02. Juni 2017
Reform der Erbschaftsteuer - Neue Herausforderungen bei der Unternehmensnachfolge
Christian Freiherr von Stetten MdB diskutiert mit Unternehmerinnen und Unternehmern der Region Stuttgart über die Auswirkungen der Reform der Erbschaftsteuer
Gemeinschaftsveranstaltung der Sektion Stuttgart mit dem Netzwerk der Frauen des Landesverbandes Baden-Württemberg, der Rechtsanwaltskanzlei Gleiss Lutz und der Ernst & Young GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft im Hause der Baden-Württembergischen Bank
vlnr. Dr. Achim Dannecker, Dr. Christian Ph. Steger, Christian Freiherr von Stetten MdB, Dr. Tabea Glemser (Foto:Wirtschaftsrat)

„Wer in einem Testament nicht bedacht worden ist, findet Trost in dem Gedanken, dass der Verstorbene ihm vermutlich die Erbschaftsteuer ersparen wollte“ führte Sir Peter Ustinov einst aus. Eine bessere thematische Einführung hätte es für diesen Abend nicht geben können. 

 

Die Reform der Erbschaftsteuer ist am 9. November 2017 mit Rückwirkung auf den 1. Juli 2016 in Kraft getreten. Mit der Reform - ursprünglich als „minimalinvasiv“ angekündigt - ergeben sich erhebliche Änderungen für Familienunternehmen und ihre Gesellschafter. Das bisher ohnehin schon komplizierte System der Erbschaftsteuerbegünstigung für Unternehmen wird noch komplexer.

 

Sowohl bei Schenkungen, als auch im Erbfall bestehen viele Fallstricke. Eine steuergünstige Übertragung von Unternehmen ist nach wie vor möglich, muss jedoch planvoll und mit entsprechender Zeit angegangen werden. Auch wenn eine Übertragung aktuell nicht ansteht oder geplant ist, ist in vielen Fällen geboten, für den nicht geplanten Unglücksfall vorzusorgen – Grund genug, sich einen ersten tiefergehenden Eindruck von den neuen Regelungen zu verschaffen.

Christian Freiherr von Stetten MdB in der Diskussion um die Reform der Erbschaftsteuer (Foto:Wirtschaftsrat)

Dr. Christian Ph. Steger, Rechtsanwalt, Steuerberater und Partner bei der Ernst & Young GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in Stuttgart sowie Dr. Achim Dannecker Rechtsanwalt, Steuerberater, Partner bei Gleiss Lutz Rechtsanwälte in Stuttgart präsentierten und erklärten in ihren Impulsvorträgen die Reform der Erbschaftsteuer unter der Blickperspektive neuer Herausforderungen bei der Unternehmensnachfolge und damit die teils undurchsichtigen und abstrakten Sachverhalte im neuen Gesetz.

 

Im Anschluss referierte Christian Freiherr von Stetten MdB, Vorsitzender des Parlamentskreises Mittelstand und Mittelstandspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion über Sinn und Zweck des neuen Gesetzes, welches etwaig, wie auch seine Vorgänger, an der Verfassungskonformität zu scheitern droht.

 

In einer gemeinsamen Podiumsdiskussion der drei Vortragsredner bekamen die Anwesenden die Gelegenheit, Fragen an die Referenten zu stellen sowie eigene Bedenken und Erfahrungen mitzuteilen. Familienunternehmen und Gesellschafter müssen sich auf neue Parameter einstellen:

Dr. Tabea Glemser dankt Gastgeberin Isabel Kleinert, Direktorin und Leiterin Private Banking der Baden Württembergischen Bank Stuttgart (Foto:Wirtschaftsrat)

- Komplexität und steigender Aufwand für den Steuerpflichtigen bei Steuerplanung und Steuererklärung

 

- die Gefahr höherer Steuerlast bei Unternehmensübertragung, z.B. Einbezug von Privatvermögen bei Verschonungsbedarfsprüfung (Bewertung von Unternehmen und Privatvermögen la zentrale Schaltstelle)

 

- Langfristige Steuerplanung für die gesamte Familie notwendig (Lebzeitige Gestaltungen noch wichtiger, Testamente müssen überprüft werden.

 

 

So ist das neue Konzept der Verschonung von Unternehmensvermögen differenzierter und komplizierter als früher, der Zufall spielt eine noch größere Rolle, z.B. plötzlicher Tod oder Streit in der Familie.

 

Klar wird damit, dass die aktuelle Rechtslage für Unternehmen und Unternehmer unbefriedigend ist und auf Dauer ein „Facelift“ benötigt. Fakt ist, dass jeder Einzelfall individuell zu beurteile ist, gute Beratung tut daher Not.

 

Über den Dächern Stuttgarts auf der Dachterrasse des Gastgebers, der Baden-Württembergischen Bank, durften die Teilnehmer nach einer interessanten, als auch thematisch sehr anspruchsvollen Veranstaltung, den Abend bei herrlichem Stadtpanorama gemeinsam ausklingen lassen.