04. Januar 2017
Rentenmythen entlarven, Überlast der Jungen verhindern
Linke und Gewerkschaften schüren bewusst mit Falschmeldungen und Halbwahrheiten die Ängste der Bürger vor Altersarmut, um immer teurere Rentengeschenke durchzusetzen. Umso wichtiger ist es, die gefährlichen Rentenmythen durch Faktenwissen zu ersetzen.

Statt der jungen Generation immer weitere Lasten aufzubürden, brauchen wir ein „atmendes Rentensystem“: Künftig muss die Altersgrenze auch über den 67. Geburtstag hinaus mit der Lebenserwartung ansteigen, denn nur so lassen sich auskömmliche Alterseinkommen und erträgliche Beitragszahlungen miteinander verbinden.

 

Altersarmut – nur eine Randerscheinung

Rentenpopulisten verschiedener Parteien haben begierig Zahlen des WDR aufgegriffen, wonach angeblich jedem zweiten Rentner Altersarmut drohe, weil seine Rente einmal auf Hartz IV-Niveau sei. Wie falsch das ist, zeigt die aktuelle Rentenstatistik: Auch heute liegen 47 % der gesetzlichen Renten unter 750 €, unterschreiten also das Grundsicherungsniveau. Trotzdem sind nur 2,5 % der Bezieher gesetzlicher Renten auf Hartz IV angewiesen. So liegt auch dann, wenn ein Partner weniger als 750 € aus der Gesetzlichen Rentenversicherung erhält, das durchschnittliche Haushaltsbruttoeinkommen eines Rentnerpaares bei über 3.300 € – also weit oberhalb jeglicher Armutsschwelle.

 

Zu berücksichtigen sind nämlich sämtliche Einkommensarten: beispielsweise auch die gesetzliche Rente des Partners, die gerade bei ehemals teilzeitbeschäftigten Frauen in traditionellen Ehen oftmals höher ist als die eigene; ebenso Ansprüche aus berufsständischen Versorgungswerken oder der eigenverantwortlichen Altersvorsorge, die viel verbreiteter ist, als vielfach angenommen: 70 % aller abhängig beschäftigten Alleinstehenden und sogar 86 % aller Paare sorgen vor, indem sie in Riester-, Rürup- und Betriebsrenten sowie Renten- und Lebensversicherungen einzahlen. Personen, die in anderer Weise sparen oder Hypothekendarlehen zurückzahlen, sind dabei noch nicht einmal berücksichtigt. Insgesamt legen Deutsche durchschnittlich immerhin zehn Prozent ihres Einkommens beiseite.

 

Renten steigen weiter

Aktuell ist die Rentenversicherung noch in einer relativ komfortablen Lage, da auf einen Ruheständler drei Personen im erwerbsfähigen Alter kommen. Zwischen 2020 und 2030 wird dieses Verhältnis jedoch von 3:1 auf 2:1 sinken. Dennoch werden die Rentenleistungen weiter ansteigen: Zwar geht das Rentenniveau von heute 47,5 % auf voraussichtlich 44,6 % in 2029 zurück. Doch der Referenzmaßstab, auf den sich der Prozentwert bezieht, ist der Durchschnittslohn, und der steigt weiter. Deshalb wird die Rente des „Eckrentners“ von heute 1.314 € über 1.517 € in 2020 und 1.680 € in 2025 auf 1.824 € in 2030 steigen, so die Schätzungen des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Auch nach Abzug der Inflation werden die Rentner deshalb über stetig mehr Kaufkraft verfügen.

 

Dabei ist beim „Eckrentner“ noch nicht einmal berücksichtigt, dass sich das Renteneintrittsalter von einst 65 auf 67 erhöhen wird. Arbeiten Personen tatsächlich zwei Jahre länger als bisher und erwerben sie dementsprechend zusätzliche Rentenansprüche, dann sinkt das Rentenniveau kaum noch, nämlich von 47,5% auf 46,6% in 2029. Die „Eckrente“ wäre dann mit 1.905 € um rund die Hälfte höher als heute.

 

Beitragslasten nehmen zu

Schwieriger als für die Rentner wird es für die Beschäftigten. Denn selbst ohne weitere Rentengeschenke wird der Rentenbeitrag laut Rentenversicherungsbericht von heute 18,7 % auf 21,5 % in 2029 ansteigen. Für einen Single mit Bruttodurchschnittseinkommen von 37.000 € bedeutet dies eine Zusatzbelastung von 387 € jährlich. Noch viel schlimmer würde es, wenn sich die Gewerkschaft ver.di und SPD-Linke mit ihrer Forderung durchsetzen, das Rentenniveau auf 50 % anzuheben. Der typische Alleinstehende würde dann mit 870 € zusätzlich zur Ader gelassen, ein durchschnittliches kinderloses Paar mit 1.800 €. Insgesamt müssten Arbeitnehmer und Arbeitgeber dann allein bis 2029 Zusatzlasten von sage und schreibe 350 Mrd. € schultern.

 

Eine solche gigantische Umverteilung wäre umso paradoxer, als nur jeder 40. Rentner auf Hartz IV angewiesen ist, dagegen im Durchschnitt der Bevölkerung jeder Elfte. Der Rentenexperte Prof. Börsch-Supan vom Münchner Max-Planck-Institut formuliert vor der Bundesfachkommission Arbeitsmarkt- und Alterssicherung zurecht: „Zusätzliche Rentenleistungen, die zugleich den Jungen noch mehr Lasten aufbürden, verschlimmern die Armutsprobleme in Deutschland anstatt sie zu lindern.“

 

Längeres Leben – längere Erwerbstätigkeit!

Statt die nicht-zukunftsfeste, umlagefinanzierte Gesetzliche Rentenversicherung immer weiter aufzublähen und so die Beitragslasten noch weiter steigen zu lassen, gilt es, das System zu entlasten. Schlüssel ist dabei der automatische Anstieg des Renteneintrittsalters mit der Lebenserwartung auch über den 67. Geburtstag hinaus. Bereits zwischen den Jahren 2000 und 2014 ist die durchschnittliche Lebensarbeitszeit der Deutschen um fast vier auf 38 Jahre angestiegen, liegt damit aber noch hinter den skandinavischen Ländern. Dort verdeutlichen transparente Renten-Informationssysteme den Bürgern, wie positiv sich ein späterer Renteneintritt und stärkere Vorsorgeanstrengungen auf ihre individuellen Alterseinkommen auswirken. Diesem Vorbild sollte Deutschland folgen. So können wir erreichen, dass Altersarmut bei uns weiterhin eine Randerscheinung bleibt und gleichzeitig die junge Generation nicht überlastet wird.