13. Juli 2016
Sicherheit und Verteidigung im europäischen und globalen Kontext
Europa ist das größte Friedensprojekt, aber Frieden ist eine multidimensionale Aufgabenstellung!
Vorstellung des Ulmer Kommandos mit Generalleutnant Richard Roßmanith, Befehlshaber Multinationales Kommando Operative Führung/ Multinational Joint Headquarters Ulm
Vorstellung des Ulmer Kommandos mit Generalleutnant Richard Roßmanith (Foto: Atelier für Industrie-Design und Kommunikation, Aalen)

Ulm. „Wie ist Deutschland heute im Hinblick auf Sicherheit und Verteidigung im europäischen und globalen Kontext zu sehen?“ eröffnete Dr. Martin Ziener, Mitglied des Vorstands der Sektion Ulm/Ehingen/Biberach den Abend im Offizierheim Ulm. Neben der Bundestagsabgeordneten Hilde Mattheis MdB waren rund 25 Unternehmerinnen und Unternehmer zusammen gekommen, um sich über die aktuelle Sicherheitslage zu informieren.

 

In Ulm begannen der Militäreinsatz im Kongo sowie andere weltweite Kriseninterventionen. Mit dem Ulmer Kommando erfüllt Deutschland seine Verpflichtung zur Schaffung eines einsatzfähigen Führungsinstruments im Rahmen weltweiter Krisenbewältigung. Diese reichen vom gescheiterten »Arabischen Frühling«, über terroristische Bedrohungen durch Islamischer Staat, Al Qaida, Boko Haram und Al Shabaab bis hin zu den Auswirkungen des Krimkonflikts und des Bürgerkrieges in der Ostukraine oder den bereits lang anhaltenden Krisen auf dem Balkan und in Zentralafrika.

Hilde Mattheis MdB und Generalleutnant Richard Roßmanith beim Unternehmer-Dialog (Foto: Wirtschaftsrat)

Im Auftrag der EU, Nato und UN führt das Ulmer Kommando Operationen multinationaler Streitkräfte aus Heer, Luftwaffe, Marine und spezialisierten Kräften mit einer Stärke von bis zu 60.000 Soldaten. Als Dienststelle der Bundeswehr ist es die zukunftsweisende Antwort auf die immer komplexer werdenden Herausforderungen im Einsatzgebiet. Das jederzeit schnelle und weltweite Verlegen des Kommandos wird durch ständig einsatzbereites Personal und seine hochmobile Gefechtsstand- und moderne IT-Ausstattung sichergestellt.

 

Befehlshaber Generalleutnant Richard Roßmanith gewährte hierzu einen exklusiven Blick hinter die Kulissen und gab eine höchst fundierte Einschätzung aus militärischer Sicht. Während die Gründungsväter Europas die Erhaltung des Friedens als höchste Priorität sahen, stellt sich derzeit die Frage, ob die „post cold war period“ kraft aktueller Entwicklungen bereits wieder beendet ist? 

Generalleutnant Richard Roßmanith und Dr. Martin Ziener, Mitglied des Vorstands der Sektion Ulm/Ehingen/Biberach (Foto: Wirtschaftsrat)

Der General fasste nach einem ausführlichen Lagebericht und persönlichen Einschätzung der Situation im Hinblick auf Russland, den Islamischen Staat und weiteren Bedrohungen zusammen:

 

1. Die politische und militärische Zusammenarbeit mit den USA muss weiter bestehen. Europa wird künftig mehr Verantwortung übernehmen müssen, wenn sich die USA zunehmend aus ihrer Rolle des „Weltpolizisten“ zurücknehmen.

 

2. Es muss mehr Lastenverteilung zwischen den USA und Europa geben. Eine risikofreie Sicherheitspolitik ist für Deutschland weder heute, noch künftig möglich.

 

3. Der deutsche Verteidigungshaushalt ist ein Indikator für die Lastenverteilung.

 

4. Im Rahmen der sicherheitspolitischen Debatte in Deutschland muss man sich stärker an  den tatsächlichen militärischen Gegebenheiten orientieren, was auch eine seriöse  Russland-Expertise erforderlich macht.

 

Im Ergebnis bedeutet dies, dass ein starkes transatlantisches Bündnis gepflegt werden muss, indes geprägt von weiterhin guten Beziehungen mit Russland als Zielsetzung.

 

„Europa ist ein multi-dimensionales Friedensprojekt. Der gegenwärtige Terror ist daher nicht nur mit militärischen Mitteln zu bekämpfen, sondern diese sind nur ein Teilaspekt der Handlungsmöglichkeiten. Die sicherheitspolitische Debatte muss sich deshalb an militärischen Realitäten orientieren“ fasste Dr. Ziener die Diskussion dankend zusammen.

 

Letztlich bedeutet dies nichts anderes, dass sich Deutschland endlich seiner europäischen und internationalen Verantwortung stellen und dieser auch international gerecht werden muss!