24. Januar 2013
Professionelles Krisenmanagement auf dem Neujahrsempfang
Der Präsident des Wirtschaftsrates, Prof. Dr. Kurt J. Lauk, und die Abgeordneten Dr. Stefan Kaufmann MdB und Karl Herrmann MdL sprangen spontan ein
Über 300 Mitglieder des Wirtschaftsrates waren der Einladung zum Neujahrsempfang in die Mercedes-Benz Niederlassung Stuttgart gefolgt. Eine ungewöhnliche Aufgabe fiel dem stellvertretenden Landesvorsitzenden Joachim Rudolf direkt zu Beginn zu: Gleich zwei Redner musste er entschuldigen: Der Landesvorsitzende Dr. Ulrich Zeitel konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht an der Veranstaltung teilnehmen.
Prof. Dr. Kurt J. Lauk mahnt zur Wachsamkeit (Foto: Wirtschaftsrat)

Der Festredner des Abends, Georg Fahrenschon, Präsident des Sparkassen- und Giroverbandes e.V., saß in einem defekten Flugzeug in Dresden fest. Dem professionellen Krisenmanagement des stellvertretenden Landesvorsitzenden Joachim Rudolf und des Landesgeschäftsführers Bernhard Feßler war es zu verdanken, dass innerhalb kürzester Zeit eine dem Anlass entsprechende Veranstaltung konzipiert wurde. So wurde kurzer Hand die Gelegenheit zum Austausch mit dem Präsidenten des Wirtschaftsrates, Prof. Dr. Kurt J. Lauk, genutzt und die anwesenden Abgeordneten Dr. Stefan Kaufmann MdB und Karl Herrmann MdL wurden spontan zu einem kurzen Vortrag über aktuelle Themen aus Bund und Land „rekrutiert“.

 

Der Wirtschaftsrat feiert 2013 sein 50-jähriges Bestehen und damit 50 Jahre aktiven Einsatz für die Soziale Marktwirtschaft im Sinne Ludwig Erhards. Hierzu gratulierte Gastgeber Matthias Kallis, Mitglied der Geschäftsleitung der Mercedes-Benz Niederlassung, ebenso wie Dr. Stefan Kaufmann MdB und Klaus Herrmann MdL. Kaufmann unterstrich die Bedeutung des Jubilars: „Wenn es den Wirtschaftsrat nicht gäbe, müsste man ihn erfinden.“ Für Baden-Württemberg gibt es im Jubiläumsjahr noch einen weiteren Grund zur Freude und so konnte der stellvertretende Landesvorsitzende stolz verkünden: „Wir sind der mitgliederstärkste Landesverband!“

 

Mahnende Worte fand Rudolf mit Blick auf die Energiewende: „Wir müssen einen ausgewogenen Weg zwischen Wirtschaftlichkeit, Versorgungssicherheit und bezahlbarer Energie finden!“ Den „Drift in eine linksgerichtete Republik“ nimmt er mit ebensolcher Sorge wahr, wie die Schuldenwirtschaft der grün-roten Landesregierung. Versprochen wurde mehr Nachhaltigkeit. Jedoch gelte dieses Ziel scheinbar nicht für die Finanzpolitik. „Wie kann es sein, dass man bei unerwarteten Steuermehreinnahmen von über drei Milliarden Euro weitere Schulden macht?“, fragte Rudolf wörtlich. Das sehe die Wirtschaft im Land mit größter Sorge. Die Grünen wollten zudem für mehr Bürgerbeteiligung stehen und nun regiere in Stuttgart ein grüner Oberbürgermeister, der den Volksentscheid zu Stuttgart 21 wo immer möglich blockiere und unterwandere.

 

Der Präsident des Wirtschaftsrates führte in seinem Spontanvortrag einige Punkte aus, die ihm „persönlich am Herzen“ liegen. Als erschreckend bezeichnete er eine Analyse, nach der nur 30 Prozent der CDU-Wähler die Partei aus Überzeugung wählten. Bei der SPD liege der Prozentsatz immerhin bei 60, bei den Grünen sogar bei 80 Prozent. „Es geht um den Industriestandort Deutschland! Die CDU muss ihr wirtschaftspolitisches Profil schärfen!“, forderte Lauk. Mit Blick auf die Energiewende verlangte er mehr Augenmaß und europäische Politik. Zugleich beklagte er: „Es gibt in Deutschland in der Zwischenzeit eine Technikfeindlichkeit, die durch nichts gerechtfertigt ist.“ Wenngleich die Energiewende auch Chancen gerade für deutsche Mittelständler biete, gelte: „Wir dürfen mit Blick auf die Arbeitsplätze nicht desindustrialisieren und haben doch bereits begonnen.“

Prof. Dr. Kurt J. Lauk, Klaus Herrmann MdL und Dr. Stefan Kaufmann MdB (Foto: Wirtschaftsrat)

Für den Stuttgarter Direkt-MdB Dr. Stefan Kaufmann lautet die zentrale Frage. „Wie stellt sich Europa im internationalen Wettbewerb auf?“ Implizit heißt das auch, welchen Stellenwert nimmt Deutschland im Konzert der europäischen Nationen ein? Die Zahlen stimmen zuversichtlich: Mit 41,5 Millionen ist die Zahl der Beschäftigten so hoch wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr, gleichzeitig ist die Jugendarbeitslosigkeit erfreulich niedrig. Dies sei Verdienst der Arbeitgeber ebenso wie der Arbeitnehmer, liege aber auch daran, dass die Politik für die entsprechenden Rahmenbedingungen gesorgt hätte. Weniger erfreulich ist hingegen die Planung und Umsetzung von Infrastrukturprojekten: „Während in Shanghai vor der Expo in kürzester Zeit elf U-Bahnlinien gebaut wurden, streiten wir uns seit 20 Jahren leidenschaftlich um einen Bahnhof.“

 

Auch Klaus Herrmann MdL umriss kurz die aktuelle Haushaltssituation. Der CDU-geführten Regierung sei es bereits 2008 gelungen, ohne neuen Verbindlichkeiten auszukommen. Grün-rot hingegen mache trotz bester Konjunktur weitere Schulden. „Wir wollten Vorbild bleiben im Konzert der Bundesländer, davon sind wir nun weit entfernt.“ Als großen Fehler und unverantwortlich bezeichnete er die Einführung der Gemeinschaftsschule: „Ideologie in unseren Klassenzimmern wird zu einer Schwächung unseres Bildungsniveaus führen. Dagegen müssen wir uns deutlich wehren!“ Die erfreuliche Nachricht für die anwesenden Unternehmer hob er sich für den Schluss auf: „Wir wollen als CDU Baden-Württemberg das Thema Soziale Marktwirtschaft im Sinne Ludwig Erhards wieder mehr in den Mittelpunkt rücken.“

v.l.n.r: Matthias Kallis, Dr. Stefan Kaufmann MdB, Bernhard Feßler, Joachim Rudolf (Foto: Wirtschaftsrat)

Wie geschaffen war diese Aussage zur Überleitung zum letzten offiziellen Punkt. Als Stimme der Sozialen Marktwirtschaft ehrte der Wirtschaftsrat in Person von Joachim Rudolf zwölf langjährige Mitglieder. Seinen besonderen Dank sprach Rudolf auch dem Hauptamt unter Leitung von Landesgeschäftsführer Bernhard Feßler und seinem Team der Landesgeschäftsstelle aus. Der anhaltende Applaus zeigte die Wertschätzung der Mitglieder für die hauptamtliche Arbeit. Beim anschließenden Get-together, bereitgestellt von der Mercedes-Benz Niederlassung, wurde unter den Mitgliedern einhellig die gute Improvisationskunst des Wirtschaftsrat-Teams gelobt. Auch den ad hoc eingesprungenen Referenten wurde nochmals gedankt und ein durchweg gutes Zeugnis ausgestellt. Es war ein rundum gelungener Abend – Improvisation sei Dank.