05. November 2013
Potentiale für Tiefengeothermie und unkonventionelle Gasgewinnung mit Fracking in Deutschland
Dr. Jörg Baumgärtner, Geschäftsführer der BESTEC GmbH in Landau, klärte über die Techniken der Tiefengeothermie und des Frackings auf.
Richard Einstmann und Sektionssprecher Johannes-Georg Voll (Foto: Wirtschaftsrat)

Karlsruhe. Nachdem sich Johannes-Georg Voll als neuer Sektionssprecher vorgestellt hatte, gab es gleich den ersten positiven Tagespunkt der Veranstaltung: Richard Einstmann wurde persönlich für seine 20-jährige tatkräftige Mitgliedschaft im Wirtschaftsrat durch eine Urkunde geehrt. „Ein Dank geht auch an alle Mitglieder, die gemeinsam mit uns wachsen!“, so Sektionssprecher Voll.

 

„Warum hat der Wirtschaftsrat das Thema Fracking bzw. Tiefengeothermie als Thema einer Veranstaltung gewählt?“, begann Voll. „Viele Mitglieder des Wirtschaftsrats beschäftigen sich beruflich mit dem Bereich Energie. Nach der Verwirrung über die Erhöhung der Strompreise und den Ärger über die EEG-Umlage dürfen wir uns neuen Techniken nicht pauschal verschließen, sondern müssen diese sachlich erörtern.“ Man habe wenige Erfahrungswerte im Bereich unkonventioneller Energiegewinnung, daher sei das Thema genau das richtige für den Wirtschaftsrat.

 

Der Wirtschaftsrat habe nun nach dem Ausscheiden der FDP aus dem Bundestag ein noch größeres Gewicht in Berlin. Bei über 11.000 Mitgliedern könne die Politik die Augen vor dem Wirtschaftsrat nicht mehr verschließen.

Dr. Jörg Baumgärtner, Geschäftsführer der BESTEC GmbH in Landau klärt über die Techniken des Frackings auf (Foto: Wirtschaftsrat)

Nach dem Studium der Physik begann sich Dr. Baumgärtner im Rahmen seines Unternehmens der BESTEC GmbH mit dem Thema der Geothermie zu beschäftigen. Die Idee gäbe es hier im Südwesten schon seit 1930. Denn seitdem habe es schon Ölbohrungen gegeben. Drei große Ressourcen, die Norddeutschen Becken mit ihren salinaren Fluiden, der Südwesten durch seine erhöhte Temperatur und die sogenannte Molasse im Münchner Raum, ermögliche beste Voraussetzungen für Tiefenbohrungen.

 

Im Gegensatz zu Photovoltaik und anderen erneuerbaren Energien, stehe Erdwärme stets zur Verfügung. Die Geothermie liege dort, wo sie gebraucht werde und könne besser dosiert werden.

Im Grunde bestehe die Tiefengeothermie auf der Bergbautechnologie und beruhe wie die selbige auf Erfahrung und technologischen Entwicklungen. Rein betriebswirtschaftlich gesehen, müsse die Planung aber komplett anders als beim Erdöl angegangen werden. Denn bei gleichem Aufwand, bekomme man für ein Barrell Öl 70 Dollar – für die gleiche Menge heißes Wasser nur 50 Cent.

 

Die jetzigen Geothermieanlagen hätten nur noch einen Eigenverbrauch von ca. 30 Prozent, so Dr. Baumgärtner. Momentan seien in Deutschland drei Anlagen in Betrieb. Hauptproblem, erläutert er, sei die öffentliche Akzeptanz.

(Foto: Wirtschaftsrat)

„Tiefengeothermie wird und ist ein Wirtschafts- und Standortfaktor! Wir brauchen größere Anlagen wie z.B. in Ländern wie der Türkei, um wirtschaftlicher arbeiten zu können. Die Tiefengeothermie hat eine höhere Verfügbarkeit, die Ressourcen werden effizienter genutzt und das Risiko einer seismischen Veränderung ist minimal“, schließt Dr. Baumgärtner. „Eine Industrienation kann diese Technologie nicht ignorieren!“, so sein Fazit. Die Diskussion über das Fracking sei völlig überhitzt. Für ihn sei vor allem die Versorgungssicherheit wichtig. Durch die Senkung der eigenen Erdgasförderung komme es aber zu einer großen Einfuhr aus Russland, was ein hohes Risiko bedeute.

 

Mit Dank an Dr. Baumgärtner für den „erheblichen Erkenntnisgewinn“ und im Anschluss an eine Diskussionsrunde schloss Sektionssprecher Voll die Veranstaltung und wünschte allen Mitgliedern ein gutes Hinübergleiten in die Adventszeit.