08. Februar 2018
Mittagsveranstaltung der Sektion Pinneberg im Hotel Cap Polonio
Region nur im Verbund leistungs- und wettbewerbsfähig
Vernetztes Denken und Handeln zum Wohle einer Region und das über Kreis- und Landesgrenzen hinweg. Dieses Konzept hat sich jetzt die Sektion Pinneberg vom Vorstand der Süderelbe AG, Olaf Krüger, vorstellen lassen. Hintergrund: Ein vergleichbarer Zusammenschluß von Wirtschaft, Politik und Verwaltung war vor mehr als zehn Jahren entlang der Norderelbe am Widerstand einzelner Akteure gescheitert.
v.l. Sektionssprecher Jens Sander und Dr. Olaf Krüger (Foto: Wirtschaftsrat)

Dr. Krüger zeigte vor etwa 30 Interessierten auf, welche Mehrwerte der Zusammenschluß der Akteure aus Hamburg-Harburg sowie der Landkreise Stade, Harburg und Lüneburg seit der Gründung 2004 für die knapp 800.000 Süderelbe-Einwohner gebracht hat. „Die Region hat
sich Stück für Stück vom Kirchturmdenken zu einem kreis- und bundeslandübergreifendem Netzwerk entwickelt. Mit hoher Flexibilität und Tempo wird mit unternehmerischem Denken Wirtschafts- und Beschäftigungsförderung betrieben.“ Zentrale Ansätze des Verbundes, der
als Public-Private-Partnership-Modell von heute 98 Partnern getragen wird, sind neben der Netzwerkentwicklung die Stärkung der Standortattraktivität, die Förderung der Leit- und Zukunftsbranchen Luft-/Raumfahrt, Logistik sowie Ernährungswirtschaft, ein hoher Service für
Unternehmen bei deren Weiterentwicklung und die Entwicklung und Vermarktung von Gewerbeflächen. Unter dem Dach der Süderelbe sind laut Krüger in den vergangenen Jahren zahlreiche Projekte im Bereich der Standortentwicklung oder im Bereich Fachkräfte und Qualifizierung auf den Weg gebracht worden.

Dr. Krüger: „Nur als Verbund ist eine Region heute noch ausreichend leistungs- und wettbewerbsfähig.“ Das gelte beispielsweise auch bei der Beschaffung von projektbezogenen Fördermitteln. Krüger machte deutlich, daß es in den vergangenen Jahren auch durchaus Reibungsverluste gegeben hat. Die bisher umgesetzten Projekte und aktuellen Aktivitäten, z.B. ein „Kompetenzzentrum Neue Materialen und Produktion“ oder die Fachkräfteinitiative, würden den Zusammenhalt immer mehr stärken. „Die Wirtschaft wächst, und davon profitieren alle.“
Mit Blick auf die Zusammenarbeit mit dem größten Partner Hamburg sagte er: „Die Zusammenarbeit hat sich bewährt und wird immer besser. Dies liegt nicht zuletzt auch an den agierenden Personen.“ Insgesamt sind aus seiner Sicht regionale Kooperationen alternativlos.

 

„Wir haben ein starkes Nord-Süd-Gefälle, wenn es um Kreativität und Innovation in Regionen geht. Die Beschäftigungsanteile im Bereich wissensintensiver Industrien und Dienstleistungen sind im Norden deutlich geringer.“ Das es auch anders aussehen könne, mache das Emsland als ländliche Region vor. „Dort verstehen es die Akteure seit vielen Jahren, besondere Akzente zu setzen, um die Wirtschaft und die Region voranzubringen. Dort ist das Denken: Die Flut im Hafen hebt alle Schiffe.“ Als herausragendes Beispiel sei der aus der Region gemeinschaftlich finanzierte Ausbau der Autobahn 31 zu nennen.

Im Anschluß an den Vortrag entwickelte sich eine Diskussion, ob mittlerweile die Zeit reif sei, das Modell Süderelbe AG auch auf die Region entlang der Norderelbe zu übertragen. Krüger machte deutlich, daß es dabei ganz wesentlich auf die regionalen Akteure ankomme. Die
Süderelbe AG sei damals wohl auch eher eine Vernunftehe gewesen, die von den Landräten getragen wurde“. Vielleicht funktioniere der Verbund gerade deshalb bis heute immer besser. Diese Vernunftehe biete viele Ansätze auch für die Region Norderelbe, obschon ein „Copy & Paste-Modell“ so nicht funktionieren werde. Krüger: „Die maßgeblichen Akteure müssen von den Mehrwerten überzeugt sein“. Dann könnte auch im Bereich Norderelbe eine Kooperation aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung gelingen und die Region voranbringen. /Holger Hartwig