sein und langfristige Strategien entwickeln zu können, ist es notwendig, in Szenarien zu denken.“ Im Hause Notenstein La Roche geht man hier von 4 möglichen Szenarien aus. Darunter zum Beispiel „der rote Abgrund“ der Inflation und Rezession zugleich beschreibt aber auch zuversichtlichere Szenarien. Adamovich ermunterte die Unternehmer denn auch mehr über den deutschen und europäischen Tellerrand hinaus zu blicken. „Haben Sie keine Angst vor China! Es wird spannend zu beobachten, ob China die Transformation hin zu einer echten Konsumgesellschaft gelingt, ob dort weiterhin in erster Linie Produktion beheimatet sein wird oder auch echte Innovation.“

Gleich von welchem Szenario man ausgehe, resümierte Adamovich, sei es wichtig, sich zahlreiche Informationsquellen zu erschließen und diese kontrovers zu diskutieren. „Ein guter Anlageberater stimmt Ihnen nicht in allen Punkten zu, sondern diskutiert mit Ihnen. Er ist Ihr Gegenpart und zeigt Ihnen neue Perspektiven auf!“

Ähnlich argumentierte abschließend auch Prof. Dr. Axel Kind im Bereich der Behavioral Finance. Die Verhaltensökonomik ist ein Teilgebiet der Wirtschaftswissenschaft. Sie beschäftigt sich mit menschlichem Verhalten in wirtschaftlichen Situationen. Dabei werden Konstellationen untersucht, in denen Menschen im Widerspruch zur Modell-Annahme des Homo oeconomicus, also des rationalen Nutzenmaximierers, agieren. „Der Mensch sucht Sicherheit, er geht von effizienten Märkten aus“. Das aber, so Kind weiter, bilde nicht die Realität ab sondern sei eine verzerrte Wahrnehmung. Anschaulich bewies er mit psychologischen Hintergründen und visuellen Experimenten, wie leicht sich der Mensch vom rationalen Denken abbringen lässt und forderte die Unternehmerinnen und Unternehmer auf, möglichst rational vorzugehen. „Gefühl“, so Kind, „ist in vielen Bereichen des Lebens wichtig und richtig. Der Bereich Finanzen und Anlagen gehört nicht dazu.“