10. Dezember 2015
Russland-Sanktionen: Düstere Prognosen und doch ein kleiner Hoffnungsschimmer
In Zeiten politischer und wirtschaftlicher Unruhen, ist das Bedürfnis nach professionellen Antworten und Ausblicken besonders groß. Daher lud die Landesfachkommission „Internationaler Kreis“ zu Beiten Burkhardt ans Mainufer ein. Mit dem Veranstaltungstitel „Russland-Sanktionen: Ist ein Ende in Sicht?“ wurde sich einem Thema angenommen, das viele Gäste sowohl wirtschaftlich, als auch privat umtreibt.
v.l.n.r.: Carola Paschola, Prof. Dr. Rainer Lindner und Falk Tischendorf (Foto: Wirtschaftsrat)

Prof. Dr. Rainer Lindner, Geschäftsführer des Ostausschusses der Deutschen Wirtschaft, gab eine eher düstere Prognose ab: Die Lage der deutschen Unternehmen werde sich nicht so schnell verbessern und der Druck werde zunehmend steigen, da die russische Wirtschaft weiterhin in der Rezession bleiben werde. Die Situation in Russland und der Ukraine habe sich von einem militärischen hin zu einem wirtschaftlichen Konflikt gewandelt. In den kommenden Monaten werde Russland seine Grenzen für ukrainische und europäische Produkte schließen. Lindner konstatierte, dass man von einer Umsetzung des Abkommens „Minsk II“ weit entfernt sei. Gleichzeitig warnte er: „Das Gelegenheitsfenster für Verhandlungen schließt sich zunehmend“. Doch ebendiese Verhandlungen und ein Rückschrauben der Sanktionen könnten Russland zeigen, dass sich Kooperation lohnt. Weiterhin stellte Lindner klar, dass Russland kein Interesse am östlichen Teil der Ukraine habe und somit keine weiteren Pläne für geographische Ausweitung zu erwarten seien.

 

Falk Tischendorf, Rechtsanwalt und Leiter des Moskauer Büros von Beiten Burkhardt, beleuchtete den Konflikt aus Unternehmersicht. Die von den Sanktionen betroffenen Unternehmen in Russland hätten enorme Schwierigkeiten. Die meisten seien von den Finanzmarkteinschränkungen, welche das größte Problem darstellen, betroffen. Auch in den Verhandlungen, die er selbst betreue, sei ein Vertrauensverlust beider Seiten deutlich spürbar. Gerade die deutschen Unternehmen bekämen jedoch häufig ernstzunehmende Probleme, wenn sie ihre Aufträge nicht abschließen können. Zu bedenken sei auch, dass aufgrund der europäischen Sanktionen Russland zunehmend gezwungenermaßen „bei Großprojekten auf den asiatischen Markt zurückgreift“.

 

Im Anschluss an die Vorträge der Experten wurde noch fleißig über illegale Sanktionsumgehungen und Länder, die sich den Sanktionen nicht anschließen, diskutiert.