01. September 2016
Präzisionsmedizin: "Mut haben und machen!"
Wie könnten personalisierte medizinische Behandlungen in der Zukunft aussehen? Hat das bisherige Paradigma der Pharmaindustrie „One Pill Fits All“ ausgedient? Die Landesfachkommission „Innovation und Technologie“ und der Junge Wirtschaftsrat des Landesverbandes Hessen begaben sich auf Antwortsuche. Im Frankfurter Innovationszentrum Biotechnologie GmbH gab Dr. Christian Garbe, Managing Director des Hauses, Einblicke in die Medizin von morgen.
Dr. Christian Garbe (Foto: Wirtschaftsrat)

Dr. Christian Garbe, Managing Director des Frankfurter Innovationszentrum Biotechnologie GmbH, stieg mit einem Beispiel zur Präventionsmedizin in der Krebsforschung ein: „In den 70er Jahren dachte man, Krebs sei bald besiegt. Tatsächlich aber gibt es bisher vergleichsweise wenig Fortschritt auf dem Gebiet.“ Patienten würden weiterhin zumeist mit konservativen Standardmethoden behandelt. Dies gleiche eher einem Ausprobieren verschiedener Therapien in der Hoffnung, dass eine dann schon anschlagen würde. Garbe plädiert für ein Abwenden vom „One Pill Fits All“-Paradigma hin zur Präzisionsmedizin. Mit Hilfe einer großen Datenbank aus Forschungsergebnissen und Erfahrungswerten sei eine Algorithmus basierte Bestimmung der Behandlung möglich. Diese sei genau auf den Patienten angepasst und erhöhe so die Heilungschancen.

 

Garbe betonte gleichzeitig die Wichtigkeit eines Marktzugangs: „Man muss nicht alle Gelder in jedes mögliche Projekt stecken. Auch Patente sind nicht entscheidend, denn ähnliche Technologien gibt es häufig an mehreren Orten. Man muss sich nach dem Markt umschauen.“ Als Beispiel für einen zahlungskräftigen und vielversprechenden Markt nannte Garbe Indien. Darüberhinaus eigne sich Frankfurt optimal als Standort. „Wir könnten hier einen Datenflughafen bauen“, so der Experte.

 

Das Image der deutschen Ingenieurskunst und der Biotechnologie könnte also mit der Einführung und Weiterentwicklung der Präzisionsmedizin wieder aufpoliert werden. „Einfach Mut haben und machen!“, empfiehlt Garbe. Hierfür seien vor allem Fachkräfte gefragt, die bereits berufliche Erfahrungen auf dem Gebiet haben. Nicht zuletzt richtete der Experte auch einen Appell an die Politik. Das Wahren alter Strukturprobleme stehe „wissenschaftlichen Innovationen und somit auch dem Fortschritt neuer Therapien“ häufig im Wege. 

Kontakt
Michael Dillmann
Landesgeschäftsführer
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