24. Oktober 2017
Situation des Leipziger Arbeitsmarktes aus Sicht der Agentur für Arbeit Leipzig
Ein hoher Beschäftigungsstand ist neben Wirtschaftswachstum, Preisniveaustabilität und außenwirtschaftlichem Gleichgewicht ein Gesamtziel unserer Volkswirtschaft. In der letzten Zeit hat sich die Arbeitsmarktlage in Deutschland und in Sachsen laut offizieller Statistik stetig verbessert. Ist dies aber wirklich so? Wie sieht es mit „Aufstockern“, „Multijobbern“ und Menschen in geförderten Arbeitsmarkt-Maßnahmen aus? Was ist der Unterschied zwischen Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung? Wie unternehmensorientiert und erfolgreich funktioniert die Vermittlung von registrierten Arbeitslosen und existiert tatsächlich die Möglichkeit, aus Langzeitarbeitslosen qualifizierte, von den Unternehmern nachgefragte, Fachkräfte zu machen?
(Foto: Wirtschaftsrat)

Zu diesen und weiteren Punkten referierten Steffen Leonhardi, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Leipzig sowie Dorit Seebo, verantwortlich für das operative Geschäft des Jobcenters Leipzig gemäß der von ihnen zu verantwortenden Rechtskreise des Sozialgesetzbuches (SGB). Im Septembervergleich ist die Gesamt-Arbeitslosenquote in Leipzig von 8,2% im Jahr 2016 auf 7,4% zurückgegangen. Es werden generell zwei Bereiche nach SGB unterschieden. SGB II (ALG 2) und SGB III (ALG 1). Hierbei ist zu konstatieren, dass mit 15.583 Arbeitslosen der Rechtskreis SGB II (also Hartz IV) ca. doppelt so viele Arbeitslose in Leipzig beinhaltet, wie der Bereich ALG 1. Herr Leonhardi machte die Unterschiede zwischen Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung deutlich. Die Leipziger Unterbeschäftigungsquote fällt mit 10,9% entsprechend höher aus, weil darin alle Personen, die an Arbeitsmarktmaßnahmen teilnehmen, eingerechnet werden. 

In Leipzig ist in den letzten Jahren ein merklicher Beschäftigungszuwachs festzustellen, wobei der Dienstleistungssektor diesbezüglich die meisten Arbeitsplätze zur Verfügung stellt. Aufgrund der zunehmenden Digitalisierung steigt jedoch auch das Anforderungsniveau in fast allen Wirtschaftsbereichen. Mittels der Förderung z.B. von Menschen mit Vermittlungshemmnissen bzw. von Geringqualifizierten über Eingliederungszuschuss oder WeGebAU kann eine erfolgreiche Integration in den Arbeitsmarkt gelingen. Für die Integration von Flüchtlingen brauche man jedoch Geduld, führte Frau Seebo aus. Hier müsse man mit einer Integrationsdauer von 5-10 Jahren rechnen, wobei neben der Integration in den Arbeitsmarkt auch die in das soziale Umfeld gelingen müsse. Die Integrationsquote von Flüchtlingen liegt derzeit bei 10,9%. Es gibt hier entsprechend noch Nachholbedarf.

 

Hinsichtlich der Arbeitsmarktmaßnahmen (Umschulungen etc.) gibt es jedoch insgesamt Erfreuliches zu vermelden: ca. 70% der Menschen aus diesen Maßnahmen kommen im Anschluss zumindest wieder in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Aus dem Publikum wurden Erfahrungen mitgeteilt, wonach vor allem im Pflegebereich und nach entsprechender Sprachausbildung, eine Flüchtlingsintegration gelingen kann. Der Wirtschaftsrat bedankt sich bei den Referenten sowie bei der Commerzbank AG in Leipzig, welche diesen informativen Abend möglich gemacht haben.

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